Unternehmensverantwortung für globalen Umweltschutz

Können Unternehmen Teil der Lösung sein, wenn es um globalen Umweltschutz geht? Dieser Frage widmete sich ein KAAD-Seminar in Gelsenkirchen vom 10. bis 13. März 2016. Stipendiaten/innen aus über zwanzig Ländern nahmen die Chance wahr, Erfahrungen aus ihren Heimatländern mit Experten zu diskutieren.

Am Beispiel des Bergbausektors auf den Philippinen und in Brasilien stellte Michael Reckordt von der Fachorganisation PowerShift das Potential sektoraler Zertifizierungen und „Codes oUnternehmensverantwortung_1f Conduct“ dar. Dabei wurde deutlich, dass die Zivilgesellschaft für das Gelingen seriöser Multi-Stakeholder-Prozesse eine wichtige Rolle hat. Gerade in der Planungsphase umweltbelastender Großprojekte gelte es, die Interessen der Bevölkerung kraftvoll zur Sprache zu bringen und lokale Aktivisten durch internationale Unterstützung vor Einschüchterung zu schützen. Großes Potential habe auch Lobbyarbeit im Norden zugunsten verbindlicher Sorgfaltspflichten von Unternehmen entlang der Lieferkette. Unternehmensverantwortung darf aber nicht auf nachsorgenden Umweltschutz beschränkt werden. Stefan Schridde, der Initiator der Organisation „MURKS? NEIN DANKE“ machte in seinem engagierten Vortrag deutlich, dass Corporate Social Responsibility nur glaubwürdig ist, wenn sie im Kerngeschäft der Produktentwicklung und der Prozessorganisation eines Unternehmens ansetzt.

Unternehmensverantwortung_2Beispiel „geplante Obsoleszenz“: Dieselben Firmen, die durch Verwendung verschleißanfälliger Materialien Ressourcenverbrauch und Abfallbelastung in die Höhe treiben, werben nicht selten mit ihrem CSR-Engagement. Dabei geht es auch anders: Inspiriert durch das innovative Geschäftsmodell des „Fairphone“ erprobten die Teilnehmenden in kreativen Arbeitsgruppen Ansatzpunkte für ressourcenschonendes, reparaturfreundliches und kreislauforientiertes Produktdesign.

Der zweite Seminartag stand im Zeichen der sozialethischen Reflexion von Unternehmensverantwortung. Professor Dr. Joachim Wiemeyer (RUB), der dem KAAD als langjähriges Mitglied des Auswahlausschusses verbunden ist, skizzierte die zentralen Prinzipien der katholischen Soziallehre für unternehmerische Umweltverantwortung. Wichtig sei, dass freiwillige Standards überprüfbar seien, so Wiemeyer. Unternehmen müssten sich also auf unabhängige Kontrollen und Sanktionsmöglichkeiten verständigen. Er erinnerte daran, dass auch Bürger/innen als Kaufende und Sparer (Stichwort ethisches Investment) einen gewissen Druck ausüben könnten.

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Dies könne wirkungsvolle staatliche Ordnungspolitik zwar nicht ersetzen, aber ergänzen. Anhand ausgewählter Texte aus der Umweltenzyklika Laudato si vertieften die Teilnehmenden in Arbeitsgruppen wichtige Einzelaspekte globaler Umwelt-Governance mit Blick auf ihre Heimatländer. Mit einem spannenden Ausflug in die Industriegeschichte des Ruhrgebiets beim Besuch des UNESCO-Welterbes Zeche Zollverein in Essen klang eine gelungene Veranstaltung aus.