Wissenschaftliche Erfahrungen in Deutschland und Reintegration

Vom 8. bis 11. September 2019 trafen sich 30 Stipendiaten/innen aus 17 Ländern unter der Leitung des Referatsleiters Osteuropa, Markus Leimbach, in der „Alten Feuerwache“ in Berlin, um sich über die wissenschaftlichen Erfahrungen in Deutschland und die Probleme und Chancen bei der Rückkehr in das Heimatland auszutauschen. Fachlich begleitet wurde das Seminar durch die Pastoraltheologin Prof. Dr. Klara Csiszar und den Migrationswissenschaftler Prof. Dr. Uwe Hunger. Die geistliche Begleitung hatte P. Prof. Dr. Ulrich Engel OP, der mit uns auch den Gottesdienst in der „Thomas-von-Aquin“ – Kapelle der Katholischen Akademie feierte.

Nach kurzen Statements der Professoren Drebet und Kunicki sowie von Dr. Baghmanyan über ihre Erfahrungen mit dem Studium im Ausland und Rückkehr am ersten Tag wurden in Arbeitsgruppen Wünsche, Hoffnungen und Probleme der Teilnehmenden zusammengetragen. Ein Problempunkt, den später auch Frau Prof. Csiszar in ihrem Vortag bestätigte, ist, dass auch die Entwicklung an den Universitäten im Heimatland weitergeht und man dort einiges verpasst und Voraussetzungen und Personen, die vor der Ausreise bestimmend waren, nicht mehr vorhanden sind. Ein wichtiger Hinweis war, während des Studiums in Deutschland die Kontakte zu halten und gezielt nach Stellen zu schauen.

Problematisch wird es, wenn es unterschiedliche fachliche Anbindungen gibt, z.B. DaF, welches in Deutschland zur Germanistik zählt und in Georgien zu den Bildungswissenschaften. Hinzu kommt, dass einige Forschungsrichtungen im Heimatland nicht vorhanden sind oder nicht benötigt werden. In diesem Zusammenhang wurde auch die Problematik der Bürokratie, der Korruption und des Nepotismus in verschiedenen Ländern angesprochen, die es Heimkehrenden erschwert, im universitären Umfeld wieder Fuß zu fassen.

An die Partnergremien wurde der Wunsch formuliert, die Rückkehr noch besser zu begleiten, durch Informationen über Arbeitsstellen, Nachbetreuung oder sogar direkte Vermittlung. Vom KAAD wurde gewünscht, dass auch hier eine Nachbetreuung angeboten wird, die Möglichkeiten zur Verlängerung vereinfacht werden und die Vernetzung durch internationale Alumni Veranstaltungen ermöglicht wird. Für die Bildungsarbeit des KAAD werden neben den Reintegrationsseminaren auch Manage-mentseminare angefragt, sowie eine Sammlung von Best Practice-Beispielen. Auf Initiative der Gruppe wird eine Facebook-Gruppe eingerichtet in der Partnergremien, Alumnis und Stipendiaten Arbeitsangebote, Praktika und Hilfsangebote einstellen können.

Prof. Csiszar betonte in ihrem Vortrag, dass die Rückkehrenden die unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Entwicklung an den Universitäten beachten sollen und vorsichtig neue Methoden einführen sollen. Prof. Hunger stellte die Ergebnisse der Studie zum Verbleib der Stipendiaten des KAAD vor. Deutlich machte er in seinem Vortrag, dass ohne „Brain drain“ kein „Brain gain“ möglich war. Vor allem das Beispiel Indiens zeigt dies, wo Migration und Reintegration die Entwicklung bestimmt haben. Für die Zukunft wichtig wird die „brain circulation“ – Wissenschaftler, Intellektuelle und Entrepreneurs die in zwei oder mehr Ländern tätig sind.

Abgerundet wurde das Seminar mit einer Stadtführung durch Berlin auf den Spuren des großen Wissenschaftlers und Forschers Alexander von Humboldt: Eine Person, die selber zwischen den Ländern gewandert ist und mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte.