Seminar: Falschmeldungen und manipulierte Sprache

Vom 23. bis zum 27. August fand – endlich wieder in Präsenz – in Straßburg ein KAAD-Seminar statt. Im Centre Culturel Saint-Thomas begrüßte der Referatsleiter Osteuropa, Markus Leimbach, 19 Stipendiat/innen aus sämtlichen „KAAD-Regionen“, die sich mit dem Thema „Falschmeldungen und manipulierte Sprache“ auseinandersetzten und in Diskussion traten.

Hauptvortragende war KAAD-Alumna Dr. Oxana Chira, Professorin für deutsche Philologie an der staatlichen Alecu-Russo-Universität in Bălți, Moldawien. Sie definierte die Begrifflichkeiten sprachwissenschaftlich und ordnete sie mittels zahlreicher praktischer Beispiele ein.  Zu den zitierten Beispielen gehören etwa die sogenannten „Troll-Armeen“ aus Russland, die über die sozialen Medien, aber auch über eigene Fernsehkanäle, angepasste Meldungen und Kommentare aussenden, um das öffentliche Meinungsbild zu manipulieren. Dies geschieht nicht nur in Russland, sondern weltweit.

Gestützt wurde der Hauptvortrag durch Länderbeispiele aus Georgien, Polen, Albanien und Nicaragua. In drei Arbeitsgruppen diskutierten die Teilnehmenden über die Situation im eigenen Land und präsentierten die Ergebnisse der Gruppe in unterschiedlicher Form (Kabarett, Diskussionsrunde, Kurzvortrag). Dabei verwendeten sie – ohne Vorgaben oder Absprache – alle das gleiche Thema, das in den letzten Monaten den Alltag aller Teilnehmenden beherrschte: den Umgang mit der Covid-19-Pandemie, anhand derer sich die Vermischung von richtigen und manipulativen Informationen leider gut darstellen ließ.

Die unterschiedlichen Wahrnehmungen von Informationen demonstrierte Prof. Chira unter anderem mit Hilfe eines Bildausschnittes, der je nach Veränderung oder Darstellung unterschiedliche Interpretationen zuließ und sich am Ende als Paralogismus herausstellte. Der Vortrag ging auch darauf ein, wie Manipulationen und Falschmeldungen erkennbar werden. Dies gelingt am besten, indem Informationen kritisch hinterfragt und anhand verschiedener Quellen miteinander verglichen werden.

Durch eine ausführliche Stadtbesichtigung und einen Besuch im Europarat wurde auch die Bedeutung des Tagungsortes erkennbar. Eine Stadtführung veranschaulichte die wechselvolle Vergangenheit Straßburgs unter deutscher und französischer Herrschaft. Straßburg ist nach Paris nicht nur das zweitwichtigste Zentrum der Diplomatie in Frankreich, sondern auch Sitz des Europäischen Parlaments, des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte und des Europarats.

Bei einem Besuch des letzteren wurde deutlich, dass Europa größer ist als die Europäische Union und dass es deutliche Unterschiede in den Aufgaben der Organisation gibt, deren Grundlage die europäische Charta der Menschenrechte ist.

Wir sind glücklich über all die bereichernden Diskussionen, die wir endlich wieder in der Gemeinschaft erleben durften und dafür, dass wir unter der Leitung von Prof. P. Dr. Thomas Eggensperger OP spirituell durch gemeinsame Meditationen und einen Gottesdienst begleitet wurden.