Veränderungen begreifen – Der Transformationsprozess in Asien und Osteuropa als eine gesellschaftliche und persönliche Herausforderung

Angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen und Bewegungen, die sich weltweit zeigen, sind zur Gestaltung der gemeinsamen Zukunft nicht nur mutige Visionen, sondern auch konkrete Handlungsoptionen nötig. Im Rahmen des Seminars „Erfahrungen teilen, Veränderungen begreifen – der Transformationsprozess in Asien und Osteuropa als eine gesellschaftliche und persönliche Herausforderung“, 10. bis 13.12.2018 in Berlin, Leitung: Dr. Heinrich Geiger und Markus Leimbach, geistliche Begleitung: Prof. Dr. Thomas Eggensperger OP, bezogen sich sowohl der einführende Vortrag „Transformation im Spiegel west-östlicher Lernprozesse“ von Prof. Dr. Heinz Theisen (Bild rechts) wie auch die Beiträge der teilnehmenden Stipendiatinnen und Stipendiaten auf die konkreten Herausforderungen, die sich auf gesellschaftlicher und persönlicher Ebene mit den Transformationsprozessen der jüngsten Vergangenheit verbinden. Orientierungspunkt waren deren globale und lokale Bedeutung. Lösungsansätze wurden auf ihre glokalen Auswirkungen überprüft. Als Transformationsprozesse wurden die Umwandlung einer Zentralverwaltungswirtschaft mit staatlicher Planung und Lenkung in eine Marktwirtschaft mit Kennzeichen wie Wettbewerb, Marktpreisbildung, Konsumfreiheit verstanden.
Folgende Fragen standen im Vordergrund: Wie wirkt das Erbe des Kommunismus in den Ländern Asiens und Osteuropas nach? Wie ist es um das Vertrauen in den Staat bestellt? Welche Rolle spielt die Kirche? Was muss zum erfolgreichen Abschluss des Transformationsprozesses noch erfolgen? Die Diskussion orientierte sich an der These Heinz Theisens, dass nur dann Entwicklung möglich ist, wenn zwischen Wirtschaft, Politik und Religion ausdifferenziert wird und jedes der Funktionssysteme seiner eigenen Logik folgen kann. Fruchtbar wirkte sich auf den Seminarverlauf die Vielfalt des Erfahrungshintergrundes der Teilnehmer/innen aus. Es waren 18 Nationen vertreten (Asien: China VR, Indien, Indonesien, Philippinen, Vietnam; Osteuropa: Albanien, Armenien, Aserbaidschan, Bulgarien, Kroatien, Litauen, Moldawien, Polen, Tschechien, Ukraine, Ungarn). Das Kontinentalseminar, das erstmals zwei unterschiedliche Kontinentalgruppen miteinander vereinte, zeigte auf, wir fruchtbar für Zukunftsdebatten interdisziplinär, interkulturell und international zusammengesetzte Foren sind.
Die Gruppe nahm am 11.12. an einer Abendveranstaltung in der Katholischen Akademie teil, bei der die Forschungsergebnisse der Studie zum „Entwicklungspolitischen Engagement von internationalen Studierenden und Alumni am Beispiel des Förderprogrammes des KAAD“ vorgestellt wurden. Wie von einzelnen Teilnehmer/innen in der abschließenden Evaluationsrunde festgestellt wurde, stellte diese Veranstaltung den Höhepunkt des Seminars dar. Denn auf dem Podium konnten sie mit Frau Dr. Khouloud Daibes, der Botschafterin der Palästinensischen Mission in Berlin, eine ehemalige KAAD-Stipendiatin erleben, die erfolgreich an einem Transformationsprozess partizipiert, der nicht nur die Geschicke ihres Heimatlandes, sondern auch die der Weltgemeinschaft berührt. Dadurch wurde nochmals sehr deutlich, dass der KAAD mit seiner Arbeit die Ziele der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik, der nationalen Wissenschaftspolitik und der Entwicklungszusammenarbeit unterstützt und dabei als weltkirchliches Förderungswerk einen ganz besonderen Akzent setzt. „Beyond borders“: Im Rahmen einer Exkursion zum Thema „25 Jahre Mauerfall: das geteilte Berlin und die Maueropfer“ wurde allen Teilnehmenden (schmerzlich) bewusst, welche großen Chancen die Diskussion von Zukunftsfragen im Rahmen einer grenzenlosen Gemeinschaft wie der KAAD-Gemeinschaft eröffnet.