Fairer Handel für Afrika – freier Handel in Afrika? – wirtschaftliche Perspektiven zur Entwicklung des Kontinents. KAAD Afrika Seminar in Frankfurt, 02. – 05.12.2019

Die wirtschaftlichen Perspektiven des afrikanischen Kontinents sind ein geopolitisches Thema von höchster Bedeutung und werden auch in Deutschland viel diskutiert. Häufig wird es jedoch im Rahmen europäischer Migrationspolitik im Sinne der viel zitierten „Fluchtursachsenbekämpfung“ behandelt statt im Kontext der Entwicklungschancen an sich. Für die Stipendiaten/innen des KAAD geht es um ein sie existenziell betreffendes, vielschichtiges Thema, befasst es sich doch mit den konkreten Lebensumständen in ihren heimatlichen Familien und Gesellschaften. So ging es auch auf dem Seminar nicht nur um Innen- und Außenhandel verschiedener afrikanischer Länder, sondern vermehrt um pan-afrikanischen, selbstbestimmten Handel auf dem Kontinent. Dabei verhalfen drei hervorragende Referenten den Teilnehmenden tief in die komplexe Thematik einzutauchen. Dr. Markus Demele, Generalsekretär von Kolping International und Sozialethiker, sprach über die afrika-spezifische und ethische Perspektive auf den Welthandel und über die sozialphilosophische Frage, was „fair“ bedeuten kann und für wen. Prinz Dr. Asfa-Wossen Asserate, Angehöriger des äthiopischen Kaiserhauses und deutscher Unternehmensberater, hielt wiederum einen Vortrag über wirtschaftliche und politische Voraussetzungen für nachhaltige Investitionen auf dem afrikanischen Kontinent. Der dritte Referent, Dr. John Emeka Akude (Politik und Ökonomie, RWTH Aachen), schilderte die Chancen und Herausforderungen regional-afrikanischer Gemeinschaften und der neu ausgerufenen pan-afrikanischen Freihandelszone (AfCFTA).

Am Abend des zweiten Tages fand in Kooperation mit dem Haus am Dom eine öffentliche Podiumsdiskussion statt, die beim Frankfurter Publikum auf reges Interesse stieß. Alle drei Referenten diskutierten hierbei über die zentralsten Fragen des Handels mit und in Afrika: Wie können faire Handelsbedingungen aussehen, die afrikanische Volkswirtschaften nicht auf die Rolle des Rohstofflieferanten beschränken? Wie können afrikanische Handelspartner bessere Chancen und Marktzugänge bekommen, etwa wenn die EU durch Agrarsubventionen die Konkurrenz verzerrt? Wie kann ein pan-afrikanischer zollfreier Wirtschaftsraum aussehen?

Als katholisches Zentrum im Herzen Frankfurts bot das Haus am Dom sich einerseits für den zivilgesellschaftlichen Austausch an (Podiumsdiskussion), andererseits liegt es inmitten der Stadt, deren Institutionen und Großbanken den Puls des Welthandels mitbestimmen. Bei einer kritischen Führung durch das Bankenviertel konnten die Teilnehmenden diesen Knotenpunkt des Welthandels aus nächster Nähe kennenlernen.

Ein besonderes Erlebnis für die 32 Teilnehmenden aus 8 Ländern waren eine Morgenandacht und eine Messfeier im geschichtsträchtigen Kaiserdom St. Bartholomäus, direkt neben dem Tagungsort gelegen. Die vielen verschiedenen Beiträge aus unterschiedlichen Sprachen zeigten abermals, wie reichhaltig sich die kulturelle Vielfalt der Stipendiaten/innen nicht nur auf der thematischen, sondern auch auf der geistlichen Ebene darstellt.