Der KAAD als Erfolgsmodell – Vorstellung einer Studie zum entwicklungspolitischen Engagement von Studierenden und Alumni

Zum Abschluss des KAAD-Jubiläumsjahrs wurden die Ergebnisse dieser Untersuchung am 11. Dezember 2018 in der Katholischen Akademie Berlin vorgestellt und von Vertreterinnen und Vertretern aus Kirche, Politik und Wissenschaft diskutiert. Etwa 100 Teilnehmende, darunter auch Stipendiaten/innen aus rund 30 Ländern, waren dabei. Fast 10.000 Studierende und Wissenschaftler aus dem Globalen Süden und Osteuropa sind in den vergangenen 60 Jahren durch den Katholischen Akademischen Ausländer-Dienst materiell unterstützt und darüber hinaus in ihrer persönlichen Entwicklung und pastoral begleitet worden. In der Studie wurde jetzt untersucht, welche Förderbedingungen am besten geeignet sind, zu einem entwicklungsbezogenen Einsatz der Alumni beizutragen. Sie war von der Wissenschaftlichen Arbeitsgruppe für weltkirchliche Aufgaben der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegeben worden. Schwerpunkte der umfangreichen Befragungen waren Länderfallstudien zu Georgien, Ghana, Indonesien, Kolumbien und Palästina/Israel.

Die Autoren, die Migrationswissenschaftler PD Dr. Uwe Hunger (Münster) und Dr. Sascha Krannich (Siegen, s. Foto links), hoben das große Potential internationaler Studierender für die Entwicklungszusammenarbeit hervor. Dies habe die Politik noch zu wenig im Blick. Die Studie habe gezeigt, dass internationale Studierende auf verschiedenen Wegen zu „change agents“ für ihr Herkunftsland werden könnten. Die Verbindung von Persönlichkeitsförderung und Gemeinschaftsbildung durch den KAAD könne dabei strukturelle Wirkungen u. a. durch Innovation und Vernetzung erzielen. Diese Arbeit, insbesondere seine Bildungsarbeit und die persönliche Begleitung der Geförderten, werde von den Befragten fast durchgängig positiv bewertet. Daneben zeige die Studie, dass das Entwicklungs-Engagement der Alumni noch verstärkt werden könne, wenn die Rückkehrer bei der Re-Integration in ihr Heimatland weitere Beratung und Unterstützung erhielten. Die Autoren empfehlen daher unter anderem die Vernetzung und Kooperation relevanter Einrichtungen untereinander, um Synergien zu nutzen, sowohl in Deutschland wie in den jeweiligen Herkunftsländern.

v.l.n.r. Ulrich Pöner (DBK), Prof. Dr. Claudia Warning (BMZ), Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff (KAAD), Dr. Khouloud Daibes (Palästinensische Mission) und PD Dr. Uwe Hunger (Univ. Münster)

Die Botschafterin der Palästinensischen Mission in Deutschland, Dr. Khouloud Daibes, eine KAAD-Alumna, unterstrich, dass das Ziel der Förderung die Rückkehr ins Heimatland bleiben müsse. Als langjährige Präsidentin unseres Partnergremiums bezeugte sie, wie auch unter schwierigen Bedingungen und mit wenigen Stipendien ein Institutionenaufbau gelingen könne. Sie unterstrich die Rolle der christlichen Minderheiten für zivilgesellschaftlich-plurales Engagement. Frau Prof. Dr. Claudia Warning, Abteilungsleiterin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), wies besonders auf die Schwierigkeiten der Bildungsförderung in Krisen- und Flucht-Kontexten hin und betonte die Bedeutung einer Förderung Sur-Place und in Drittländern. Eine konsequente, entwicklungspolitisch orientierte Begleitung der Studierenden sei insgesamt notwendig.

Der Leiter des Bereichs Weltkirche und Migration der Deutschen Bischofskonferenz, Ulrich Pöner, unterstrich den entwicklungsbezogenen Charakter des KAAD. Zwar habe die Studie gezeigt, dass es aufgrund von Veränderungen in der Mobilität und den Möglichkeiten transnationaler Vernetzung neben der Rückkehr ins Heimatland auch andere Wege des Entwicklungs-Engagements geben könne. Gleichzeitig warnte er vor einer Tendenz, internationale Studierende aus dem Globalen Süden und aus Osteuropa (besonders der sog. MINT-Fächer) vor allem auf dem Hintergrund des Fachkräftemangels im eigenen Land zu fördern. Der leitende Gesichtspunkt müsse ihre Befähigung sein, zur Entwicklung ihres Herkunftslandes beizutragen. Die Studie beschreibe dabei die Arbeit des KAAD als ein „Erfolgsmodell“.

Der Präsident des KAAD, Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff, unterstrich ebenfalls, die Reintegrationsperspektive der Alumni werde im Zentrum der KAAD-Arbeit bleiben, auch wenn Entwicklungsbeiträge auf anderen Wegen möglich seien. Beispielsweise könne man überlegen, ob diese etwa durch die Förderung von Alumnivereinen in Deutschland unterstützt werden könnten.
Die Studie kann in der Reihe „Forschungsergebnisse“ (Nr. 11) bei der Deutschen Bischofskonferenz bestellt werden (www.wissenschaftliche-arbeitsgruppe.de).