Altes und Neues Bonn: Von der Hauptstadt zum Internationalen Zentrum

In den ersten Monaten dieses Jahres dominierte in der Arbeit des KAAD der virtuelle Austausch; die direkte Begegnung war coronabedingt nur in einem kleinen Rahmen möglich. Um persönliche Gespräche und interkulturelle Netzwerkbildung in der Sommerzeit in einem größeren Ausmaß als ursprünglich vorgesehen zu ermöglichen, bot der KAAD in der Zeit vom 17. bis 20. August ein zusätzliches Seminar an, das in mancher Hinsicht ein besonderes war.

Geleitet von Präsident P. Dr. Hans Langendörfer SJ sowie Generalsekretärin Dr. Nora Kalbarczyk und mit geistlicher Begleitung von P. Prof. Dr. Ulrich Engel OP kamen 23 Stipendiatinnen und Stipendiaten aus 15 Ländern im Haus Venusberg in Bonn zusammen, um sich mit der Geschichte Bonns zu beschäftigen. „Altes und Neues Bonn: Von der Hauptstadt zum Internationalen Zentrum“ – so lautete der Titel dieser internationalen Zusammenkunft: Die Stadt Bonn während der Bonner Republik sowie ihre erfolgreiche Wandlung von der Hauptstadt zur Bundes- und UN-Stadt, kurz, zum Internationalen Zentrum, stand dabei im Mittelpunkt.

In einem Workshop am ersten Abend tauschten sich die Teilnehmenden über ihre eigenen Erfahrungen mit sowie über ihr Wissen zu dieser Stadt aus und verglichen die Entwicklung Bonns mit anderen – erfolgreichen oder gescheiterten – Städtetransformationen in ihren Herkunftsländern. Im früheren Wohnhaus des ersten Bundeskanzlers in Rhöndorf begaben sich die Teilnehmenden am nächsten Tag auf Spurensuche durch die Nachkriegszeit und durch die junge Bundesrepublik. Empfangen wurde die Gruppe von Dr. Stefan Vesper, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus.

Vertieft wurde das hier gesammelte Wissen am nächsten Tag im Haus der Geschichte, wo die Stipendiatinnen und Stipendiaten einen Überblick über die Zeit der Bonner Republik und ihren weltpolitischen Kontext erhielten. Die kirchenpolitischen Dimensionen dieser Zeit vermittelte der Präsident des KAAD, P. Dr. Hans Langendörfer SJ, den Studierenden in einem mit „Die Bonner Republik – konfessionelle Prägung, Staat und Kirche“ übertitelten Gespräch, das bei den Teilnehmenden auf reges Interesse stieß.

Abgerundet wurde das inhaltliche Programm durch die Stadtführung „Das neue Bonn: Von der Hauptstadt zum Internationalen Zentrum“, bei der die Veränderung der Stadt in den letzten zwanzig Jahren im Fokus stand. Auch im geistlichen Programm fanden sich die inhaltlichen Ausgangspunkte wieder – sei es in den Morgenimpulsen oder im interkulturellen Gottesdienst.

Ein Höhepunkt der gemeinsamen Tage war eine Schifffahrt auf dem Rhein, die die Seminarteilnehmenden mit Mitarbeitenden der Geschäftsstelle und mit jenen neuen Stipendiatinnen und Stipendiaten, die sich derzeit in ihrem Sprachkurs auf dem Kreuzberg in Bonn befinden, zusammenbrachte. Insgesamt hatten 52 Mitglieder der KAAD-Familie die Möglichkeit, sich dabei auszutauschen und zu vernetzen.

So konnte nach einer – vor allem für internationale Studierende – anstrengenden Zeit der Isolation die persönliche Begegnung, die Netzwerkbildung und interkulturelle Verständigung, kurz, die „Völkerverständigung“, wie es als Ziel des KAAD in der Satzung formuliert ist, wieder gelebt und in den Mittelpunkt gerückt werden; all das natürlich unter Beachtung der 3G-Regeln. Bonn als Kulisse und gleichzeitig als Thema dieser Zusammenkunft wird dabei im Gedächtnis bleiben – und die Geschichte und erfolgreiche Transformation dieser Stadt wird zum weiteren Nachdenken anregen.