Studien- und Pilgerfahrt nach Rom: Begegnung mit der Weltkirche

petersplatz

(Foto: KAAD)

19 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 16 Ländern waren vom 13. – 19.11.2016, in der letzten Woche des „Heiligen Jahres der Barmherzigkeit“ im Zentrum der Weltkirche unterwegs, fachlich-historisch geführt von Dr. Hermann Weber, geistlich begleitet von P. Prof. Dr. Ulrich Engel OP. Die Motivationsbriefe für die Teilnahme an dieser Pilgerfahrt hoben besonders den Wunsch hervor, vor dem Hintergrund der eigenen Glaubensbiographien die universale Mission der Kirche in ihrer diakonischen, bildungsbezogenen, aber auch politischen Komponente besser zu verstehen. Die unmittelbare spirituelle Erfahrung an einem Quellort des eigenen Glaubens, die Suche nach „Bewahrheitung“ des in den Heimatländern Gelernten und Erträumten waren außerdem leitende Motivationen. Die Fahrt bot erneut die einmalige Chance, in einer so internationalen Gruppe gemeinsam den „fremden Blick“ auf die europäische Geschichte an einem ihrer Ursprungsorte zu werfen. Die Gruppe war in einem Gästehaus eines italienischen Säkularinstituts in Trastevere untergebracht, von wo aus in meist langen Fußmärschen die Stadt und ihre Geschichte erschlossen wurden. Gleichzeitig musste sich die Gruppe in einer touristisch überlaufenen Metropole ihren eigenen geistlichen Ort gewissermaßen erst erarbeiten.

papstaudienz

(Foto: KAAD)

Für die Stipendiatinnen und Stipendiaten wurde so die Begegnung mit Rom als Brennpunkt der Weltgeschichte, vor allem aber Gebet und Eucharistie an den Stätten der frühen Christenheit und der großen römischen Heiligen ein prägendes Erlebnis. Das gilt insbesondere für diejenigen, die aus Ortskirchen kommen, wo die Christen in einer Situation der Diskriminierung oder gar Verfolgung leben; sie empfinden die Fahrt meist als eine stellvertretende Pilgerreise für ihre Gemeinschaft. Die Gruppe nahm auch an der Mittwochsaudienz von Papst Franziskus teil, wo er über die geistlichen Werke der Barmherzigkeit predigte.

Eine lebendige, aus kleinen stadtrömischen Anfängen in eine weltkirchliche Dimension gewachsene Spiritualität konnten wir im Gebet und Gespräch mit Vertretern der Gemeinschaft Sant’ Egidio in Trastevere erfahren. Von hier aus werden viele soziale Dienste für die Armen Roms organisiert, aber auch wichtige Impulse für die Versöhnung in politischen Konfliktsituationen und zwischen den großen Religionen gegeben, ein Thema, das den KAAD in seiner Bildungsarbeit besonders beschäftigt.

Campo Santo Teutonico

Campo Santo Teutonico

Die Führungen durch einzelne historische Stadtviertel sollten einerseits ein anschauliches Bild der Lebensverhältnisse in bestimmten Epochen vermitteln, andererseits die Begegnung mit großen Persönlichkeiten der Antike und der Kirchen- und Profangeschichte ermöglichen. Im Horizont der diesjährigen Jahresakademiethematik wurde ein besonderer Akzent auf Rom als Spiegel konfessioneller und nationaler Identitäten gelegt. Sieben Stipendiaten/innen steuerten Kurzreferate zu Einzelthemen, z. B. den Biographien von Cusanus, Bruno und Galilei, bei. Der derzeit in Rom forschende Stipendiat Ignacio Garcia führte außerdem kenntnisreich durch den Campo Santo Teutonico. In Santa Sabina konnten wir auch eine Ausstellung zum 800. Ordensjubiläum der Dominikaner vor ihrer Vernissage sehen.

Kapelle des hl. Dominikus

Kapelle des hl. Dominikus

(…) Diese Reise bedeutete viel für mich. Es war eine besondere geistliche Erfahrung, die ich nie vergessen werde. Die Generalaudienz von Papst Franziskus war ein einmaliges Erlebnis, das meinen Glauben verstärkt hat. Außerdem waren die Besichtigungen des Grabes des Hl. Kyrill, der Besuch der Basilika Santa Maria in Cosmedin und der Besuch der Basilika Santa Maria in Trastevere für mich etwas ganz Besonderes, da sie alle byzantinische Elemente hatten. Das hat mir nicht nur  meine christliche katholische Identität verständlich gemacht, sondern auch die Bedeutung der Vereinigung aller Christen in der Welt.
(Gligor Tasev, griech.-kath. Stipendiat aus Makedonien)