Auswirkungen von russischer Vorherrschaft und Machtstreben auf die mittel- und osteuropäischen Länder

Vom 4. – 7. September trafen sich 13 Stipendiaten/innen des KAAD Osteuropaprogramms und des Stipendienprogramms Albertus Magnus aus fünf Ländern in der „Alten Feuerwache“ in Berlin zu diesem Regionalseminar des KAAD. Auf Grund der SARS-CoV-2 Pandemie konnte nur eine eingeschränkte Anzahl eingeladen werden.

Nach einem einführenden Vortrag zur Geschichte der russischen Hegemonialherrschaft durch den Referatsleiter Osteuropa, Markus Leimbach, wurde in den drei Teilnehmervorträgen die aktuelle Situation näher beleuchtet. Prof. Dr. Cezary Koscielniak ging in seinem Beitrag auf die geschichtlichen Hintergründe und wirtschaftlichen Auswirkungen ein. Er wies darauf hin, dass das polnisch–russische Verhältnis immer auch im Zusammenhang mit dem Verhältnis zu Deutschland stehe. Der georgische Politikwissenschaftler Tornike Kikishvili beschrieb vor allem die vielfältigen Bedrohungen und Auseinandersetzungen Russlands und Georgiens sowie die wirtschaftlichen Abhängigkeiten. Eine seiner Kernaussagen war, dass die Zukunft Georgiens in Europa liege. Der ungarische Theologe Gabor Kiss, der auf Grund der ungarischen Reisebeschränkungen nur mit einem Videobeitrag präsent sein konnte, stellte die Situation der katholischen Kirche in Ungarn während der kommunistischen Herrschaft vor.

In zwei Arbeitsgruppen diskutierten die Teilnehmer/innen anschließend das Thema und stellten dem Plenum die Ergebnisse vor. Die zwei Hauptpunkte im Verhältnis zu Russland waren vor allem die wirtschaftliche Abhängigkeit im Handel und in der Energieversorgung sowie die direkte Einflussnahme Russlands durch den Einsatz von Streitkräften, wie in der Ukraine und in Georgien. Hier erhoffen sich die Teilnehmer einerseits eine stärkere Unterstützung der EU, andererseits aber auch, dass die EU-Mitgliedsstaaten die jeweiligen kulturellen und nationalen Eigenständigkeiten beachten. Positiv wurde rückblickend die Stabilität und die lange Friedenszeit durch die sowjetische Herrschaft betrachtet, allerdings um den Preis der ausgeübten Unterdrückung. Ein Schlussmotto lieferte der russische Dichter Fjodor Tjutschew, der sinngemäß schrieb: Russland kann niemand mit dem Verstand verstehen.

Abgerundet wurde das Seminar mit einer Stadtführung zum Thema „Charlottengrad – russisches Leben in Berlin“, die die Teilnehmer in die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts führte, und mit einem Gottesdienst in der KSG Edith Stein, der vom Geistlichen Beirat des KAAD, Prof. Dr. Ulrich Engel OP, gestaltet wurde.