Zum Verständnis ost- und südostasiatischer Gesellschaften: Eine postkoloniale Perspektive

Das Seminar „Zum Verständnis ost- und südostasiatischer Gesellschaften: Eine postkoloniale Perspektive“, vom 20. bis 23.05.2019, führte eine Gruppe von 20 Stipendiaten/innen aus elf verschiedenen Nationen ins Haus Werdenfels, Nittendorf. Geleitet wurde das Seminar von Dr. Heinrich Geiger.

Den Einstieg ins Thema ermöglichten Beiträge aus den Philippinen, die im weiteren Verlauf des ersten Seminartags von Teilnehmern/innen aus anderen Nationen mit Kurzvorträgen ergänzt und erweitert wurden. In deren Mittelpunkt stand die Arbeit an der eigenen Geschichte. Interessant war es zu erfahren, dass es für viele ganz selbstverständlich ist, die eigene kulturelle Identität nicht eindeutig definieren zu können. Es wurde deutlich, dass diese in den postkolonialen Gesellschaften Ost- und Südostasiens ein Konstrukt auf der Basis von persönlichen Erfahrungen, Erinnerungen, Traditionen und einer ungeheuren Vielfalt von kulturellen, politischen und sozialen Praktiken darstellt. Die Franzosen waren in Vietnam, die Portugiesen und die Niederländer in Indonesien, die Spanier und die Amerikaner auf den Philippinen, die Briten in Indien und in Myanmar.

Kritisch thematisiert wurden allerdings die schlimmen Folgen der Kolonialherrschaft, die sich unter anderem in der Etablierung struktureller Ungleichheit zeigen: Eine Minderheit monopolisiert nach wie vor den Großteil des Vermögens und der Macht; die globalisierte Geoökonomie in den ost- und südostasiatischen Ländern baut zum Teil immer noch auf den alten Strukturen auf. Vor diesem Hintergrund stellte sich im Rahmen des Seminars die Frage nach den Eliten und ihrer Rolle unter diesen Bedingungen. Ganz allgemein wurde weiter gefragt, welche Rolle Asien im Blick auf die Herausforderungen der Gl0balisierung spielen kann? China, Indonesien, Myanmar, Vietnam sind heute wie viele andere asiatische Länder zu Fabriken für die ganze Welt geworden. Ganz realistisch wurde festgestellt, dass dabei nicht wenige traditionelle Wertvorstellungen und Gedanken verloren gegangen sind.

Die einzige Referentin des Seminars (der für den ersten Tag geplante Referent hatte kurzfristig abgesagt), Frau Prof. Dr. Dagmar Hellmann-Rajanayagam von der Universität Passau, konzentrierte sich am zweiten Seminartag in ihrem Vortrag zum Thema „Uses of religion in political contexts“ auf die Religionsfrage und löste damit eine angeregte Diskussion aus. Von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Seminars wurde hervorgehoben, dass sie sich einen Dialog zwischen allen lebendigen Weltreligionen in Asien wünschen, weil es, wie das Beispiel Myanmars zeigt, Konflikte und Diskriminierungen gibt. Erst der Ökumenismus ermöglicht den gegenseitigen Respekt und die Anerkennung der gemeinsamen menschlichen Werte. Außerdem sind, wie weiterhin hervorgehoben wurde, rechtliche Rahmenbedingungen vonnöten, mit denen die Würde und die Gleichheit jeden Bürgers vor dem Gesetz ohne Diskriminierung des persönlichen Glaubens gewährleistet werden können.

Fazit: Insgesamt ein sehr gelungenes Seminar, das von den qualifizierten Beiträgen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer lebte. Es wurde durch eine halbtägige Exkursion nach Regensburg und zur Walhalla abgerundet.