Migration in Lateinamerika

Das Lateinamerika-Seminar Migration in Lateinamerika wurde wegen der sich wieder verschärfenden Pandemie-Situation kurzfristig zu einem Web-Seminar umgewandelt, an dem 24 Stipendiaten/innen aus sieben Ländern Lateinamerikas am 13. November teilnahmen. Die Leitung hatte Dr. Thomas Krüggeler. P. Prof. Dr. Thomas Eggensperger OP begleitete die Teilnehmenden durch einen geistlichen Impuls zu Beginn der Veranstaltung und eine abschließende Reflexion auf der Basis der jüngsten päpstlichen Enzyklika Fratelli Tutti, die dem Thema Migration breiten Raum einräumt.

Dr. Pau Palop García (GIGA Hamburg und Universität Erfurt) fokussierte seine Ausführungen nach einer kurzen historischen Einführung in die Geschichte der Migration in Lateinamerika, auf Migrationsbewegungen seit den 1990er Jahren. Dabei standen die Länder Kolumbien, Venezuela und El Salvador beispielhaft im Vordergrund. Es wurde deutlich, dass Migrationsbewegungen zwischen lateinamerikanischen Ländern genauso Beachtung finden müssen wie Emigrationsströme in Richtung der USA. Migrationsbewegungen von Kolumbien nach Venezuela haben sich auf Grund geänderter politischer Rahmenbedingungen beispielsweise über einen kurzen Zeitraum komplett umgekehrt. Wichtig, doch in der Forschung oft unbeachtet, ist das Thema der Politiken, die einzelne Länder für Migranten entwickeln (Wahlrecht, Konsularische Betreuung etc.), dem sich Dr. Palop eindringlich widmete.

Dem Referat zur Makroperspektive des Problems folgte mit dem Beitrag von Dr. Gilberto Rescher (Universität Hamburg) ein Blick aus der Mikroperspektive. Denn er stellte mexikanische Migranten in den USA ins Zentrum seiner Betrachtungen. Auf der Grundlage seiner eigenen Feldforschungen konnte der Referent sehr genau über Netzwerke mexikanischer Migranten in den USA berichten und nachzeichnen, wie sich die Migrantengemeinschaften in den USA und ihre Dorfgemeinschaften in Mexiko gegenseitig beeinflussen. Kontakte (Besuche, Telefonate und virtuelle Begegnungen) und Austausch gehen dabei weit über die bekannten „remesas“ (Rücküberweisungen) hinaus und lassen die berühmte Grenzmauer zwischen den USA und Mexiko durchlässiger erscheinen als oft suggeriert. Beziehungen zwischen Latinos in den USA und Daheimgebliebenen lassen sich auch an Veränderungen im Alltagsleben ablesen (Erhalt dörflicher Traditionen in der Fremde; Anwendung des amerikanischen Unternehmergeistes in Mexico etc.).

Die Referenten haben durch die geschickte Integration von Diskussionsrunden und Gruppenarbeiten in Breakout Rooms die aktive Mitarbeit der Teilnehmenden gefördert und die Arbeit am heimischen Computerbildschirm erleichtert. Gegen Ende des Seminars belegte eine fast gesellige Atmosphäre, dass gut vorbereitete und didaktisch durchdachte Web-Seminars einen erfolgreichen Veranstaltungsrahmen bieten können.