KAAD goes online – Pilot-Web-Seminar erfolgreich durchgeführt

Bedingt durch die derzeitigen Corona-Einschränkungen muss auch der KAAD die Durchführung von Präsenzseminaren zunächst aussetzen und sich neuen Formaten der Ideellen Förderung öffnen, damit die Bildungsarbeit des KAAD zumindest in einer eingeschränkten Form fortgeführt werden kann.

Als Pilot-Web-Seminar wurde am 26. Mai 2020 das Seminar „Big Data und künstliche Intelligenz“ durchgeführt. Inhaltlich war dieses Thema für ein erstes Web-Seminar prädestiniert. Der Web-Seminarleiter Markus Leimbach und die Co-Moderatorin Dr. Nora Kalbarczyk konnten 24 Teilnehmer/innen aus 18 Ländern, die zum Teil aus ihren Heimatländern zugeschaltet waren, begrüßen. Auch drei Stipendiaten/innen des Cusanuswerks waren unter den Teilnehmenden.

Der Eingangsvortrag von Frau Anne Goldmann (Center for Advanced Internet Studies – CAIS) zum Thema „Künstliche Intelligenz (KI) als gesellschaftspolitisches Thema“ zeigte die Bedeutung der Künstlichen Intelligenz als Querschnittsthema durch alle Wissenschafts- sowie Gesellschaftsbereiche auf und beleuchtete ihre Auswirkungen auf verschiedene Politikfelder. Fazit hieraus ist eine Ambivalenz im Umgang mit KI, resultierend aus unterschiedlichen Besetzungen des Begriffs in der Informatik, der öffentlichen Debatte und der politischen Steuerung. Künstliche Intelligenz bietet viele Chancen, birgt jedoch – abhängig vom jeweiligen Auswirkungsbereich – diverse Risiken.

Die sich an den Vortrag anschließende Diskussion fokussierte sich auf die folgenden drei Fragen: Wie lässt sich KI sinnvoll nutzen, welchen Einfluss hat sie auf den zukünftigen Arbeitsmarkt und wie kann der Missbrauch von Daten verhindert werden?

Die zwei Teilnehmervorträge von Lingga Putra aus Indonesien und Khrystyna Demko aus der Ukraine verdeutlichten den heute schon spürbaren Einsatz von KI vor allem im Internet und gaben eine Vorschau auf den zukünftigen Einsatz dieser Technologien. Lingga Putra stellte dies an seinen drei Forschungsprojekten (Autonomes Fahren, Intelligente Prothesen und Robotereinsatz in der Katastrophenhilfe) plastisch dar. In der anschließenden Kleingruppendiskussion tauschten sich die Teilnehmenden über die Situation und Nutzung in ihren Ländern aus. Im Plenum wurden verschiedene Problemanzeigen dargestellt.  Ein Punkt war die ungleiche Verteilung der technischen Ressourcen und damit die Gefahr, dass vor allem DAC-Länder dauerhaft in der Entwicklung benachteiligt werden. Eine weitere Gefahr wurde in der politischen Einflussnahme ausgemacht – nicht nur durch die Nutzung der sozialen Medien, sondern auch durch E-Governance, denn Bürokratieerleichterung kann auch bessere Kontrollmöglichkeiten bedeuten. Die Gefahr des Datenmissbrauchs und des persönlichen sorglosen Umgangs damit wurde ebenso thematisiert wie der unterschiedliche Stand des Datenschutzes. Bei der Arbeitswelt zeigte sich die Ambivalenz der KI, einerseits die Chance, gefährliche oder routinehafte Tätigkeiten zu verlagern, andererseits der Abbau von prekären oder einfachen Tätigkeiten.

Zum Abschluss des Web-Seminars hat P. Ulrich Engel OP mit einem geistlichen Impuls einen eindrucksvollen Akzent gesetzt.

Das Web-Seminar hat deutlich gemacht, dass auch in dem Online-Format lebhafte Diskussionen miteinander möglich sind, wobei hier mehr Disziplin in der Diskussionskultur notwendig ist, da nacheinander gesprochen werden muss. Wichtige Aspekte der KAAD-Bildungsarbeit, wie das persönliche Kennenlernen von Menschen aus anderen Ländern und Kulturen, der persönliche Austausch, die Gespräche in der Kaffeepause und das gesellige Beisammensein können in einem Onlineformat mit einer größeren Gruppe leider nicht stattfinden. Dass dies den Teilnehmern fehlt, hat die Evaluation des Web-Seminars gezeigt, wobei mehr als 50 % der Befragten Web-Seminare als zusätzliches Angebot des KAAD befürworten.
Insgesamt war das Web-Seminar ein gelungenes Experiment mit einer guten und lehrreichen Erfahrung. Bildung online ist möglich, mit den oben aufgezeigten Einschränkungen.