Was mir heilig ist – Spirituelle Tage im Kloster Beuron

Studium, Beruf, Familie, Freundeskreis, soziale Verpflichtungen – all das unter einen Hut zu bringen, ist nicht leicht. Der Erwartungsdruck von außen ist oft sehr groß. Manchmal fühlt sich das Leben ziemlich chaotisch an und wird ab und zu von Orientierungslosigkeit, Unrast und Sinnleere geprägt. In solcher Situation werden die Antworten auf grundlegende Fragen gesucht, u.a. was mir eigentlich wichtig ist? Was ist mir heilig?

Vor diesem Hintergrund trafen sich 16 KAAD-Stipendiatinnen und Stipendiaten aus 14 Ländern vom 19.07. bis 23.07.2019 in der traditionsreichen Benediktinerabtei Beuron, um sich unter der Leitung von Pater Prof. Dr. Ulrich Engel OP und Pater Prof. Dr. Thomas Eggensperger OP mit sich selbst und mit Gott auseinanderzusetzen und gemeinsam im klösterlichen Rhythmus von „Ora et labora“, von Gebet und Arbeit, zu reflektieren, was uns in diesem Leben am Herzen liegt. Während vier inspirierender Tage hatten die KAAD-Stipendiaten/innen Gelegenheit, sich mit Texten der Bibel zu beschäftigen, geistliche Musik zu hören, Gedichte zu lesen und einen Einblick in den Lebens- und Tagesrhythmus der Mönche des Klosters Beuron zu bekommen. Wir feierten zusammen ihren Gottesdienst in der Abteikirche St. Martinus (Matutin, Eucharistiefeier, Vesper und Komplet), meditierten, führten Bibelgespräche, malten und besprachen unsere Lebenskurven. Prior und Gastpater Sebastian Haas-Sigel OSB führte uns in Geschichte und Leben der Benediktiner ein und antwortete offen auf alle Fragen der Stipendiaten zu Klosteralltag, Beruf und Berufung, zu seinen Lieblingsstellen in der Bibel und zu den Tätigkeitsschwerpunkten der Mönche im Kloster Beuron.

Einen tiefen Eindruck hat auf alle Teilnehmer/innen der Film „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ von Wim Wenders gemacht, der im Rahmen des Seminars im Festsaal des Klosters gezeigt wurde. In der Besprechung des Filmes wurden sowohl die beeindruckenden Statements des Papstes zu Versklavung durch das Geld, zur sozialen Ungerechtigkeit und der Zerstörung unserer Umwelt, als auch sein Mut, Mitgefühl und seine Herzlichkeit hervorgehoben.
Zudem stand eine gemeinsame Wanderung flussaufwärts der Donau zur St. Maurus-Kapelle, eine Gruppenmesse dort und ein kurzer Abstecher zum Wasserkraftwerk der Benediktiner auf dem Programm.
Einen Höhepunkt unseres Aufenthaltes in Beuron stellte ein einmaliges künstlerisches Erlebnis dar – das Konzert mit dem Kammerchor „Cantanti Amabili“ und Pater Landelin Fuß OSB an der Orgel im Rahmen der Abteikonzerte „Laudate Nomen Domini“. Sänger/innen und Organist präsentieren Chorwerke aus verschiedenen Jahrhunderten von der Renaissance bis zur Moderne, so zum Beispiel, „Jesu, meine Freude“ von Johann Sebastian Bach, „Schaffe in mir Gott“ von C. Loewe, „Ubi Caritas“ von O. Gjeilo und „An Irish Blessing“ von J.E-Moore u.a.

Im intensiven Programm des Seminars gab es aber auch genug Zeit, um den eigenen Fragen in der Stille, im Gespräch und in der Begegnung mit anderen nachzugehen. Das machte Kloster Beuron zum idealen Platz körperlicher und geistig-geistlicher Entspannung für alle Stipendiaten/innen, um zu Gott und zu sich selbst zu finden.