KAAD-Jubiläums-Jahresakademie 2018 Gemeinsame Zukunft in einer gerechten Welt – Unsere Verantwortung für eine ganzheitliche Entwicklung

????????????????????????????????????Im 60. Jahr nach der Gründung des KAAD führte diese (32.) festliche Jahresakademie vom 26. bis 29. April 2018 in Bonn 226 Stipendiaten/innen und 114 Gäste aus 52 Ländern zu einem interkulturellen, interreligiösen und interdisziplinären Dialog zusammen, in dessen Mittelpunkt die Rolle von Verantwortungseliten im Prozess und angesichts des Ziels einer ganzheitlichen Entwicklung stand.
Denn aus dem Schatten einer technologisch und ökonomisch sich beschleunigenden Globalisierung treten immer deutlicher neue Grenzen und Mauern: Nationalismen und Fundamentalismen um Macht und Anerkennung kämpfender ‚Identitäten‘, die eine Idee von der „Einen Welt“ mit ihrer gemeinsamen Zukunft (so das Motto) für die Menschheit als abgehobenen Traum einer real sich spaltenden „Weltgemeinschaft“ erscheinen lassen. Das geistig-politische Klima ist trotz kosmopolitischer Visionen, stetig wachsender „Netzgemeinden“ und technikgläubiger, sogar „transhumaner“, Projektionen einer machbaren optimalen Zukunft anti-utopisch geprägt.

PodiumsdiskussionAus biblisch-christlicher Perspektive bleibt gerade deshalb dringlich, die Verheißung eines allumfassenden Friedens von Mensch und Natur als Frucht der Gerechtigkeit (Jesaja 32,17) wachzuhalten. Die katholische Weltkirche entfaltet in diesem Horizont auch den Begriff „Entwicklung“, der auf ein gutes Leben „des ganzen Menschen und aller Menschen“ (vgl. Populorum progressio, 42) zielt. Mit Papst Franziskusʼ Enzyklika „Laudato siʼ“ (2015) ist die innige ‚Verwicklung‘ dieser zutiefst humanen Intention mit der ganzen Schöpfung als gemeinsamem „Haus“ (oikos) betont und einer an neuen „Sustainable Development Goals“ (SDG bis 2030) arbeitenden Weltgemeinschaft vor Augen gestellt worden, verbunden mit dem deutlichen Verweis auf die Grenzen des Wachstums und die notwendige Zurücknahme des Lebensstils der reichen Länder und Bevölkerungsschichten (LS 193; 201).
Wie kann der KAAD sich selbst in seinem Wirken vor diesem Analyse- und Zielspektrum verstehen? In Kontinentalgruppen und auf einem Podium von Vertretern/innen der Partnergremien aus den fünf Regionen der Kooperation zu Beginn der Akademie wurden konkrete Ansätze diskutiert, wie er mit seiner Persönlichkeitsförderung und dem Aufbau strategischer Netzwerke (als Teil einer weltkirchlichen Vergemeinschaftung) einen Beitrag zum verantwortlichen Elitenwechsel im gesellschaftlichen Leben seiner Partnerländer leisten kann. Die Festredner unterstrichen und erwünschten diesen Beitrag im Rück- und Vorblick auf Geschichte bzw. Zukunft des KAAD.

Erzbischof Schick, Kardinal Turkson und Staatssekretär Kaiser würdigen die Arbeit des KAAD

Festgottesdienst 2Kirche erste ReiheErzbischof Schick (Bamberg), der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, würdigte in der Predigt des Festgottesdiensts die Arbeit des KAAD als segensreich und friedensstiftend: seit 60 Jahren habe der KAAD „viele Menschen nah und fern dazu angeleitet, sich für die Realisierung einer besseren Zukunft für alle Menschen einzusetzen“. Im anschließenden Festakt erläuterte Kardinal Turkson die Geschichte und Konzeption des neuen vatikanischen Dikasteriums für ganzheitliche Entwicklung, das er als Präfekt leitet, und sah dessen Grundsätze und Ziele in der Arbeit des KAAD verwirklicht. Der KAAD sei, so der Kardinal, eine „Form der vollen Partnerschaft“ im Dienst der Kirche für Bildung und ganzheitliche Entwicklung und ein „einzigartiges Instrument der Communio in unserer weltweiten katholischen Kirche“. Er habe großes Vertrauen, dass der KAAD auch weiterhin seinen Beitrag leiste, zukünftige Verantwortungsträger, die sich der Sorge um das gemeinsame Haus verpflichtet fühlen, zu fördern und mit dieser Arbeit zu einem Elitenwechsel beizutragen. Er verband dies mit einem eindringlichen Appell an die versammelten Stipendiaten/innen, sich nach der Rückkehr in den Heimatländern für das Gemeinwohl zu engagieren.
Schick und TurksonKaiserDer Parlamentarische Staatssekretär Klaus Kaiser MdL, der in Vertretung des verhinderten NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet sprach, wies auf die Schnittstellen zwischen der Entwicklungspolitik der Landesregierung und der Arbeit des KAAD hin und würdigte dessen jahrzehntelanges weltkirchliches Wirken. Der KAAD zeige beispielhaft, dass Nächstenliebe nicht an Nationalgrenzen stehen bleibe, sondern für alle Menschen gelte. Im Blick auf das globale Netzwerk der Partner und Alumni betonte er: „Der KAAD ist ein wichtiges Pfund für eine nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit“. Er verwirkliche dabei das Prinzip der „Partnerschaftlichkeit auf Augenhöhe“. Es sei letztlich nachhaltiger, einheimische Eliten zu fördern als  ausländische „Experten“ zu entsenden.

