Internationales Auslandsseminar in Porto Alegre (Brasilien)

Auf Einladung des Erzbischofs von Porto Alegre und Kanzlers der Pontificia Universidade Católica do Rio Grande do Sul, Dom Jaime Spengler, trafen sich vom 23. bis 26. August 2018 rund 30 KAAD Alumni aus Brasilien und Mitglieder der Fachgruppe „Frieden und Gerechtigkeit“ in der südbrasilianischen Stadt. Neben Gästen aus Kolumbien, Peru, Bolivien und Argentinien, waren aus Deutschland auch KAAD-Präsident Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff und der Referatsleiter Lateinamerika Dr. Thomas Krüggeler dabei.

Das Seminar mit dem Titel „Zwischen Alltagskriminalität und dem Recht auf öffentliche Sicherheit. Moderne Strategien der Friedensfindung in der lateinamerikanischen Stadt“ eröffnete Prof. Dr. Rodrigo Ghiringhelli de Azevedo, ein in Brasilien sehr bekannter Sozialwissenschaftler, der im Grenzbereich von Jura und Soziologie arbeitet. Er untermauerte sein recht düsteres Bild von der gegenwärtigen Lage in urbanen Zentren mit empirischen Daten und betonte, dass die überwiegende Zahl von Mordopfern nicht aus den wohlhabenden Stadtvierteln stammt, sondern junge Männer aus den Armenvierteln der Städte sind. Entgegen sehr populärer Forderungen nach mehr Gegengewalt forderte de Azevedo energisch Reformen des Strafsystems (Reduktion repressiver Strategien zugunsten ausbildungstechnischer und therapeutischer Maßnahmen), um die Spirale der Gewalt zu durchbrechen, und eine Sozialpolitik und Stadtplanung, die der Polarisierung der städtischen Gesellschaft entgegenwirkt.

Eberhard Schockenhoff, der erstmals die katholische Universität von Rio Grande do Sul besuchte und zu seinem Vortrag rund 170 Zuhörer anlockte („Die Stadt und die Gewalt. Über das Anwachsen des Gewaltpotenzials in lateinamerikanischen Großstädten“), griff einige Zahlen seines Kollegen de Azevedo auf, bevor er ausgehend von der Entwicklung der Begriffe Zivilisation und Frieden im europäischen Kontext zu Prozessen der Friedensfindung gelangte. Besonders in einer Predigt, die er während eines Gottesdienstes am gleichen Tag hielt, betonte der Freiburger Theologe die Forderung nach Gewaltlosigkeit, die aus der Bergpredigt herauszulesen ist.
KAAD-Alumni präsentierten und diskutierten in drei Arbeitsgruppen (Kindheit und Großstadt; Resozialisierung und Frieden; Stadt und Gesundheit) teils sehr innovative Vorträge bzw. praktische Arbeitsprojekte aus Städten verschiedener Länder. Externe Teilnehmer zeigten sich von der intellektuellen Kraft und dem praktischen Engagement unserer lateinamerikanischen Alumnigruppe sehr beeindruckt.
Den Abschluss der äußerst lebendigen Veranstaltung bildete eine Exkursion in die umliegenden Städte Nova Petrópolis, Canela und Gramado, bei der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht nur einen Nationalpark (Parque Estadual do Caracol) und ein Freilichtmuseum zur Geschichte der deutschen Einwanderung in die Region besuchten, sondern auch einen Eindruck gewannen vom international beachteten Filmfestival in Gramado, das zeitgleich stattfand.