Asien-Seminar in Oberwesel

Gruppe

Das Seminar „Spiritualität und Wissenschaften: Zu Geschichte und Modernität des asiatischen Denkens“ führte vom 29.02. bis 03.03.2016 eine Gruppe von 22 KAAD-Stipendiatinnen und Stipendiaten nach Oberwesel. Diese entstammten 12 unterschiedlichen Ländern. Neben Stipendiaten/innen aus der VR China, Indien, Indonesien, Myanmar, den Philippinen und Sri Lanka waren auch Stipendiaten/innen aus Ägypten, Bolivien, Palästina, Peru und Syrien vertreten. Dies bereicherte das Seminar sehr. Leitung: Dr. Heinrich Geiger, die geistliche Begleitung teilten sich: Pater Wilson Parekkattil, Indien, und Pater Joseph Khup Huam Mang, Myanmar. Veranstaltungsort war die Internationale Jugendburg, Kolpinghaus auf Schönburg, deren mittelalterliche Kapelle den Patres – beide Stipendiaten des Albertus-Magnus-Stipendienprogramms – einen würdigen Rahmen für die von ihnen im Geist der spirituellen Traditionen ihrer Heimatländer gestalteten Gottesdienste bot.

SpeerIm Laufe des Seminars konnten die Teilnehmenden auf die Lebenssituation in ihren eigenen Heimatländern reflektieren und dabei der grundsätzlichen Frage nachgehen, ob es überhaupt eine spezifisch asiatische Spiritualität gibt und, wenn ja, was ihre Merkmale sind? Es ergab sich ein breiter Horizont. Der erste Referent, Prof. Dr. Andreas Speer, Direktor des Thomas-Instituts der Universität zu Köln, ging in seinem Vortrag dem Verhältnis von Spiritualität und Wissenschaft in der abendländischen Geistesgeschichte nach: „Selbsterkenntnis ist Gotteserkenntnis“.

Poraj

An diesem Gedanken setzte dann auch der Vortrag des zweiten Referenten Dr. Alexander Poraj vom Zentrum für spirituelle Wege, Holzkirchen an. Er ging von zwei thematischen Schwerpunkten aus: 1. Der Frage „Wer bin ich?“ und 2. der Antwort auf diese Frage in den einzelnen Kulturen. In einem historischen Exkurs legte er zunächst dar, was die Ursprünge der Spiritualität aus seiner Sicht sind. Danach konzentrierte er sich auf das Thema des „Erwachsens“, dem im Zen-Buddhismus besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Die Teilnehmenden fragten nach den Grundlagen des moralischen Handelns, der Vielfalt der Interpretationen von Spiritualität, der Identität von Ost und West im Streben nach der Einheit, und sorgten so für eine spannende Seminaratmosphäre, die nie die Frage nach der Verbindung von Spiritualität und Wissenschaften aus den Augen verlor. Am Beispiel des moralischen Handelns wurde dargelegt, dass in Asien Gefühle wie Scham und Ehre, Intuition und unmittelbare Erfahrung eine dem Verstand ebenbürtige Rolle spielen. Die asiatische Geisteshaltung sei nicht von einem Dualismus geprägt, bei dem es nur um ein Entweder-Oder gehe, sondern vielmehr um die Grundidee der Harmonie, in der es ein Sowohl-Als-Auch gebe.