KAAD-Stiftung Peter Hünermann

Der KAAD hat im Dezember 2008 unter dem Dach der Diözese Rottenburg-Stuttgart die KAAD-Stiftung Peter Hünermann“ gegründet, die nach dem ersten Stifter, dem langjährigen Präsidenten (1985-2002) und Ehrenpräsidenten des KAAD benannt ist. Die Stiftung soll die Bildungs- und Alumniarbeit des Vereins, insbesondere auch die fachliche Vernetzung, unterstützen und greift vor allem Eigeninitiativen der Alumni und Stipendiaten auf, die im Rahmen des regulären Budgets nicht finanzierbar wären. Sie kann mittlerweile ein Stiftungsvermögen von rund  510.000  Euro aufweisen.

Die KAAD-Stiftung vergibt in Zusammenarbeit mit Partnergremien und Alumnivereinen von 2011 an jährlich auch einen Preis. Er geht an eine/n oder mehrere ins Heimatland zurückgekehrte KAAD-Alumni, die sich durch herausragende wissenschaftliche Leistungen von gesellschaftlicher Relevanz und/oder durch (ehrenamtliches) zivilgesellschaftliches oder kirchliches Engagement verdient gemacht haben. In Frage kommende Alumni können von den KAAD-Partnergremien oder Alumnivereinen vorgeschlagen werden. Der Vostand der Stiftung wählt dann gemeinsam mit einem Vertreter des Akademischen Ausschusses und einem Vertreter der Bildungskommission der Stipendiaten den oder die Preisträger/innen aus. Der nicht zweckgebundene Preis wird auf der jeweils folgenden Jahresakademie verliehen.

Der (5.) Preis 2016 wurde dem aus Simbabwe stammenden und dort arbeitenden Maler Misheck Masamvu zuerkannt, damit erstmalig einem Künstler (vgl. unseren Newsletter Nr. 14 vom Dezember 2015). Er gilt als Leitfigur einer neuen Malergeneration und -schule in seinem Land, hat bereits an mehreren wichtigen internationalen Ausstellungen (z. B. den Biennalen in Venedig und São Paulo) teilgenommen und fördert besonders junge Talente im südlichen Afrika, etwa durch die Künstlerstudios des „Village Unho“, das er gemeinsam mit seiner Frau Gina aufgebaut hat. Dr. Marko Kuhn, Referatsleiter Afrika, würdigte in seiner Laudatio besonders Masamvus Treue zum Heimatland und die Zuwendung gerade zur einfachen Bevölkerung inmitten wirtschaftlich und politisch schwieriger Bedingungen:

Warum sollte er in Simbabwe bleiben, der durch sein Studium in Deutschland und seine vielfältigen Kontakte in die internationale Kunstszene genügend Möglichkeiten hätte, den entmutigenden Verhältnissen in seiner Heimat den Rücken zu kehren, den vielen seiner Künstlerkollegen ins Exil zu folgen? Er wurde immer wieder beobachtet, von der Polizei drangsaliert, von Behörden schikaniert, und er ist trotzdem in Simbabwe geblieben. […] Dabei ist zu bedenken, dass dieser Künstler zwar die politische und gesellschaftliche Szenerie seines Landes kritisch begleitet, aber auch in der internationalen Kunstwelt sein Land repräsentiert. Meist geschieht dies nicht offiziell. Einmal aber durchaus, nämlich beim bedeutendsten Event der internationalen Kunstlandschaft, der Kunstbiennale in Venedig (2011). […]

Zum einen braucht er die großen Kulturinstitutionen zur Förderung der Kunst (er selbst wurde dem KAAD durch die damalige deutsche Botschafterin zur Förderung empfohlen), zum anderen möchte er mit eben den einfachen Leuten leben, die seine Kunst inspirieren und deren Lebensverhältnisse die Empörung in ihm verursachen, die aus seinen Werken beständig spricht.

Der KAAD und seine Stiftung hatten anlässlich der Preisverleihung eine Ausstellung (vgl. den Flyer) organisiert, bei der auch der geförderte rumänische Maler Sebastian Hosu mitwirkte. Sie wurde im Großen und Kleinen Saal des Hauses Venusberg sowie in zwei kleineren Räumen installiert und begleitete so visuell die gesamte Jahresakademie. Diese gemeinsame Ausstellung unter dem Motto „Menschen-Träume“ fand am Freitagnachmittag der Akademie ihre biographische Tiefenschärfe durch ein Podiumsgespräch mit den beiden Malern: „Seeing ourselves“ – so sein Titel – thematisierte anschaulich die existenzielle und künstlerische ‚Wanderungsbewegung‘ der Künstler zwischen ihrer Heimat und einem von Europa dominierten Ausbildungs- und Kunstmarkt sowie die identitären Selbst- und Fremdbilder, die dabei entstehen bzw. vorherrschen. Die gemeinsame Grundmotivation der Künstler, die auch diese dialogische Gegenüberstellung erlaubte, reflektierte Prof. Dr. Ulrich Engel OP in seiner Ansprache zur Vernissage:

In diesem Sinne setzen das Framework bei Misheck Masamvu genauso wie der Space between bei Sebastian Hosu widerständige Kräfte frei: wider das Verschwinden des Menschen und seine Vernichtung. In diesen künstlerisch-formalen Lösungen liegt die spirituelle Resilienz der Malerei von Misheck Masamvu und Sebastian Hosu. Hier erkenne ich das ihnen gemeinsame humane – ich würde sogar sagen: christliche – Hoffnungspotential ihrer Malerei.

