The Global Covid-19 Pandemic: Mental Health Insights from Palestine – Internationales Web-Seminar am 16. Oktober 2020

Anlässlich des Internationalen Tags der psychischen Gesundheit am 10. Oktober 2020 organisierte der KAAD Alumni-Verein Palästina in Zusammenarbeit mit der KAAD Geschäftsstelle in Bonn eine digitale Veranstaltung, die sich mit der aktuellen Pandemie in Palästina und mit ihren Auswirkungen auf die psychische Gesundheit beschäftigte.

Die KAAD-Alumni in Palästina haben zu einem großen Teil die Ausrichtung auf medizinische Berufe bzw. die berufliche Beschäftigung mit Gesundheitsfragen gemeinsam. Zu diesem Ergebnis ist auch die Hunger/Krannich-Studie 2018 gekommen, die die KAAD Alumni-Netzwerke in fünf ausgewählten Ländern – darunter auch Palästina – untersucht hat. Zur Koordination und Sichtbarmachung der Alumni-Aktivitäten wurde 2019 ein KAAD Alumni-Verein Palästina gegründet, dessen erste Veranstaltung in diesem Oktober in Bethlehem zum Thema der psychischen Gesundheit in Palästina hätte stattfinden sollen. Aufgrund der weltweiten Gesundheitskrise und der pandemiebedingten Einschränkungen wurde dieses Seminar verschoben. Stattdessen konnte nun ein kürzeres Seminar mit einem veränderten Themenschwerpunkt im virtuellen Raum stattfinden.

Die spirituelle Einführung in die Veranstaltung wurde von Father Dr. Iyad Twal geleitet, Mitglied unseres palästinensischen Partnergremiums und Executive Vice President der Bethlehem Universität. Daran schlossen sich die Grußworte der stellv. Generalsekretärin des KAAD und Leiterin des KAAD Nahost-Referats, Dr. Nora Kalbarczyk, sowie der palästinensischen Botschafterin in Deutschland, der KAAD-Alumna und Präsidentin des palästinensischen Partnergremiums, Dr. Khouloud Daibes, an.

Dr. Samah Jabr, Leiterin der Abteilung „Psychische Gesundheit“ im palästinensischen Gesundheitsministerium und Gründungsmitglied des „Palestine Global Mental Health Networks“ beleuchtete in ihrem Vortrag „Covid-19 in Palestine: Public Health and Mental Health Perspectives“ die derzeitige Lage und Entwicklung der Pandemie in Palästina und die Einflüsse auf die Gesundheitsversorgung im Allgemeinen sowie auf die der psychischen Gesundheit im Speziellen. Dabei wurde deutlich, inwieweit zum einen spezifische Entwicklungen mit bestimmten kulturellen Phänomen erklärt werden können (beispielsweise die steigende Inzidenz unter Frauen aufgrund kultureller Gepflogenheiten bei Hochzeiten), wie sich jedoch zum anderen der politische Kontext – in globaler als auch in regionaler Hinsicht – auf die Gesundheitsversorgung in den palästinensischen Gebieten auswirkt. Aufgrund der Pandemie werden immer mehr Einrichtungen, die eigentlich der psychischen Gesundheit dienen sollen, wie beispielsweise Therapiezentren, als Zentren zur Bekämpfung der Pandemie gebraucht, sei es als Test-, Behandlungs- oder als Quarantäneorte. Gleichzeitig ist jedoch – darauf hat auch die Weltgesundheitsorganisation jüngst hingewiesen – der Bedarf an Zugang zu psychischer Gesundheitsversorgung im Rahmen der Pandemie gestiegen. So wies Dr. Jabr auf die Strategien des Gesundheitsministeriums hin, mit den pandemiebedingten Herausforderungen für die psychische Gesundheit umzugehen.

Im zweiten Vortrag mit dem Titel „Covid-19 and the Online Brain: How this Era May be Changing our Cognition?” beschäftigte sich KAAD-Alumnus Nawras Kurzom, der derzeit an der Universität Haifa in Neurobiologie promoviert, mit den Auswirkungen der Pandemie auf unser Erkenntnis- und Wahrnehmungsvermögen. So lässt sich als Zwischenbeobachtung festhalten, dass die bereits zuvor angestoßenen, durch die Pandemie jedoch in ungekannter Weise beschleunigten, digitalen Entwicklungen sowohl positive als auch negative Konsequenzen hinsichtlich der individuellen als auch der gesellschaftlichen Informationsgewinnung, der Informationsverarbeitung und
-vermittlung aufweisen. Gleichzeitig können digitale Technologien auch auf eine gewinnbringende Art in der Gesundheitsversorgung, durchaus auch der psychischen, eingesetzt werden.

Die lebendige Diskussion nach den beiden Vorträgen zeigte, wie wichtig der Austausch über das Thema ist.

Insgesamt 52 Teilnehmende waren bei dieser Veranstaltung zu verzeichnen, darunter Partner und Alumni aus Palästina, Jordanien und dem Libanon sowie KAAD Stipendiatinnen und Stipendiaten, die in Deutschland, Jordanien oder im Libanon studieren und aus verschiedenen Ländern des Nahen Ostens und aus Afrika kommen. Zudem haben weitere palästinensische Gesundheitsexperten teilgenommen.

Auch wenn eine digitale Veranstaltung nicht die persönliche Begegnung ersetzen kann, so kann jedoch festgehalten werden, dass das Teilnehmerspektrum dieses Web-Seminars breiter und heterogener gewesen ist, als es bei einer Präsenzveranstaltung in dieser krisenerprobten Region möglich gewesen wäre. Ein solches Format auch in der Zukunft stärker zu nutzen wurde auch von den Teilnehmenden als wichtig angesehen.