Saada Bader (Jordanien)

Eltern mit Kindern, deren Sprachentwicklung gestört ist, müssen in Jordanien viel Geld für logopädische Behandlung aufbringen – und so erhält nur ein Bruchteil der Kinder mit Sprachstörungen die benötigten Interventionen. Die jordanische KAAD-Alumna Dr. Saada Bader möchte sich dafür einsetzen, dass sich das ändert. Als Klinische Linguistin hat sie sich intensiv mit Therapieansätzen auseinander gesetzt. „Derzeit bieten in Jordanien nur drei staatliche Universitäten das Fach Klinische Linguistik an. Dabei ist der Bedarf an Sprachtherapie riesig. Auch systematische Screenings gibt es bei uns nicht.“

Ihre eigene Spezialisierung in klinischer Linguistik hat Saada Bader maßgeblich in Deutschland verfolgt. Ein KAAD-Stipendium gab ihr von 2006 bis 2010 die Gelegenheit, an der Universität Bielefeld über Sprachstörungen und verzögerten Spracherwerb arabischsprechender Kinder zu forschen. Unter der Betreuung von Professor Dr. Dafydd Gibbon erarbeitete sie an der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft ihre Dissertationsschrift. Die Doktorarbeit mit dem Titel ‘’The Phonology of Typical and Atypical Language Acquisition: A Study of Jordanian Arabic Speaking Children” wurde 2010 mit summa cum laude angenommen.

Alumna Sa'da BaderFür diesen Erfolg hatte Saada Bader bereits in Jordanien solide Grundlagen gelegt. Sie schloss 2002 ihr Bachelorstudium im Fach „English for Specific Purposes“ an der renommierten Jordan University of Science and Technology (JUST) in ihrer Heimatstadt Irbid ab. 2005 erwarb Saada Bader an der JUST den Masterabschluss in „Applied Linguistics“ und sammelte als Lehrbeauftragte dort erste akademische Erfahrungen. Der Entschluss, sich wissenschaftlich mit Sprachstörungen zu befassen, fiel 2006. „Die Universität Bielefeld war dafür der ideale Ort,“ resümiert die KAAD-Alumna heute. „Ich konnte dort die theoretische Arbeit mit Feldforschung kombinieren. In Jordanien habe ich Behandlungszentren bei der Diagnosestellung und der Entwicklung von Therapieplänen beraten. Das war ein ganz entscheidender Schritt auf meinem beruflichen Weg.”

2011 kehrte Saada Bader nach Jordanien zurück und ist seither als Assistant Professor für Phonetik, Phonologie und frühkindlichen Spracherwerb an der Abteilung für Englische Sprache und Literatur der Jadara University im Norden des Landes tätig. „In Deutschland zu studieren war eine großartige Erfahrung für mich, die meinen akademischen Horizont erweitert und mir motivierende Ziele eröffnet hat,“ so die jordanische Dozentin. „Auch in kultureller und sozialer Hinsicht war es eine bereichernde Erfahrung, die mir gerade bei meinen ersten Karriereschritten in Jordanien sehr geholfen hat. Die Zeit in Deutschland hat mich viel gelehrt: Diszipliniert und präzise zu arbeiten und an meine Ziele und Träume zu glauben.“

Besonders fruchtbar war für Dr. Saada Bader die Tatsache, dass sie sich in einer neuen sprachlichen Umgebung zu Recht finden musste. Als professionelle Linguistin war sie so mit der Erfahrung konfrontiert, wie schwer der Erwerb einer neuen Fremdsprache ist. Davon profitiert die Linguistin bis heute in ihrer Tätigkeit an der German-Jordanian University (GJU), wo sie als Lehrbeauftragte im Bereich Erst- und Zweitsprachenerwerb tätig ist.

Natürlich war der Weg bis zu diesem Punkt alles andere als leicht: „In Deutschland hatte ich immer mit Heimweh zu kämpfen“, erinnert sich die KAAD-Alumna. „Aber sehr viel härter war das Zurückkehren in mein Heimatland nach Studienende. Man vergleicht dann ständig automatisch zwischen dem Alltagsleben in Deutschland und Jordanien, und das macht es einem angesichts der derzeitigen politischen und wirtschaftlichen Situation im Nahen Osten alles andere als leicht.“ Dr. Saada Bader blickt voller Dankbarkeit auf das zurück, was sie in Deutschland erleben durfte: „Eine großartige Gastfreundschaft, die Unterstützung der KAAD-Familie – und die fantastische Erfahrung, Freundschaft mit Menschen aus allen Teilen der Welt zu schließen.“