Selasi Awusi Sosu (Ghana) und Georgina Maxim (Simbabwe)

Wenn eine vom KAAD geförderte Künstlerin bei der Kunst-Biennale in Venedig ausstellt, ist das für den Stipendiengeber ein Grund zu Freude und Stolz. Schließlich gilt sie neben der Documenta in Kassel als bedeutendste Kunstausstellung weltweit. Dass dieses Jahr zur 58. Biennale jedoch gleich zwei vom KAAD geförderte Künstlerinnen in den Pavillons ihrer Länder ausstellen, ist schon sehr außergewöhnlich. Beide sind Frauen aus Afrika, die vom KAAD für ein Masterstudium gefördert wurden bzw. werden.
So vertritt KAAD-Alumna Selasi Awusi Sosu ihr Heimatland Ghana mit einer Glaskunst-Installation, während die aktuelle Stipendiatin Georgina Maxim für Simbabwe mit ihrer Textilkunst auftritt. Ghana feiert damit gar seine Premiere auf der Biennale; Simbabwe ist immerhin schon zum fünften Mal mit einem Pavillon vertreten.
Das Motto der diesjährigen internationalen Kunstausstellung “May you live in interesting times“ verkörpern die beiden Frauen nicht nur mit ihrer Kunst, sondern auch mit ihren Biografien:

1976 in Ghana geboren, absolvierte Selasi Awusi Sosu von 1997-2005 ihren Bachelor und Master in Fine Arts an der Kwame Nkrumah University of Science and Technology (KNUST) in Ghana. Für den Master wurde sie dabei mit einem Sur-Place Stipendium des KAAD unterstützt. Im Anschluss arbeitete sie erst als Kunstlehrerin in Kumasi, bevor sie an die University of Education in Winneba ging, wo sie seither unterrichtet. Seit 2008 promoviert sie zudem berufsbegleitend an der KNUST, während sie sich weiterhin als frei schaffende Künstlerin vor allem mit Glaskunst einen Namen macht. So stellte sie auf der Biennale ihre Werke über eine verlassene Glasfabrik in Ghana aus, die mit Fotografie, Videografie und Klanginstallationen gleichzeitig die Ästhetik von Glas feiert, als auch den Verfall und das Missmanagement in der ghanaischen Wirtschaft anprangert.

Georgina Maxim aus Simbabwe beendet gerade ihren Master in African Verbal and Visual Arts in Bayreuth mit einem KAAD Stipendium. Geboren 1980 in Harare, absolvierte sie mehrere Diplome in Applied Art, Design, Creative Art and Education an der Chinhoyi University of Technology in Simbabwe, bevor sie viele Jahre als Galerie-Managerin der wichtigen Kunstinstitution Gallery Delta in Harare arbeitete. Sie ist mit dem KAAD-Alumnus Misheck Masamvu verheiratet, mit dem sie nicht nur zwei Kinder hat, sondern 2012 auch das Zentrum Village Unhu gründete, ein Kollektiv zur Förderung von Nachwuchskünstlern. Neben der Förderung junger Künstler aus aller Welt durch ‚Residency‘-Programme werden dort auch Kunstaustellungen und Aktionen organisiert, die die Kunstszene Simbabwes in den letzten Jahren lebhaft und nachhaltig mitgestaltet haben. Als frei schaffende Künstlerin beschäftigt sich Maxim vor allem mit moderner Textilkunst, welche sie auf der Biennale im Simbabwischen Pavillon unter dem Titel ‚Soko Risina Musoro‘ (A Tale without a Head) ausstellt. Dies ist auch vor dem Hintergrund der derzeit sozial und politisch sehr turbulenten Zeiten in Simbabwe ein starkes Zeichen.

May you live in interesting times – der KAAD gratuliert seinen starken Künstlerinnen!