Industrie 4.0 – Wer gewinnt? Wer verliert?

Hinter dem Konzept der „Industrie 4.0“ steht der Plan, Menschen, Maschinen, Produktionsanlagen, Produkte und Logistik digital zu vernetzen und die Wertschöpfungskette zu optimieren. Es geht also um die Digitalisierung industrieller Prozesse und in einem gewissen Sinne auch um die Digitalisierung der industriellen Gesellschaften. Über diesen komplexen Prozess, der bereits in vollem Gange ist, und seine möglichen Konsequenzen informierten sich 25 Stipendiaten/innen aus 19 Ländern vom 14. bis 17. Juni in der Akademie Franz Hitze Haus in Münster.

Dr. Alexander Bode?????????????Dr. Alexander Bode (Foto links), Senior Consultant der Plattform Industrie 4.0, die auch von verschiedenen Bundesministerien mitgetragen wird, stellte die Chancen der Digitalisierung in den Vordergrund seiner Ausführungen (Produktivitätssteigerung, direkte Kundenorientierung, neue Unternehmensmodelle etc.), sah aber auch die Notwendigkeit, dass Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Verbände und Gewerkschaften diese Weg gemeinsam beschreiten müssen, um ihn in Deutschland in das System einer sozialen Marktwirtschaft einzupassen. Diesen Aspekt betonte auch der Sozialethiker Prof. Dr. Joachim Wiemeyer (Bochum, Foto rechts), der u.a. am Beispiel von Unternehmen wie Amazon oder Google (Fragen der Steuergerechtigkeit) auf mögliche Konflikte zwischen der katholischen Soziallehre und der digitalen Ökonomie hinwies.

?????????????Die Arbeitssoziologin Dr. Caroline Ruiner (ebenfalls Universität Bochum, Foto links) erkennt die von Alexander Bode beschriebenen Chancen der Digitalisierung an, verwies aber auch auf Herausforderungen in Bereichen wie neue Arbeitsanforderungen, Kompetenzentwicklung des Personals, und Akzeptanz des Einsatzes von künstlicher Intelligenz und fortschreitender Automatisierung. Auf die Frage nach dem befürchteten massenhaften Verlust von Arbeitsplätzen durch die Digitalisierung zeigten sich alle Referenten zurückhaltend. Arbeitsplatzverlust wird einige Branchen voraussichtlich hart treffen, gleichzeitig werden durch die Dynamik der Digitalisierung neue Jobs entstehen, sodass eine Bewertung hier derzeit kaum möglich ist.

?????????????Die Teilnehmer/innen sahen im Hinblick auf ihre Heimatländer durchaus auch Chancen in der Digitalisierung. Sie könnten in Einzelfällen industrielle Entwicklungsschritte überspringen und direkt in die digitalisierte Produktion einsteigen. Besondere Chancen der Digitalisierung sahen sie auch im Bereich Bildung und der Förderung von ‚good governance‘ durch verbesserte Transparenz in Verwaltungsprozessen.

Eine interessante und sehr lebendige Führung durch das historische Zentrum der „Stadt des Westfälischen Friedens“ mit Clemens August, („Münsters einziger singenden Stadtführer“, s. Gruppenfoto) rundete ein hoch informatives und spannendes Seminar ab.