KAAD-Vernetzungstreffen Syrien (Webseminar)

Der KAAD fördert seit 60 Jahren Studierende aus Syrien für ihr Studium in Deutschland – und seitdem es im KAAD definierte Partnerländer gibt, lag ein besonderer Schwerpunkt der Förderung und des Austauschs auf Syrien. Die Situation seit 2011 hat jedoch unsere syrischen Netzwerke vor eine besondere Herausforderung gestellt: KAAD-Alumni in Syrien haben durch den Krieg auf vielfältige Weise zu leiden, manche haben das Land verlassen müssen und sich in verschiedene Länder verstreut, manche sind wieder nach Deutschland gekommen. Auch unsere Stipendiaten und frischen Alumni aus Syrien fragen sich, wie und wo sie sich ihre Zukunft aufbauen können und wollen. „Syrien […] befindet sich am Karfreitag. Die Frage ist, wie man darin die Hoffnung an Ostern aufrechterhalten kann“ (Pirmin Spiegel, Misereor, KNA 13.2.2020) – diese Frage gilt für die Syrer/innen vor Ort genauso wie hier.

Vor diesem Hintergrund fand Ende November ein von Dr. Nora Kalbarczyk und Santra Sontowski geleitetes Vernetzungstreffen mit in Deutschland lebenden syrischen KAAD Stipendiaten/innen und Alumni statt. Dieses Treffen – pandemiebedingt als virtuelle Veranstaltung – sollte den 17 Teilnehmenden eine Plattform geben, um sich über verschiedene Fragen miteinander auszutauschen.

Eröffnet wurde das Programm mit einem geistlichen Impuls von Pater Prof. Dr. Ulrich Engel OP und inhaltlich mit einem Überblick über die Syrien-Arbeit des KAAD: Über die verschiedenen Jahrzehnte wurden mehr als 350 Syrer und Syrerinnen in den unterschiedlichen Programmen gefördert. Ein Schwerpunkt lag dabei in den letzten Jahren seit 2015 in der Förderung syrischer Studierender im Libanon und in Jordanien. Über alle Programme hinweg stellt Syrien derzeit die größte Ländergruppe der Stipendiaten/innen im Nahen und Mittleren Osten.

In der Vorstellungsrunde und dem sich anschließenden ersten Austausch in Kleingruppen konnten die Teilnehmenden alte Fäden von früheren Begegnungen wieder aufgreifen oder neue Gesichter kennenlernen.

Den inhaltlichen Hauptteil des Treffens bildete der Vortrag von Dr. Matthias Vogt, Generalsekretär des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande und Autor des Kompendiums „Christen im Nahen Osten. Zwischen Martyrium und Exodus“ (Darmstadt 2019). Sein Vortrag „Syrien – Quo vadis? Zur Zukunft der Christen in Syrien“, präsentierte einen analytischen Rückblick in die Geschichte, eine Beschreibung der gegenwärtigen Situation sowie einen fragenden Ausblick. Damit stellten dieser Vortrag sowie das anschließende Gespräch das Fundament für die weiteren Gespräche der Teilnehmenden, die sich auch mit der Frage nach der Rolle der Christen im gegenwärtigen und vor allem zukünftigen Syrien beschäftigten.

Ein vertiefter Gedankenaustausch der Teilnehmenden fand später in Kleingruppen statt: Neben dem intensiveren Kennenlernen ging es auch darum, welche Möglichkeiten der Netzwerkbildung unter diesen speziellen Umständen – in Deutschland wie auch in Syrien – möglich und sinnvoll sind. Verschiedene Ansätze zu einem kontinuierlichen Austausch und für eine Vernetzung nach Syrien hinein wurden diskutiert, die nächsten Schritte für eine Fortsetzung dieser Veranstaltung wurden überlegt.

Neben den Anklängen der Trauer über den Krieg und die gegenwärtige Situation war doch Hoffnung auf eine bessere Zukunft für Syrien und für die Syrerinnen und Syrer zu vernehmen. So konnte am Ende des Treffens eine tatsächlich stattgefundene Vernetzung im Sinne einer Gemeinschaft festgestellt werden – die Hoffnung auf Ostern, sie besteht.