Festkultur in Deutschland – KAAD Seminar in Nittendorf

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Prof. Dr. Josip Gregur

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Florian Schwemin mit einem Stipendiaten

Es ist nicht selten zu hören, dass Feste rein kommerzielle Unternehmungen sind. Sie werden als reine Trink- und Essveranstaltungen disqualifiziert. Ein weiteres Vorurteil ist, dass sie ohnehin alle gleich seien – es erübrige sich, ihrer Untersuchung Zeit und Mühe zu widmen. Im Rahmen des Seminars „Festkultur in Deutschland“, 18. bis 21.06.2018 in Nittendorf, Leitung: Dr. Heinrich Geiger, geistliche Begleitung: Pater Prof. Thomas Eggensperger OP, wurde sehr schnell deutlich, dass es sich bei diesen Annahmen um Klischees handelt. Die Aufgabe sei vielmehr, die Festkultur in ihren einzelnen Ausprägungen und Formen zu erkennen und zu analysieren. Feste haben eine lange Tradition, wie der erste Referent, Prof. Dr. Josip Gregur (Katholisch-Theologische Fakultät, Universität Augsburg) den 27 Teilnehmenden erläuterte. Gregur zitierte den Philosophen Josef Pieper, der davon sprach, dass es weltliche, aber keine profanen Feste gibt. Er führte das Alte Testament an. Bei Moses heißt es: „Das Laubhüttenfest sollst du sieben Tage lang feiern, wenn du den Ertrag von deiner Tenne und Kelter einbringst“. IMG_2984Die Belege für Feste sind zahlreich. Sie wurden von Prof. Gregur wie auch dem zweiten Referenten des Seminars, dem Stellvertretenden Bezirksheimatpfleger des Bezirks Oberpfalz Florian Schwemin, in aller Ausführlichkeit vorgestellt. Ausgehend von der Feststellung, dass Feste immer durch eine bestimmte Gruppe von Menschen, eine Gemeinschaft, realisiert werden, verdeutlichten beide Referenten deren performativen Charakter: Feste müssen vollzogen werden. Sie verdanken sich einer bestimmten Gemeinschaft und einem bestimmten Anlass. Feste befreien von der Versklavung des Alltags. PlenumEs lässt sich eine Kontinuität in der Festkultur finden. Bei den Teilnehmenden des Seminars, die unterschiedlichsten Kulturen entstammten, lösten insbesondere folgende Aspekte einen regen Reflexionsprozess an: Feste wie das Kirchweihfest oder der Karneval, die Fastnacht, sind stets an überlieferte Termine gebunden. Sie haben einen festen Anlass, aber, genau betrachtet, keinen Zweck außer sich selbst. Sie sind häufig durch Übermaß gekennzeichnet. Dagegen wetterten allerdings die Festtheoretiker der Aufklärung. Ihrer Auffassung nach musste das Fest einen Zweck haben; es musste erzieherisch wirken. Diese Maßgaben führten über die Kritik am bestehenden hinaus zum Entwurf eines neuen, eines aufgeklärten Festprogramms. IMG_3012Dieses sollte, so die Festtheoretiker der Aufklärung, das Volk veredelen. Beide Aspekte der Festkultur, den zweckfreien und den zweckgebundenen, konnten die Teilnehmenden des Seminars im Rahmen einer Halbtagsexkursion „Regensburg und Umgebung“ erfahren. Geführt von Renate Möllmann wurden der Adlersberg und die traditionsreiche Gastwirtschaft des Prösslbräu, sowie, nach einer Stadtführung durch Regensburg, die Walhalla mit ihren Büsten großer Persönlichkeiten deutscher Sprache besucht. Das Seminar wurde von den Teilnehmenden bestens evaluiert. Die Bewertung schloss auch das Haus mit ein, das ideale Voraussetzungen für die Durchführung eines interaktiv gestalteten Seminars bietet.