In Gedenken an Stephanus Mulyadi (1966 – 2022)

Mulyadi im Gespräch mit einem Handwerker

Der KAAD trauert um Stephanus Mulyadi, den ersten Träger des Peter-Hünermann-Preises (2012). Stephanus Mulyadi stammte aus Sejiram, das in West-Kalimantan auf Borneo, Indonesien, liegt. Als Stipendiat des KAAD absolvierte er von 2006 bis 2008 einen Master in Erwachsenenbildung an der TU Dresden. Nach dem Theologiestudium, einer nachfolgenden Tätigkeit bei dem katholischen Sozialwerk Yayasan Sosial Bina Sejahtera (YSBS) und einem Jugendzentrum brach der damals fast Vierzigjährige zum Studium nach Deutschland auf.

Und das, was er von dort über Erwachsenenbildung mitnahm, bestimmte ganz wesentlich sein Wirken nach seiner Rückkehr. Stephanus Mulyadi war ein gesellschaftlicher Multiplikator und der interreligiöse Dialog war ihm selbstverständlich. Er liebte es, unter Menschen zu sein, ihnen zuzuhören und konkrete Hilfsprojekte zu organisieren.

Trauergottesdienst für Stephanus Mulyadi

Völlig unerwartet verstarb der zweifache Familienvater Anfang März 2022 im Alter von nur 55 Jahren. Am 05. März 2022 hielten seine Familie und Freunde unter Mitwirkung unseres Partnergremiumsmitglieds und Priesters Simon Petrus L. Tjahjadi einen Trauergottesdienst für ihn ab.

Der KAAD blickt mit großer Dankbarkeit auf das Wirken von Stephanus Mulyadi zurück. Wie kaum ein anderer verkörpert er, was wir uns unter nachhaltiger Friedensarbeit und einem Einsatz für eine gerechte Gesellschaft vorstellen.

Allen Familienmitgliedern und Freunden wünschen wir von Herzen alles Gute und Gottes Stärke in dieser schweren Zeit.

 

Nachruf von Heinrich Geiger, Leiter des Asienreferates bis April 2020

Zuerst – während seiner Studienzeit in Deutschland – habe ich ihn über alle Maßen geschätzt, später – nach seiner Rückkehr nach Indonesien – habe ich ihn über alle Maßen bewundert, und jetzt, nach seinem allzu frühen Tod, betrauere ich ihn über alle Maßen.

Dr. Heinrich Geiger (2. v. l.) mit Stephanus Mulyadi (4. v. l.) auf der KAAD-Auslandsakademie 2018 in Tagaytay, Philippinen

Meine Trauer ist groß, weil er zu früh verstorben ist. Die regelmäßigen Berichte von ihm mitten aus den tropischen Wäldern und Flusslandschaften Borneo / Kalimantans werden mir fehlen. Ganz gleich, ob Stephanus Mulyadi einen Workshop in einer Hütte moderierte oder Säcke mit Reis zu weit entfernten Destinationen beförderte –  ja, immer war klar, dass er dies tat, weil es ihm eine freudige und selbstverständliche Pflicht war. Obgleich er alle Voraussetzungen für eine akademische Karriere in einer der großen indonesischen Städte erfüllte, entschied er sich fürs Leben in der Provinz. Während seines Auslandsstudiums in Dresden hatte er einen Master in Erwachsenenbildung erworben. Zurück in seiner Heimat verstand er, dass die Anwendung des Gelernten, unter den spezifischen Bedingungen Borneo / Kalimantans, ganz anderen Gesetzmäßigkeiten unterliegt. Academia ade!

Stephanus Mulyadi erkannte ganz intuitiv, dass ganze Ökosystem degradieren, wenn sie bestimmte Funktionen nicht mehr erfüllen, die auch für den Menschen wichtig sind. Eine der Hauptautorinnen des jüngst veröffentlichten Weltklimaberichts, die Ökologin Camille Parmesan von der Plymouth University, stellt fest: „Die Regierungen der Welt erkennen damit an: Um gegenüber dem Klimawandel widerstandsfähig zu sein, brauchen wir gesunde Ökosysteme.“ Das wusste Stephanus schon lange und hat dieses Wissen zur Grundlage seines Wirkens gemacht. In seinen Augen bildeten Natur und Mensch immer eine Einheit. In der Natur galt seine Aufmerksamkeit zum Beispiel den Wäldern, die Unmengen an Kohlendioxid speichern, oder den Korallenriffen, die Sturmfluten oder sogar den Meeresspiegelanstieg abpuffern. Unter den Menschen befasste er sich mit ehemaligen Bauern, die ihr Land an Plantagenbesitzer allzu billig verkauft hatten, und dann, nachdem das Moped kaputt war, das sie mit dem wenigen Geld erstanden hatten, ohne jede Perspektive und Existenzgrundlage im wahren Sinne des Wortes ‚dastanden‘. Mit seinen Workshops und sonstigen Hilfsmaßnahmen eröffnete er ihnen und ihren Familien neue Perspektiven.