Ehrungen, Musik, Ausstellung und Liturgie: Die Jubiläumsakademie als Fest

????????????????????????????????????Der diesjährige (7.) Preis der „KAAD-Stiftung Peter Hünermann“ ging an Dr. Rafal Dutkiewicz, den Stadtpräsidenten von Wroclaw. Die Stiftung würdigte damit insbe­sondere seine Verdienste im Wirken für eine vertiefte Integration Polens in die EU, für die Bewahrung des kulturellen Gedächtnisses seiner Stadt Wroclaw/Breslau und die Förderung der Zivil­gesell­schaft in Polen. Dutkiewicz, der mit einer Delegation angereist war, ist auch Träger des Deutschen Nationalpreises (2017). Die Laudatio hielt der Renovabis-Geschäftsführer Dr. Gerhard Albert. Dutkiewicz bezeichnete in seinem Vortrag sein KAAD-Stipendium (1990-91) als „entscheidende Horizonterweiterung“, die ihm auch heute noch immer wieder vor Augen führe, dass „Europa die Zukunft“, „Nationalismen von gestern“ seien. An diese nachdenkliche Rede schloss sich eine lebhafte Diskussion mit dem Publikum an, immer wieder kreisend um die (persönlichen und strukturellen) Bedingungen von „good governance“, mit Anfragen an einen Preisträger, der sich sowohl erfolgreich wie auch ethisch und gläubig motiviert in seinem politischen Wirkungsfeld bewährt hat.

GeehrteAus Anlass des 60. Jubiläums waren auch eine ganze Reihe von Partnern und Alumni aus ihren Heimatländern gekommen, von denen 8 im Rahmen einer festlichen musikalischen Soirée mit einer vom chinesischen Alumnus Zhang Defeng neu geschaffenen Bene-merenti-Medaille geehrt wurden. Der Vorsitzende des KAAD, Prälat Dr. Klaus Krämer (Missio Aachen), überreichte die Medaille auch dem langjährigen und zum Sommer scheidenden Stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Gerhard Albert (Renovabis). Die Soirée brachte, wie auch die Gottesdienste und anderen festlichen Teile der Akademie, neben klassischen Musikbeiträgen aus der europäischen Tradition auch heimische Instrumente und Lieder aus dem Globalen Süden zum Klingen. Außerdem wurde eine vom armenischen Komponisten Ovanes Ambartsumian komponierte KAAD-Hymne vorgestellt.

gEORGINAvIOLETEine kleine Ausstellung im Haus Venusberg erinnerte an die Förderung von (afrikanischen) Künstlern/innen in der Geschichte des KAAD, angefangen mit dem renommierten Bildhauer und Maler F. X. Nnaggenda (Uganda). Bilder und Objekte des KAAD-Preisträgers Mishek Masamvu sowie von Georgina Maxim (beide Simbabwe) und Violet Nantume (Uganda) waren zu sehen.
BiGBeim Internationalen Festgottesdienst durften wir im Jubiläumsjahr in der großen und ikonographisch vom Pfingstwunder geprägten Kirche und Gemende Hl. Geist (Bonn-Venusberg) zu Gast sein. In einer Begegnung im Gebet am Vortag wurden Gebete und Lesungen aus verschiedenen christlichen Konfessionen und den großen Weltreligionen gesprochen und gesungen.
FolkloreDie Jahresakademie war von einer hohen Partizipation der Stipendiaten/innen auf allen Ebenen geprägt. Die musikalische Soirée und die liturgischen Teile wurden von (Musik-)Stipendiaten/innen bzw. Alumnae, insbesondere aus Osteuropa, in einem Workshop vorbereitet.  Der internationale Folkloreabend zeigte erneut, wie sehr die Veranstaltung ein „work in progress“ ist: erst an den Tagen der Akademie selbst gestalten sich Moderation und Präsentationen der fünf Kontinentalgruppen mit viel kreativem und schauspielerischem Potenzial.
Die Akademie hat in ihrem Resonanzraum auch den eigenen interdisziplinären Reichtum des KAAD „zum Klingen“ gebracht. Ihre übergreifende und für eine global ausgerichtete (Entwicklungs-) Politik besonders relevante Fragestellung wird in unseren „Fachgruppen“  von den Stipendiaten/innen z. T. bereits seit Jahren bearbeitet. Diese trafen sich am 29. April im Anschluss zu ihren jeweiligen internen Kolloquien.