Grenzen – Zur Zukunft der Zusammenarbeit in Asien

Vom 5. bis zum 8.10.2020 fand im Kloster St. Ludgerus, Helmstedt, an der ehemaligen Ost-West-Grenze des geteilten Deutschlands, das Asien-Seminar „Grenzen – Zur Zukunft der Zusammenarbeit in Asien“ statt. 19 Teilnehmende, davon 14 aus Asien, freuten sich, trotz aller Corona-Restriktionen teilnehmen zu dürfen und genossen den Austausch zu einer Fragestellung, die die meisten mit intensiven persönlichen Erfahrung ihrer Heimatländer verbinden konnten.

Mit einem Vortrag zu „Redrawing Asia’s Borders: Between Populist Nationalisms and Competitive Capitalisms“ war Prof. Dr. Bonn Juego von der Universität Jyväsylä, Finnland, zugeschaltet. Selbst aus den Philippinen stammend und seit Jahren mit der Thematik in ihren asienspezifischen Auswirkungen befasst, konnte er auch per zoom seine Zuhörer faszinieren und in eine lebendige Diskussion führen.

Grenzen verbinden sich mit Strukturen von Gewalt und Ungleichheit. Sie unterliegen stark technischen Weiterentwicklungen. Bio-Identifikationsverfahren erleichtern einerseits die Bewältigung komplexer Grenzsituationen und ermöglichen effizient humanitäre Hilfe. Die zunehmende Verlagerung weg vom traditionellen Grenzübertritt mit Prüfung der Papiere hin zu komplexen, technisierten Migrationsprozessen ist jedoch nicht unproblematisch, wie die Überlegungen zu „Shifting Borders“ von Ayelet Shachar zeigen. So bildeten sich die Teilnehmenden Meinungen zu gegenwärtigen Grenzpolitiken und -praktiken. Nationale Verfasstheit und damit einhergehende Grenzen werden gerade in Pandemiezeiten besonders als ein weltweit unumgängliches Faktum bewusst und stehen in einem gewissen Kontrast zum Selbstverständnis junger, international orientierter Akademiker, die in der Welt und weltweit zu Hause und doch ihren Heimatländern verbunden sind. Für die Teilnehmenden stellte sich daher die Frage, wo hier Verantwortung und Möglichkeiten liegen, mit notwendigen Grenzziehungen umzugehen und sie aktiv zu gestalten.

Die länderspezifische Vielfalt der Grenzthematik zeigte sich am Nachmittag in den Vorstellungen der einzelnen Länder durch die Teilnehmenden. Sie wurden am Folgetag fortgeführt. Die Möglichkeiten der Zusammenarbeit wurden in einer Abschlussdiskussion thematisiert, wobei durch die baldige Einführung einer Email-Liste „KAAD in Asia“ durch das Asienreferat auch ein aktiver erster Schritt zu einer intensivierten KAAD-internen Zusammenarbeit über Grenzen hinweg gelegt wurde. Ein Besuch der Gedenkstätte Marienborn rundete die Thematik eindrücklich ab und begeisterte insbesondere durch seine erfahrungsgesättigten Führungen vor Ort. Am Abend schloss sich eine Messe an – für viele Stipendiaten die erste seit langer Zeit, deren wohltuende Wirkung einige von ihnen hervorhoben.

Insgesamt war das Seminar also ein gelungener Auftakt zu einem neuen Abschnitt in der Arbeit des Asienreferats, und wir hoffen sehr, dass im Laufe des nächsten Jahres neben faszinierenden Thematiken auch wieder verstärkt der kulturelle Austausch und das unbeschwerte Beisammensein die Abende füllen dürfen. Allen Teilnehmenden sei daher für die konstante Disziplin und das ständige Austarieren der realistischen Handlungsspielräume gedankt!

Esther-Maria Guggenmos