Um in den Herzen der Menschen fortleben zu können, ist im Falle von Stephanus Mulyadi eigentlich ein Nachruf nicht nötig. Die von ihm durchgeführten Projekte und die von ihm ins Leben gerufenen Einrichtungen sind so lebendig, dass sie sicherlich auch nach seinem Tod die Nachhaltigkeit seines Wirkens bezeugen. Entscheidend für seinen Werdegang war die Auszeichnung mit dem Peter-Hünermann-Preis, den er im Jahr 2011 zugesprochen und dann im Jahr 2012 verliehen bekam. Gleich nach dem Erhalt des

Mulyadi im interreligiösen Dialog

Preises, nämlich im Jahr 2013, gründete er mit dem Preisgeld (es waren 3000 Euro) die Merangat Foundation, mit der er all seine sozialen und ökologischen Aktivitäten durchführte. Zur Begründung des Preises durch die Peter-Hünermann-Stiftung wurden folgende Argumente angeführt: 1. Herr Mulyadi hat auf eine vorbildliche Weise unter Beweis gestellt, welche multiplikatorische Wirkung ein KAAD-Stipendium haben kann; 2. Dienst für die Heimatkirche in einer Gesellschaft, die mehrheitlich einer anderen Religion (Islam) folgt; 3. Netzwerkbildung: Herr Mulyadi verbindet in seiner Arbeit das Indonesien-Engagement des KAAD mit demjenigen Misereors.

Stephanus Mulyadi war ein Netzwerker par excellence, weil er eben, wie es in seinem Lebenslauf steht, über hohe kommunikative Fähigkeiten verfügte und die Fähigkeit besaß, sich von nichts, aber auch nichts, von der Verwirklichung seiner Pläne abhalten zu lassen. Selbst die äußerst schwerfällige indonesische Bürokratie vermochte seinen Enthusiasmus nicht zu lähmen oder zu ersticken.

Uns allen hinterlässt er eine wichtige Botschaft: Raus aus den Sesseln, weg von den Schreibtischen! Verlasst eure wohl temperierten Büros und geht hin zu den Menschen, so arm und so wenig gebildet sie auch sein mögen. Es ist eine Freude!

Ich werde seine Visionen vermissen. Aber, wir bleiben in Kontakt.

Nachruf von Thu Thao Nguyen, KAAD-Alumna aus Ha Noi, Vietnam

„Du weißt, wie man Häuser, Tischlereien, Straßen, Brücken, oder Schulen baut, und Wälder aufforstet…Deine Hände sind schwielig und stark. Deine Haut schwarz von Sonne und Wind. Deine Augen leuchten stets vom Glauben an eine bessere Zukunft für Arme und Kinder, für Entwicklungsprojekte – Ideen über Ideen. Dein Lachen macht andere stark genug, um voranzukommen.

Du bist Teil meiner schönen Jugend. Welch ein Glück, dass wir uns gemeinsam an der Universität Dresden als KAAD-Stipendiaten für Asien einsetzen konnten und zu Regionalbotschaftern unserer geliebten Universität werden konnten. Ich bin dankbar für jedes Jahr, in dem wir voller hoher Ideale und Tatendrang für die Menschen lebten. Ich bin meinem Leben dankbar, dass ich Dein Freund sein durfte.

Ich kann nicht glauben, dass Du diese Welt so plötzlich verlassen hast. Vielleicht weil Du immer voll gelebt hast und Gott Dich für sein Land auserwählt hat. Danke für alles. Heute habe ich wirklich Herzschmerzen. Ja, Du bleibst für immer in unseren Herzen, mein lieber Stephanus Mulyadi.“