Paul Ricardo Dávila Mateus (Kolumbien)

Der Literaturwissenschaftler Paul Dávila konnte viel Schaffenskraft und Motivation aus dem Masterstudium „Internationale Literaturen“, das er 2013 an der Universität Tübingen abschloss, ziehen. Nach seiner Rückkehr verband er in Kolumbien akademischen Eifer und soziales Engagement vorbildlich miteinander.

Schon während seines Literaturstudiums an der Pontificia Universidad Javeriana in Bogotá interessierte sich Paul Dávila gleichermaßen für deutsche und lateinamerikanische Literatur. Seine Abschlussarbeit „Die Ufer des Samsara: Deutung und Analyse von Hesses Siddhartha“ beeindruckte Prof. Luis Carlos Henao – selbst KAAD-Alumnus – so sehr, dass er dem jungen Studierenden riet, seine wissenschaftliche Karriere in Deutschland zu vertiefen und dafür die Unterstützung des KAAD zu suchen. Solide Deutschkenntnisse hatte Paul Dávila während eines Au pair-Aufenthaltes in Deutschland und durch Kurse am Goethe-Institut in Bogotá erworben. Dies waren ideale Voraussetzungen, um das Masterprogramm „Internationale Literaturen“ in Tübingen als KAAD-Stipendiat zügig und sehr erfolgreich abzuschließen.

Nach seiner Rückkehr nach Kolumbien im Jahr 2013 erarbeitete sich Paul Dávila als pädagogisch begabter Dozent die Anerkennung seiner Studierenden und durch wissenschaftliche Publikationen Respekt auf Seiten seiner KollegInnen an international angesehenen Universitäten wie der Nationalen Universität von Kolumbien, der Universidad de los Andes und der Jesuiten-Universität Javeriana.

Dávila blieb stets eng angebunden an die Alumnistrukturen des KAAD in Kolumbien und in Lateinamerika. Er war seit der Gründung im Jahr 2016 eine wichtige Stütze der internationalen KAAD Alumnigruppe „Frieden und Gerechtigkeit“, die eine Brücke zwischen dem akademischen Raum und sozialem Engagement schlägt. So bot er gemeinsam mit anderen Alumni der kolumbianischen Caritas die Dienste dieser Gruppe an, woraufhin sich verschiedene Kooperationsformen zwischen KAAD-Alumni und der Caritas Colombia entwickelten (Evaluierung von Caritas-Projekten, psychologische Begleitung von Programmen etc.). Bei einem dieser Projekte stand die Begleitung von Kindern und Jugendlichen, die im Zuge von Gewalterfahrungen unterschiedliche Traumata erlitten haben, im Vordergrund. Das in diesem Zusammenhang von Dávila herausgegebene Buch Niñas, niños, adolescentes y jóvenes en torno del conflicto armado. Aportes para el análisis wird in Kürze im Verlag der Pontificia Universidad Javeriana in Bogotá erscheinen. Insgesamt hat der junge Literaturwissenschaftler in den vergangenen Jahren an drei KAAD-Publikationen lateinamerikanischer Alumni mitgewirkt.

Paul Dávilas besonderes Interesse gilt seit Langem den Kulturen indigener Völker der Amazonasregion und deren Literaturen. Die zahlreichen Publikationen Dávilas zu diesem Thema belegen sein Bemühen, zu einem besseren Verständnis indigener Kulturen in Kolumbien beizutragen und sie in den gesellschaftlichen Diskurs als gleichberechtigt einzugliedern, ohne sie an den Mainstream anzupassen. Die von ihm verfassten Artikel zu Themen der Lebensphilosophie des Buen Vivir und zur Etnoeducación weisen in diese Richtung. So erklärt der Alumnus, dass Papst Franziskus in der Enzyklika „Laudato si“ (2015) unmissverständlich dazu auffordert, indigene Kulturen als gleichberechtigt anzuerkennen und ihr Naturverständnis in die Überlegungen zur Zukunft unseres ,gemeinsamen Hauses‘ zu integrieren. Diese in Lateinamerika intensiv rezipierte Enzyklika hat Dávila darin bestärkt, indigene Literaturen zu einem zentralen Element seiner Dissertation zu machen, die den Titel „NATURSPRACHEN, DIALOG ZWEIER WELTEN: Vergleich der Naturkommunikation in einer Auswahl indigenen Gegenwartsliteratur aus Lateinamerika mit der Natursprache in der deutschen Literatur seit der Romantik“ trägt.

Der zu diesem innovativen Promotionsprojekt eingereichte Stipendienantrag fand viel Zustimmung beim Akademischen Ausschuss des KAAD und wurde 2020 bewilligt. Schließlich hatte sich Paul Dávila schon während seines Masterstudiums als KAAD-Stipendiat bewährt und sich anschließend für den gesellschaftlichen Ausgleich in seinem Heimatland eingesetzt. Wir wünschen dem Stipendiaten viel Erfolg bei seinen Promotionsstudien an der Universität Heidelberg.