Konferenz in Bogotá (Kolumbien): Paz, Reconcilisación y justicia transicional

P. Jorge H. Peláez SJ, Rektor der Javeriana eröffnet die Konferenz

Die Friedensverhandlungen zwischen Regierung und FARC-Rebellen und die Perspektiven eines Versöhnungsprozesses in Kolumbien bildeten den Hintergrund unserer internationalen Konferenz in Bogotá.

Wird es in Kolumbien nach der für Ende März geplanten Unterzeichnung eines Friedensvertrages zwischen Regierung und der FARC-Guerilla tatsächlich zu einem langfristigen Frieden zwischen den Konfliktparteien kommen? Kann die Gesellschaft nach Jahrzehnten der Gewalt und des Hasses den Weg der Versöhnung einschlagen? Vor dem Hintergrund solcher Fragen fand in Bogotá in Zusammenarbeit mit der Pontificia Universidad Javeriana vom 25. bis 28. Februar 2016 unsere internationale Konferenz „Paz, Reconciliación y Justicia Transicional“ statt. Rund 40 Alumni aus sieben Ländern Lateinamerikas und Gäste aus Deutschland waren dazu an der renommierten Jesuiten-Universität zusammengekommen; unter ihnen KAAD-Generalsekretär Dr. Hermann Weber, die Politologin Dr. Sabine Kurtenbach (GIGA Hamburg) und die Geistlichen Beiräte des KAAD, Prof. Dr. Ulrich Engel O.P. und Prof. Dr. Thomas Eggensperger O.P.

Hermann Weber spannte in seinem Eröffnungsvortrag einen weiten Bogen, in dem er auf Erinnerungskulturen und Versöhnungsprozesse in verschiedenen Teilen der Welt seit dem Zweiten Weltkrieg  – besonders die deutschen Erfahrungen – Bezug nahm und theoretisch über die zentralen Begriffe der Veranstaltung reflektierte. Die KAAD Alumni (in ihrer Mehrheit Juristen und Politologen) brachten nicht nur ihre fachlichen Expertisen ein, sondern gaben der Konferenz ihren besonderen Charakter, indem sie vergleichende Perspektiven aus zahlreichen Ländern Lateinamerikas einfließen ließen. So konnte etwa auf die Arbeit und Erfahrungen von Wahrheitskommissionen in Guatemala, Peru, Ecuador und Brasilien Bezug genommen werden.

Teilnehmer Julián Bustamante (Kolumbien) nd Galo Nina (Ecuador)

Die Diskussionen der Veranstaltung verliefen durchaus kontrovers, besonders im Hinblick auf den Begriff der „Transitional Justice“. Viele kolumbianische Juristen stellen den Friedensprozess in Frage, wenn er nicht im Rahmen des etablierten Rechtssystems und bestehender Gesetze umgesetzt werden kann, während andere ein „Übergangsrecht“ als Teil des Versöhnungsprozesses ansehen. Dem auch aus kirchlicher Sicht zentralen Thema „Vergebung und Erinnerung als Grundelemente von Versöhnung“ war ein eigener Arbeitskreis gewidmet.

Alumnus Paul Dávila mit den Anwältinnen für indigene Rechte K. Dangand und E. Apolinar

Zwar gibt es pessimistisch stimmende Umfrage-Ergebnisse zu der Versöhnungsbereitschaft der kolumbianischen Gesellschaft, die etwa der Politikwissenschaftler Pedro E. Valenzuela G. vortrug, doch überwog am Ende der Konferenz eine optimistische Haltung, die sich u. a. auf das hohe intellektuelle Reflexionsniveau des Themas innerhalb der Zivilgesellschaft und die Sehnsucht der Menschen nach Frieden stützt. Es besteht kein Zweifel, dass auf dem Weg zu Frieden und Versöhnung, aber auch bei der Herausbildung einer neuen „Identität“ und Einheit des Landes, die Kirche eine wichtige Rolle einnehmen wird. Am Rande der Konferenz formierte sich eine lateinamerikanische Alumnigruppe „Frieden und Gerechtigkeit“. Diese neue Arbeitsgruppe innerhalb der internationalen KAAD-Gemeinschaft erhielt als einen ihrer ersten Arbeitsaufträge, das Manuskript für eine Buchveröffentlichung zu erstellen, die die Ergebnisse des Kongresses präsentieren soll. Das Buch wird dann von KAAD und Javeriana gemeinsam publiziert.