Landwirtschaft und Landleben – Struktur und Kultur im ländlichen Raum

IMG_333920170928_162346Die Stipendiat/innen des KAAD erleben ihr Gastland häufig nur in seinen urbanen Räumen. Der ländliche Raum ist aber ein Kultur-Raum, der für Gesellschaft und Landschaft in Deutschland sehr wichtig ist und es lohnt sich deshalb, einen Einblick in dieses  ‚andere Deutschland‘ zu bekommen. Beim Seminar „Landwirtschaft und Landleben – Struktur und Kultur im ländlichen Raum“, das unter der Leitung von Afrika-Referatsleiter, Dr. Marko Kuhn,  und der geistlichen Begleitung von Prof. Dr. Thomas Eggensperger OP vom 01. – 04.10.2017 stattfand, war dies für 26 Stipendiaten/innen aus 15 Ländern in besonderer Weise möglich. Bei einem dem Seminar vorgeschalteten Kurz-Praktikum konnten sie live erleben, was Strukturwandel in der Landwirtschaft und bäuerliches Leben in Deutschland bedeutet. An drei Tagen arbeiteten sie in 2er oder 3er-Gruppen in landwirtschaftlichen Betrieben mit, tauschten sich mit den Familien der Landwirte aus und stellten Fragen über Einkommen, Vermarktung und Weiterverarbeitung. IMG_3317Zu Beginn des Seminars berichteten alle von Ihren Praktika und es wurde klar: Es waren sehr beeindruckende, häufig unvergessliche Einblicke, die die Teilnehmenden gewinnen konnten. Sichtweisen wurden umgedreht, Vorstellungen von Landwirtschaft in Deutschland vertieft oder korrigiert. Dabei war die Vielfalt der teilnehmenden Betriebe ebenfalls beeindruckend, denn vom kompletten Bio-Obstbetrieb auf vielen kleineren Streuobstwiesen bis zum großflächigen, industriell anmutenden Gemüseanbau war alles dabei. Eine Gruppe arbeitete auf einem Hof mit reinem Anbau von Beeren, eine andere nur mit Bio-Gemüse. Demgegenüber stand eine Gruppe auf einem sehr diversifizierten Betrieb, der Weinbau mit Ackerbau, Viehhaltung, Metzgerei und Bäckerei verbindet und dabei sogar noch als Wohn- und Arbeitsstätte für Menschen fungiert, die aufgrund psychischer, geistiger oder körperlicher Schwächen auf dem Arbeitsmarkt schwer unterkommen.

Der Tagungsteil des Seminars fand im Bildungshaus Kloster Sankt Ulrich statt, inmitten der beeindruckenden Landschaft des Südschwarzwalds. St. Ulrich ist eine „Landvolkshochschule“ und Einrichtung der Erzdiözese Freiburg mit einem Bildungsauftrag für den ländlichen Raum. IMG_3517IMG_3504Das Bildungshaus, vor allem in Gestalt seines Leiters Bernhard Nägele, war Kooperationspartner des KAAD bei diesem Seminar und prägte es entscheidend mit. Ein Referat über den Strukturwandel in der deutschen Landwirtschaft (Michael Krumm, Regierungspräsidium Freiburg) wurde ebenso lebhaft diskutiert wie ein Input zum Thema „Globale Agrarmärkte – Auswirkungen auf Landwirtschaft und Strukturen in Entwicklungs- und Industrieländern“ (Karl Wirtz, Landwirt und Agraringenieur). Die besondere Aufgabe, der sich das Seminar stellte, war die Frage nach den vielen Querverbindungen, die zwischen landwirtschaftlichen Strukturen in Europa und in den Herkunftsländern der Teilnehmenden (in Asien, Lateinamerika, Afrika) bestehen.

DSC03958DSC03957Abgerundet wurde das Seminar durch eine Exkursion in das Freilichtmuseum Vogtsbauernhof (Gutach), die ihren Abschluss in Sölden fand, wo der Präsident des KAAD, Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff, wohnt. Er feierte mit der Gruppe einen Gottesdienst in der Pfarrkirche Sölden, der in einen fröhlichen Abschlussabend mündete.