Medien und Politik in Zeiten von Fake News – das Beispiel Migration. KAAD Seminar in Berlin

In Zeiten der Globalisierung und der digitalen Kommunikation ist Migration nicht nur ein Faktum, sondern auch ein politisches Mega-Thema. Im Zentrum des Seminars vom 22.-25.10.2019 stand die Frage nach gezielter Desinformation („Fake News“) zum Zweck politischer Agitation und wie damit umgegangen werden kann. Als Vertreter der Kommunikationswissenschaft mit dem Schwerpunkt Politische Kommunikation sprach Prof. Dr. Marcus Maurer von der Uni Mainz über das Seminarthema. Dabei konnte er durch Forschungsergebnisse nicht nur zeigen, welche Rolle soziale Medien in der Meinungsbildung spielen, sondern auch, wie sehr wider Erwarten die traditionellen Medien (TV, Radio, Print) doch noch ihre Rolle in diesem Prozess behaupten. Als ein konkretes Beispiel für das Vorgehen gegen Desinformation wurde das Projekt „Hoaxmap“ der freien Journalistin Karolin Schwarz vorgestellt, welches im Sinne des „Faktencheckens“ Falschmeldungen und ihre Entlarvung an verschiedenen Orten Deutschlands einsehbar macht.

Wie Bundesregierung und Parlamentsabgeordnete die eigenen politischen Inhalte kommunizieren, wurde bei Besuchen des Bundespresseamtes und des Bundestages plastisch. Ein Highlight war das Gespräch mit Dr. Karamba Diaby, Abgeordneter für Halle/Saale und Integrationsbeauftragter der SPD-Bundestagsfraktion. Er nahm sich mitten in einem Sitzungstag des Parlaments Zeit, die Fragen der KAAD-Stipendiaten/innen zu beantworten und aus seiner eigenen Biographie und politischen Arbeit zu erzählen. Als „Mainstream-Medien“ werden Teile der Tagespresse immer mehr verdächtigt, nur das berichten zu dürfen bzw. zu wollen, was die liberalen oder linken Parteien ihnen vorgeben. Beim Seminar erhielten die Teilnehmer/innen einen konkreten Einblick in die tatsächliche Arbeit einer Redakteurin bei einer großen deutschen Tageszeitung. Beim Besuch der Redaktion des „Tagesspiegel“ berichtete Andrea Dernbach von ihrer herausfordernden journalistischen Arbeit in einer Medienwelt, die einem starken strukturellen und wirtschaftlichen Wandel unterliegt. Sie konnte zu Grundsätzen der journalistischen Recherche und zum Faktenchecken befragt werden.

Das Seminarthema Migration und der gesellschaftliche Umgang mit ihr stand dann noch einmal im Mittelpunkt im Rahmen einer Führung unter der Überschrift „Weltstadt Kreuzberg – Von Zuwanderern zu Einheimischen“ (Stattreisen Berlin).

Das geistliche Programm bestand aus zwei Gottesdiensten: Einer Messfeier in der Kirche der Katholischen Akademie und der Teilnahme an der Semester-Eröffnung der Katholischen Studierenden Gemeinde in Berlin. Beim Gottesdienst feiern kam die Vielfalt der kulturellen Hintergründe der Teilnehmer/innen ebenso zum Tragen wie bei deren inhaltlichen Präsentationen. Diese gewährten Einblicke in die Gesellschaften Brasiliens, Russlands und der Philippinen. Dort spielen klassische und neue Medien eine jeweils sehr eigene Rolle im Meinungsbildungsprozess. Dies gilt vor allem vor Wahlen und in Bezug auf das Kontinuum zwischen wahrheitsgemäßen Berichten auf der einen und gelenkter politischer Propaganda auf der anderen Seite.

Durch die 39 Teilnehmer/innen waren 21 Länder vertreten, in denen jeweils sehr unterschiedliche Verhältnisse herrschen. Es wurde aber klar, dass viele Kommunikationsstrukturen und damit verbundene Probleme überall auf der Welt gleich sind. Über die beim Seminar behandelten Beispiele aus Berlin/Deutschland und aus den Herkunftsländern wurde deutlich: Gezielte Desinformation und das Verbreiten von Lügen ist keineswegs ein neues Phänomen, gewinnt aber durch die Internet-basierten „social media“ eine immer stärkere Brisanz. Das stellt Journalisten ebenso wie uns alle, die wir täglich über verschiedene Kanäle kommunizieren, vor eine besondere Herausforderung.