Der Stiftungspreis 2017 geht an den international renommierten Kinderkardiologen Dr. Franz-Peter Freudenthal aus Bolivien. Seine Erfindungen und Entwicklungen im Bereich von Herzimplantaten für Kinder haben Tausenden Menschen das Leben gerettet, nicht nur in dem von ihm gegründeten „Kardiozentrum“ in seiner Heimatstadt La Paz. Freudenthal war zwischen 1993 und 1996 Stipendiat des KAAD und erarbeitete an der RWTH in Aachen die Grundlagen seiner späteren Forschungstätigkeit. Der Preis wird auf der Jahresakademie 2017 vergeben.

Bisher wurde durch die KAAD-Stiftung Peter Hünermann gefördert:

2016

  • Zuschuss zur Publikation lateinamerikanischer Stipendiaten und Alumni „Pluralismo e interculturalidad en América Latina en tiempos de globalización“ (Verlag Grama, Buenos Aires; die Publikation wurde auf der Jahresakademie 2016 vorgestellt).
  • Zuschuss zur Konferenz des ukrainischen Alumni-Clubs: „Bedeutung und Einfluss der Internationalisierung der Bildung auf die regionale Entwicklung an der östlichen Grenze der EU“, Czernowitz, 26.-29. Mai 2016: Reise- und Unterbringungskosten für Teilnehmer/innen aus anderen osteuropäischen Ländern.
  • Zuschuss zum Seminar der KASSA (Alumnivereinigung Südliches Afrika) für ein mehrtägiges Seminar im Dezember 2016 (Exkursion von Simbabwe nach  Mosambik).

2015

  • Die Preisträgerin 2015 ist Dr. Hiyam Marzouqa aus Palästina. Die Verleihung erfolgte im Rahmen der Jahresakademie 2015.
  • Beitrag zu den Exkursionskosen der Fachgruppe Wasser im Rahmen des Seminars „Wasserwirtschaft im klimatischen und gesellschaftlichen Wandel“ (Mai 2015)
  • Zuschuss zur Alumnikonferenz: „El Rol de la Universidad en la Gestión de la Salud Pública“ (Juni 2015, in Sa Fe/Argentinien). Insbesondere erhielten Alumni aus den Andenländern und Brasilien so die Möglichkeit der Teilnahme, um dadruch auch ein KAAD-spezifisches, gesundheitsbezogenes Fachnetzwerk zu etablieren.
  • Zuschuss zum gemeinsamen Seminar der Alumnivereine Georgien und Armenien in Erewan (Oktober 2015)
  • Zuschuss zum Seminar der KASHA (Alumnivereinigung „Horn von Afrika“ in Äthiopien) für ein mehrtägiges Seminar (November 2015)

2014

  • Finanzierung eines philosophisch-theologischen Workshops zu
    P. Georges Anawati anlässlich seines 20. Todestags, organisiert von KAAD-Alumnus Dr. Haggag Ali (im Rahmen eines Auslandsseminars in Kairo am 6./7. Juni) mit Wissenschaftlern aus mehreren arabischen Ländern.
  • Zuschuss zur Auslandsakademie des KAAD 2014 in Indonesien
    (24. bis 26. Oktober, Jawa Barat) zum Thema „ASEAN 2015“, die bei hoher Eigenbeteiligung der Alumni gemeinsam mit der Alumnivereinigung KONTAK durchgeführt wurde. (Stiftungsbeitrag vor allem für Tagungshaus und Referenten/innen aus dem Ausland).
  • Finanzierung des Konferenzzyklus der Alumnivereinigung Guatemala an der Univ. Rafael Landívar zur Methodik der Sozialwissenschaften vom 3. bis 5. November (insbes. auch Ermöglichung der Teilnahme von Alumni aus Ecuador und Bolivien).

Bankverbindung:
Bistum Rottenburg-Stuttgart
IBAN: DE48 6039 1310 0005 4040 02
BIC: GENODES1VBH
Verwendungszweck: KAAD-Stiftung Peter Hünermann KST 531160

Flyer der Peter Hünermann Stiftung zum Download.

Nähere Informationen zur Stiftung erhalten Sie auf Anfrage bei Dr. Hermann Weber, Generalsekretär des KAAD: weber(at)kaad.de