Dort, wo Gott lebt. Anscheinend führen wirklich alle Wege nach Rom…

Wenn Menschen aus verschiedenen Kontinenten, Ländern und Glaubensbekenntnissen zusammenkommen, um Neues kennen zu lernen und zu beten, dann wird dies eine interessante und wertvolle Erfahrung. Selbst die COVID-Pandemie, die ihre Spur in der Seele eines jeden von uns hinterlassen hat, konnte diese Erfahrung nicht beeinträchtigen.

Wir, 16 Stipendiatinnen und Stipendiaten des KAAD, haben uns gemeinsam mit unseren Priestern – P. Prof. Dr. Thomas Eggensperger OP und P. Prof. Dr. Ulrich Engel OP – ganz real und auch in einer WhatsApp-Gruppe zusammengeschlossen und vom 13. bis zum 19. September 2021 auf eine Studien- und Pilgerfahrt nach Rom begeben. Auch wenn wir anfangs noch Schwierigkeiten hatten, uns unsere Vornamen zu merken, haben wir doch immer füreinander gesorgt, einander gesucht, um einander nicht zu verlieren und aufeinander gewartet. Auch die beiden Patres haben dafür gesorgt, dass wir uns nicht verlaufen. So hat sich unsere Gruppe unbemerkt zu einer Gemeinschaft geformt.

Täglich standen wichtige Sehenswürdigkeiten auf unserem Besichtigungsprogramm. Ähnlich wie die Pilgerinnen und Pilger sind wir die römischen Straßen abgelaufen – anders als diese haben wir allerdings längere Entfernungen mit dem Bus zurückgelegt. Ebenfalls im Unterschied zu unseren historischen Vorgängerinnen und Vorgängern konnten wir ständig die Smartphones bereithalten, um all die vielen Eindrücke nicht nur mit Kopf und Herzen aufzunehmen, sondern sie auch bildlich festzuhalten.

Auf den Spuren von Heiligen, Imperatoren und Päpsten, von Galileo Galilei, Michelangelo, Giordano Bruno und vielen anderen Persönlichkeiten mehr haben wir die Geschichte der Stadt und des Erdkreises (urbi et orbi) erkundet. Von der Kuppel des Petersdoms aus konnten wie auf ganz Rom schauen und mussten vor lauter Schönheit den Atem anhalten.

Gottesdienste in der Kapelle des Tagungshauses, in den Katakomben und in der Kurie des Dominikanerordens in Santa Sabina gehörten ebenso zum Programm wie die Besuche der antiken Kaiserforen, des Colosseums, von St. Peter, Santa Maria Maggiore, St. Paul vor den Mauern, Santa Maria in Trastevere, der Deutschen Nationalkirche Santa Maria dell’Anima oder Santa Maria Sopra Minerva. Spaziergänge durch den Borgo und über die Via della Conciliazione, Stationen an der Engelsburg, am Ponte Sant’Angelo, der Piazza Navona (Brunnen und Santa Agnese), am Stammhaus der Universität Sapienza u. a. m. füllten unsere Tage. Zudem konnten wir auf einem Tagesausflug Lido di Ostia besuchen und Ostia Antica, das Ausgrabungsgelände der antiken Stadt Ostia, der ursprünglichen Hafenstadt des antiken Rom, besichtigen.

Eindrucksvoll war das Treffen mit Kardinal Peter Turkson, dem aus Ghana stammenden Präfekten des Dikasteriums für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen. Humorvoll, bescheiden und gut gelaunt stellte er uns Organisation und Arbeit seiner vatikanischen Behörde vor. Im fast zweistündigen Dialog mit uns beantwortete er persönliche und (kirchen-)politische Fragen und lud uns zur Mitarbeit ein. Ohne große Umstände eroberte er unsere Herzen.

Unvergesslich sind die Beiträge einzelner der Stipendiatinnen und Stipendiaten zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten und die absolut außerordentlich kompetente Führung durch unsere beiden Patres Thomas und Ulrich. Trotz der Anstrengungen machten wir uns auf unseren Spaziergängen durch das nächtliche Rom gerne auf die Suche nach immer neuen Geschmäckern der „tipi di gelato“. Und wir haben uns darüber gewundert, dass und wie wir es ausgehalten haben, täglich beinahe 12 Kilometer in der römischen Hitze zu laufen und immer noch auf den Beinen stehen zu können.

Ein Stipendiat sprach aus, was für uns alle gilt: Die Reise nach Rom wird als ein Highlight unser ganzes Leben begleiten.

Für mich persönlich bleibt der Besuch der Hauptkirche Santa Maria Maggiore unvergesslich. „Gott lebt hier!“ – Das ist die Botschaft, die ich meinen Eltern nach Tiflis gesandt habe – direkt, nachdem ich die Basilika wieder verlassen hatte.

Evelin Menteshashvili, Georgien