KAAD Auslandsakademie 2018 – Building Nations and Sustaining Peace amidst Diversity: Responding to these Challenges beyond KAAD´s sixth decade

23 Teilnehmende aus verschiedenen Ländern Afrikas, Asiens, Europas, des Nahen und Mittleren Ostens und Lateinamerikas, 11 von der im Süden der Philippinen gelegenen Insel Mindanao und 20 von der im Norden gelegenen Hauptinsel Luzon waren der Einladung des KAAD zu einer Auslandsakademie in den Philippinen gefolgt. Sie nahmen an einer Veranstaltung teil, die den Prozess der Netzwerkbildung innerhalb der und zwischen den Alumnigruppen weltweit förderte, und deren Thematik – in der Spannung von „nation“, „diversity“ und „peace“ – ihr Handeln prägt. Für alle war es eine gelungene Erfahrung, dass für die konzeptionellen und pragmatischen Herausforderungen der Zukunft die „Schule“ des KAAD (diesen Begriff prägte ein lateinamerikanischer Teilnehmer) sich als tragfähig erweist.
Building Nations”: Sozialer Zusammenhalt findet sich selbst in nicht-demokratischen und autoritären Regimen. Obgleich politische und soziale Instabilität vorherrschen, Korruption weitverbreitet ist und die staatlichen Institutionen mit dem Scheitern zu kämpfen haben, verfügen sie über ihre eigenen Mechanismen, Zusammenhalt herzustellen. In den Small Group Discussions wie auch in den Plenary Discussions, die deren Ergebnisse zusammenführten, wurde von den Teilnehmern/ innen die Frage angeführt, welche Art von Erziehung in diesem Kontext nötig ist? Sie wurde ganz im Sinne der „KAAD-Schule“ mit der Forderung beantwortet, dass Erziehung nicht einseitig national zu sein habe. Sie muss das Gleichgewicht zwischen lokalen und globalen Zielen herstellen können. Weiterhin muss sie autonom und wertebasiert sein und, ausgehend davon, einen Prozess in die Wege leiten, der zunächst das Denken und die Persönlichkeit der Menschen und dann auch die Nation prägt.
An diesem Punkt führte Prof. Schockenhoff den Begriff der “Human Security” ein, der besagt, dass die nationale Souveränität nicht länger den höchsten Wert darstellt. Im Vordergrund stehe vielmehr das Recht, ein gutes Leben zu führen, für das Erziehung, Gesundheitsvorsorge und eine intakte Umwelt grundlegende Bedingungen seien. Der Begriff der “Human Security” konfrontiere alle Regierungen dieser Welt mit der Herausforderung, die ihnen gesetzten Ziele auf friedliche Art und Weise zu erreichen. Im Blick auf die Rolle des KAAD als weltkirchliches Werk schilderte Father Jun Mercado das Konfliktpotential, das aus der vorherrschenden Armut, Exklusion, Ungerechtigkeit – also einem Leben, das nicht „secure“ ist – resultiert. „Sustaining Peace“: Er verknüpfte die Frage nach dem Erhalt des Friedens mit der Frage nach dem Aufbau von Beziehungen und dem Bau von Brücken im Rahmen der Weltkirche, was zentraler Bestandteil der Arbeit des KAAD ist, und rückte den Sinn für Gemeinschaft in den Mittelpunkt der Diskussion, sowohl in den Small Group Discussions wie auch in der Plenary Discussion.
Das Motto des KAAD für das Jubiläumsjahr 2018 lautet “Gemeinsame Zukunft in einer gerechten Welt”. Interessanterweise war der Diskussionsverlauf der Veranstaltung in Tagaytay überhaupt nicht von der Zweideutigkeit geprägt, die das deutsche Wort “Zukunft” in sich trägt: Zukunft ist zum einen futurum, das, was wird, und gleichzeitig adventus, das, was kommt. Das geheimnisvoll Offene der Zukunft wurde nicht thematisiert. Die Futurologie, die natur- und sozialwissenschaftliche Erkenntnisse prognostisch aufarbeitet und dabei häufig zu optimistischen Überschätzungen kommt, spielte im Rahmen der Veranstaltung keine Rolle. Im Vordergrund stand vielmehr ganz konkret das Bewusstsein um die Ambivalenzen, die die einzelnen Gesellschaften durchziehen und die Möglichkeiten des Handelns, die sich daraus ergeben, dass Gemeinschaft ein Gebilde ist, das die bewusste Teilnahme des einzelnen verlangt. So wurde selbst der Begriff der Kultur in einen pragmatischen Kontext eingebracht. “Wenn es dir nicht gelingt, deine eigene Kultur zu managen, dann besteht die Gefahr, dass sie dich managen wird”, so sagte ein philippinischer Philosoph.
