Toleranz als ein Weg zum Frieden – KAAD-Alumni Konferenz vom 4.- 6. Oktober 2019 im Geistlichen Bildungszentrum Marijin Dvor in Luznica/Kroatien

Vom 4. bis 6. Oktober 2019 trafen sich 17 Alumni aus Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Slowenien, Albanien, Rumänien, Polen und Ungarn im Bildungszentrum der Vinzentinerinnen in Luznica in der Nähe von Zagreb. Toleranz bezeichnet den respektvollen Umgang mit der Verschiedenheit von Individuen, Gruppen und Organisationen einer Gemeinschaft, die auf unterschiedlichen religiösen Ansichten, Weltanschauungen, Ethnien, Sprachen, sexuellen Orientierungen, Meinungen, Verhaltensweisen und Werten beruht.

Dementsprechend vielfältig waren auch die Vorträge bei der Konferenz. Pfr. Prof. Dr. Marko Trogrlic, Geschichtsprofessor an der Universität Split, stellte den „Pazifismus“ in den Gedanken des kroatischen Politikers Stjepan Radic dar, der Anfang des 20. Jahrhunderts eine treibende Kraft in der kroatischen Demokratiebewegung und Begründer der Bauernpartei war. Das Fundament von Radic politischer Philosophie waren drei Säulen: das Bauerntum als authentisches Volk, die slawische Wechselseitigkeit (hier bezieht er sich auf den Tschechen Masaryk) und der Pazifismus nach Ghandi. Dr. Nikolina Pandza von der Universität Mostar legte den Fokus auf die Sprache und deren Nutzung zum Ausdruck von Toleranz, Intoleranz, Identitätsstiftung und Fremdenfeindlichkeit (vor allem aus Angst vor dem Fremden). Verhaltensweisen, die nahe bei einander liegen. Boris Zidar, Pädagoge aus Ljubljana, stellte zwei Projekte aus Schülerwohnheimen vor, die zur Toleranz untereinander und auf europäischer Ebene führen. Beide haben den Ansatz, dass man auf andere Menschen unbefangen und ohne Vorurteile zugehen soll, um diese kennenzulernen. Tomasz Bartos, Historiker aus Polen, setzte die Begriffe Fremdheit und Vertrautheit mit der Toleranz in Beziehung.

In dem letzten Vortrag setzen sich die Professores Gheorghe Farte (Iasi) und Alexandru Ronai (Bukarest) mit den Begriffen Balkanisierung und Toleranz auseinander. Mit Balkanisierung ist die Auflösung multinationaler Staaten in kleinere homogene Einheiten gemeint, mit einer Vielzahl an (zum Teil umstrittenen) Außengrenzen, einem aufstrebenden Nationalismus, einer hohen Konfliktorientierung (auch gepaart mit Gewaltbereitschaft des Staates) und einem Mangel an legitimierten Eliten. Hier sind nicht nur die Staaten des ehemaligen Jugoslawien gemeint, sondern auch Albanien, Bulgarien und Rumänien. An diesem Vortrag entspannen sich viele Diskussionen. In das Gebiet der wissenschaftlichen Toleranzen führte der Besuch im Haus von Prof. Ljubomir Majdanzic, der sein Haus als Vorzeigeprojekt für die Nutzung von alternativen Energien (Solarenergie) und Brauchwassernutzung zeigte. Neben den Solarplatten auf dem Dach hat er im Garten zusätzlich noch einen Solarmast mit einem Nachführsystem installiert.

Während der Konferenz wurde ein gemeinsamer Alumni-Verein für Kroatien und Bosnien-Herzegowina gegründet. Als Plattform wird zunächst eine Linkedin-Gruppe entstehen. Zum Abschluss der Konferenz feierte Pfr. Prof. Dr. Roman Globokar einen gemeinsamen Gottesdienst in der Marienkapelle auf dem Vinski Vrh mit den Teilnehmern.