Religion und Konflikt, Religion und Frieden: KAAD-Afrika-Seminar in Lingen im Juni 2016 und gemeinsame Akademie des KAAD und des Cusanuswerks in Arusha/Tanzania im August 2016

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Teilnehmende der Akademie in Arusha/Tansania

Religion(en) und Konflikte und das friedensstiftende Potential von Religion(en) – dieses Thema steht seit langem im Fokus der thematischen Arbeit des KAAD. Neben der Region Nahost kommt vor allem die Region Sub-Sahara Afrika immer stärker in den Fokus, wenn es um die Koexistenz von Muslimen und Christen geht – manche Wissenschaftler behaupten, dass hier die neue Frontlinie des Dschihadismus verläuft und der „battle ground“ für Fundamentalisten beider Seiten. Bei den beiden KAAD-Veranstaltungen, die dieses Jahr zu diesem Thema stattfanden, ging es aber ebenso auch um die Frage, ob die traditionell friedlichen Beziehungen der Religionen in weiten Teilen Afrikas auch als Ressource für Friedenssicherung dienen können. Zwei sehr signifikante regionale Beispiele kamen dabei in den Fokus: (Nord-) Ghana und Ostafrika, vor allem Tansania. An beiden Orten ist der KAAD durch viele Alumni und laufende Stipendiaten ebenso vertreten wie durch vielfältige Kontakte zu lokalen Kirchenvertretern und Universitäten. Hier finden Sie die Programme und eine weitere Fotoauswahl zu den beiden Veranstaltungen.

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Fr. Dr. Elias Opongo, SJ

Beim Afrika-Seminar in Lingen wurde beispielsweise mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass entstehende Spannungen in Nord-Ghana (wo der Islam traditionell sehr stark vertreten ist) unbedingt durch große Dialog-Anstrengungen im Zaum gehalten werden müssen. Beim gemeinsamen Seminar von Cusanuswerk und der KAAD-Vereinigung KASEA (KAAD Association of Scholars from East Africa) wurde in einer Exkursion die Kirche von Olasiti besucht, die vor drei Jahren Ziel eines islamistischen Terroranschlags geworden war. Der damalige Pfarrer gab zusammen mit Vertretern der Pfarrgemeinde einen eindrücklichen Bericht der Geschehnisse. Sie bekannten offen, dass es danach noch keine ernsthaften Bemühungen um den interreligiösen Dialog gegeben habe und auch die Trauma-Bearbeitung bei den Opfern des Anschlags noch sehr unzureichend angegangen werde.

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Diskussion mit Dr. Marco Moerschbacher

Das Seminar wurde von mehreren Vertretern der Tansanischen Bischofskonferenz genutzt, um das Bewusstsein und den Austausch weiter zu profilieren. Fr. Benedict Shemfumbwa vom Katholischen Sekretariat in Dar Es Salaam diskutierte dabei den Plan der tansanischen Bischöfe flächendeckend interreligiöse Komitees im Land zu etablieren. Sowohl beim KAAD-Afrika-Seminar in Lingen als auch bei der Akademie in Arusha wurde die von missio Aachen finanzierte und lancierte Studie zu religiöser Gewalt in Tansania vorgestellt. In Lingen war Dr. Marco Moerschbacher der vortragende Afrika-Referent des Missionswissenschaftlichen Instituts missio, während in Arusha Fr. Dr. Elias Opongo, SJ referierte. Der Jesuit leitet das „Hekima Institute of Peace Studies and International Relations“ in Nairobi, das für missio die Studie durchgeführt hat.

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gemeinsamer Gottesdienst in Arusha

Von ihrer interreligiösen Dialog-Arbeit berichtete Annika Baum, die als AGEH-Friedensfachkraft in der Erzdiözese Mombasa arbeitet. An der kenianischen Küste ist die Frage von Religion und Gewalt deshalb besonders prekär, weil die islamistische Terrormiliz „Al Shabaab“ dort auch ihre Kämpfer rekrutiert und die unsichere sozio-kulturelle Situation für Anschläge nutzt. Annika Baum ist Ehefrau eines kenianischen KAAD-Alumnus, der wie sie einen Master in Friedens- und Konfliktstudien an der Uni Marburg absolviert hat. Ein weiterer Kommilitone von ihnen ist der ehemalige KAAD-Referent des Nahost-Referats Raphael Nabholz. Er arbeitet inzwischen ebenfalls als AGEH-Friedensfachkraft, allerdings in Palästina. Auch er lieferte auf der Konferenz in Arusha eine Präsentation über die interreligiöse Arbeit in einem schwierigen Gebiet. Als Beispiel religiös geprägter (bzw. verbrämter) Gewalt wurden auch die Geschehnisse in Nord-Uganda vorgestellt, wo eine scheinbar christlich-fundamentalistische Gruppe, die „Lord’s Resistance Armee“ (LRA), über viele Jahre unglaubliche Gräuel angerichtet hat. Dass dies nicht mehr der Fall ist, liegt nicht zuletzt auch an den Friedensbemühungen einer multireligiösen Gruppe von Führern in der betroffenen Region. Der ugandische KAAD-Alumnus Dr. Frederick Kisekka-Ntale, der in Leipzig in Friedens- und Konfliktstudien promoviert hat, präsentierte dieses Beispiel und die daraus zu ziehenden Lehren.

Eine Besonderheit lag in diesem Jahr in der Kooperation zwischen KAAD und Cusanuswerk, wobei schon beim Seminar in Lingen zu den 32 afrikanischen Teilnehmer/innen zwei Deutsche kamen, die Stipendiaten des Cusanuswerks sind.arusha-safari Das Seminar in Arusha war dann von Anfang an als Kooperation beider Werke geplant. 21 cusanische Stipendiat/innen waren zwei Wochen in Tansania unterwegs, wo sie von missio unterstützte, kirchliche Projekte ebenso besuchten wie KAAD-Alumni in verschiedenen politischen, gesellschaftlichen und akademischen Positionen. Den Abschluss ihres Aufenthaltes bildete die gemeinsame Veranstaltung mit KASEA vom 24.-28. August in Arusha. Als gemeinsame Exkursion zum Abschluss besuchten die Teilnehmenden den nahegelegenen Tarangire Nationalpark, wo der Reichtum der afrikanischen Flora und Fauna auf faszinierende Weise zu sehen ist.