Schon gleich zu Beginn der Veranstaltung wurde von der Zukunft als jener Dimension von Zeit und Geschichte gesprochen, die dringend bevorsteht und deshalb auch die Gegenwart betrifft. In dem hoch über dem Vulkan Taal gelegenen Veranstaltungsort sorgten die Teilnehmenden mit ihren Beiträgen dafür, dass die Frage nach der Zukunft, folgend auf das 60. Jubiläum des KAAD, nicht spekulativ behandelt wurde, sondern aus der Gewissheit heraus gestellt wurde, Mitglied einer weltumspannenden KAAD- Gemeinschaft zu sein. Aus der Pluralität der Standpunkte ging ein Prozess der Klärung und Vertiefung von Einzelanalysen hervor, der zunächst das eigene heimatliche Umfeld betraf (also lokal war), aber im Kontext der Globalisierungsthematik immer den Blick auf das Ganze beinhaltete. Getragen wurde die Veranstaltung von einem Geist der Gemeinschaft, der die einzelnen Teilnehmenden für ganze drei Tage aus dem “Krieg der Zeiten” befreite. Dies kam dann auch dem abschließenden Teil der Veranstaltung zugute, der von dem Generalsekretär des KAAD, Dr. Hermann Weber, moderiert wurde: der Zukunftswerkstatt, die unter dem Titel „Responding to Challenges beyond KAAD´s Sixth Decade“ stand.
Diversity in Unity: Dieses Konzept, das im Titel der Veranstaltung anklingt, führt uns zum KAAD als einer Institution, die in den 1950er Jahren vom deutschen Katholizismus als eine Antwort auf die steigende Zahl von ausländischen Studierenden und, ganz generell, Migranten gegründet worden war. Wie im Laufe der Zukunftswerkstatt deutlich wurde, haben sich im Laufe der zurückliegenden 60 Jahre die Förderungsschwerpunkte und auch -länder verändert: entstanden sind neue Formen der Zusammenarbeit und, in diesem Zusammenhang, ein „einzigartiges Instrument der communio in der globalen Kirche“, wie dem Redetext „Global Justice, Common Future – Our responsibility for integral Human Development“ von Peter Kodwo Appiah Cardinal Turkson, der allen Teilnehmenden vorlag, zu entnehmen ist. Kardinal Turkson hatte ihn auf der KAAD-Jubiläumsakademie in Bonn vorgetragen. Auch in seinem 60. Jahr verweist das einzigartige Instrument des KAAD auf die Weltkirche als Raum der Begegnung und des Austausches gerade auch für die Forschenden und Lehrenden – das dürfte in Tagaytay deutlich geworden sein.
Unmissverständlich ließ sich den Beiträgen der Teilnehmenden der Auslandsakademie in Tagaytay entnehmen, dass es sich beim KAAD um ein individuell zugeschnittenes Förderprogramm der Persönlichkeitsbildung und der Gemeinschaftsbildung handelt, für dessen Zukunft sie gemeinschaftlich einzutreten und zu arbeiten bereit sind. Nicht zufällig lautete der Titel des zur Feier des KAAD-Jubiläums von der Sopranistin Ena Maria Aldecoa gestalteten Konzertabends „Beyond Borders“, in dessen Verlauf philippinische und westliche Musik dargeboten wurden. Der Festgottesdienst wurde in bester weltkirchlicher Manier von vier Zelebranten aus vier unterschiedlichen Nationen gestaltet. Dabei streifte der Blick durch die hohen Glasfenster der Kapelle hinaus in die weite Landschaft, die dem Haus der Franciscan Missionaries of Mary in Tagaytay City, Philippinen zu Füßen liegt. Die Veranstaltung hat sich in das institutionelle Gedächtnis des KAAD, von dem Dr. Weber zu Beginn des Zukunftsworkshops sprach, nicht nur gedanklich, sondern auch augensinnlich eingeprägt. Unvergessen wird die Gastfreundschaft sein, mit der uns unsere Ehemaligen und die Franciscan Missionaries of Mary auf den Philippinen empfingen.