Wiederaufbau: Wie Postkonfliktgesellschaften einen Neuanfang schaffen

Die derzeitigen Gewaltkonflikte im Nahen Osten, aber auch in anderen Teilen der Welt, haben Zerstörungen, Fluchtbewegungen und großflächige Destabilisierung ganzer Regionen zur Folge. Ist ein Neuanfang für die tiefgespaltenen Gesellschaften im Nahen Osten möglich, wie können wieder Formen funktionierender Staatlichkeit entstehen und welche Formen internationaler Wiederaufbauhilfe können gelingen? Diesen Fragen widmete sich das KAAD-Seminar „Wiederaufbau: Wie Postkonfliktgesellschaften einen Wiederaufbau schaffen“, das vom 04.08. – 07.08.2016 in Berlin stattfand (Leitung: Dr. Christina Pfestroff/ Geistliche Begleitung: P. Prof. Dr. Thomas Eggensberger). Insgesamt nahmen 31 Stipendiatinnen und Stipendiaten des KAAD, des Cusanuswerks und des Theologischen Stipendienprogramms Albertus Magnus an der Veranstaltung teil.

Dr. Bruno Schoch von der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, der intensiv zum Kosovo, aber auch  zu anderen Konflikten geforscht hat, erläuterte, welche Schritte beim Übergang von bewaffneten Auseinandersetzungen hin zur Demokratisierung notwendig sind und dass das Stoppen der Gewalt ein erstes und zentrales Element des Übergangsprozesses ist.

Der Frage nach der Deradikalisierung terroristischer Gruppen und Möglichkeiten der Versöhnung nach terroristischer Gewalt widmete sich Anna Mühlhausen von der Universität Magdeburg. Möglichkeiten der Aufarbeitung kollektiver Verbrechen in der Vergangenheit (Transitional Justice) und der Versöhnung (Reconciliation) wurden ebenso an Beispielen erläutert, wie verschiedene Methoden der Verhandlungsführung und des Konfliktmanagements mit dem Ziel der Deradikalisierung bzw. der Loslösung (Disengagement) aus einem terroristischen Umfeld.

Während viele Teile des Seminars auch Konfliktregionen außerhalb des Nahen Ostens miteinbezogen, widmete sich ein Seminarblock der Situation in Syrien. Unter dem Titel „Verhandlungsfrieden in Syrien?“ fand ein Austausch zu den VN-fazilitierten Syria Talks in Genf mit der Diplomatin und Nahostexpertin Frau Katharina Lack (Special Assistant to the Director, Stiftung Wissenschaft und Politik) statt.

Thematisch den Blick etwas weiter in die Zukunft gerichtet, präsentierten die KAAD-Stipendiatinnen Sana Kassouha  und Yara Moualla ihre Forschungsschwerpunkte:  Strategien des materiellen Wiederaufbaus zerstörter Städte (am Beispiel von Homs, Syrien) unter Berücksichtigung von demographischen, sozialen und kulturellen Faktoren sowie die Bewahrung des immateriellen kulturellen Erbes (Intangible Cultural Heritage) und dessen Bedeutung für die kulturelle Identität.

Thematische Stadtführung

Besuch bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau

Verschiedene Strategien des Wiederaufbaus konnten bei einem eigens zu diesem Thema konzipierten Stadtrundgang durch Berlin veranschaulicht werden, der mit einem Besuch in den altehrwürdigen Räumen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) im ehemaligen Bankenviertel von Berlin endete.