Die Katholische Kirche und die Internationalisierung der deutschen Hochschulen: Ergebnisse einer Diözesanumfrage 2009

Als Clearingstelle der Deutschen Bischofskonferenz für die Förderung ausländischer Studierender und Wissenschaftler in Deutschland legt der KAAD zum achten Mal diese Studie vor, die auf 68 Fragebögen aus allen deutschen Diözesen sowie 11 von Werken und Orden basiert (letzte Umfrage für 2005).

Der in Deutschland seit Mitte der neunziger Jahre vorangetriebene Prozess der Internationalisierung hat in den letzten Jahren in der öffentlichen Debatte und Aufmerksamkeit an Stellenwert eingebüßt. Die Zahl ausländischer Studierender ist ab 2006 erstmals seit Jahrzehnten rückläufig (vor allem bei Studierenden aus Osteuropa und China). Deutschland liegt gleichwohl nach den neuesten Daten (Wintersemester 2008/2009) mit ca. 239.000 ausländischen Studierenden (Anteil von 11,8% an der Gesamtzahl der Studierenden) immer noch an dritter Stelle der Gastländer weltweit (nach den USA und Großbritannien).

Diese Studie thematisiert auch soziale Aspekte der Internationalisierung, zumal etwa 78% der ausländischen Studierenden aus Entwicklungs- und Schwellenländern bzw. aus Osteuropa kommen. Ihre wirtschaftliche Ausgangsposition ist deutlich ungünstiger als die der deutschen Studierenden, was durch die Arbeitsmarktlage noch verschärft wird, zumal bei dieser Gruppe die finanzielle Abhängigkeit von Jobmög-lichkeiten gestiegen ist.  

Angesichts der globalen Migration Hochqualifizierter bleibt auch zu bedenken, dass eine mit der Internationalisierung einher gehende verstärkte Einwerbung von ausländischen Fachkräften nur in einem fairen Interessensausgleich mit den Entwicklungs- und Schwellenländern erfolgen sollte und die Reintegration in diese Länder gefördert werden muss.

Eine verstärkte Internationalisierung der Hochschulen ist auch für die Katholische Kirche ein wünschenswerter Prozess, zumal wenn sie einen besseren Zugang zu Bildung und Forschung für die ärmeren Länder des Globus und die Schaffung von Foren der kontinentübergreifenden, interdisziplinären und interreligiösen Begegnung einschließt. Solche Begegnungsräume sollte ein Auslandsstudium gerade angesichts der Verkürzung und Verdichtung der Studien und des erhöhten Leistungsdrucks im Rahmen der Bolognareformen unbedingt eröffnen.

Die Katholische Kirche antwortet auf die Herausforderungen in Deutschland mit einem umfangreichen und öffentlich zu wenig beachteten Angebot von Beratung (inklusive der Vermittlung in die rund 100 katholischen Wohnheime), Dialog und Seelsorge. Die Katholischen Hochschul- und Studierendengemeinden spielen hier eine entschei-dende Rolle: Maßgeblich über sie haben die deutschen Diözesen im Jahr 2009 ca. 1,27 Millionen Euro an Studienbeihilfen für ausländische Studierende vergeben können (inklusive kleinerer diözesaner Stipendienprogramme). Dies bedeutet eine Steigerung gegenüber den Zahlen von 2005 um knapp 5%, die zum Teil durch die gegenüber 2005 etwas breitere Erfassungsbasis zu erklären ist. Zusätzlich standen ca. 350.000 Euro an öffentlichen und Drittmitteln zur Verfügung.

Der Bericht dokumentiert außerdem den Einsatz von Stipendienmitteln durch die weltkirchlichen Werke: in erster Linie den KAAD selbst als zentraler Stipendienorganisation für Laien (ca. 3,8 Millionen Euro 2009), sowie die anderen Werke und einzelne Orden, die Stipendien in der Regel schwerpunktmäßig außerhalb Deutschlands sowie vor allem für Theologen einsetzen (Adveniat, Misereor, Missio, Renovabis, Stipendienwerk Lateinamerika-Deutschland).

Insgesamt hat die Katholische Kirche 2009 rund 5,9 Millionen Euro für die Förderung ausländischer Studierender und Wissenschaftler in Deutschland eingesetzt (Sachmittel; für die Hochschulgemeinden wird darüber hinaus auch der Personaleinsatz ermittelt).

Die Förderung von und der Dialog mit ausländischen Studierenden und Wissenschaftlern sind für die Katholische Kirche ein Schwerpunkt ihrer weltkirchlichen und pastoralen Arbeit. Sie sollten es – trotz sinkender Kirchensteuereinnahmen – auch weiterhin bleiben. Die Präsenz dieser Multiplikatoren und der dadurch ermöglichte interkulturelle und interreligiöse Dialog, der Brückenschlag zu Partner(orts)kirchen innerhalb der Weltkirche und der Ökumene, können ein substanzieller Teil des Gemeindelebens und des Lebens der Katholischen Kirche in Deutschland allgemein sein.

Gesamttext der Diözesanumfrage 2009 zum Download


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KAAD-Alumni heute


Ebtihal Abdel Kawi Shedid (Ägypten)

Wer Ebtihal Abdel Kawi Shedid zum ersten Mal begegnet, merkt es sofort: Kommunikation ist für sie Leidenschaft. Ein Stipendium des KAAD hatte es der Germanistin aus Kairo ermöglicht, sich zur Übersetzerin zu qualifizieren. Kurz vor Beginn der Revolutionswochen kehrte sie nach Ägypten zurück. Als Verantwortliche für das zweisprachige Webjournal "Transit" am Goethe-Institut Kairo, das Themen der jungen Generation in Nahost und Nordafrika aufgreift, gestaltet sie seit Sommer 2011 die gesellschaftlich-kulturelle Dynamisierung ihres Landes aktiv mit.

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