Diese Fragen standen im Zentrum des KAAD-Seminars „Akademische Mobilität in Krisenzeiten – Chancen und Herausforderungen“, das vom 30. März bis zum 2. April in der Akademie „Die Wolfsburg“ in Mülheim stattfand.
Unter der Leitung von Markus Leimbach kamen sieben KAAD-Stipendiatinnen und Stipendiaten aus Armenien, der Ukraine, Russland, Pakistan, Bangladesch und Indonesien zusammen, um ihre Erfahrungen und Perspektiven im Kontext sich wandelnder Mobilitätsbedingungen zu reflektieren. Geistlich begleitet wurde das Seminar von P. Prof. Dr. Ulrich Engel OP.
Im Mittelpunkt der Gespräche stand die Frage, wie Studierende sowie Nachwuchswissenschaftlerinnen -und wissenschaftler ihren Bildungs- und Berufsweg gestalten oder neu strukturieren, wenn äußere Rahmendbedingungen Mobilität erschweren. Im Zentrum standen Spannungsfelder zwischen Abwanderung und Rückkehr, individueller Karriereentwicklung und gesellschaftlicher Verantwortung sowie institutionellen Möglichkeiten und Bindungen an Familie und Herkunftskontexte.
Einen analytischen Zugang eröffnete der Beitrag von Dr. Dorina Dedgjoni von der Hochschule Fulda, die sich mit strukturellen Bedingungen akademischer Mobilität in Krisenzeiten befasste. Sie ging auf politische, ökonomische und institutionelle Faktoren ein, die Mobilitätsentscheidungen beeinflussen, und stellte zur Diskussion, wie sich veränderte Rahmenbedingungen auf Studienverläufe, Forschungsbedingungen und berufliche Perspektiven auswirken. Sie unterschied zwischen zeitlich befristeter Mobilität, etwa durch ein Studium im Ausland oder durch Forschungsaufenthalte und Formen wissenschaftlicher Zusammenarbeit, die auch längere Aufenthalte bis hin zu einer dauerhaften Migration einschließen. Bildungsmigration in ihren verschiedenen Facetten ist Teil der internationalen Migrationsströme und umfasst sowohl die Nord-Süd-Migration als auch zunehmend die Süd-Süd-Migration. Ihre Ausführungen verband Dorina Dedgjoni mit eigenen biografischen Erfahrungen, die sie als Zugang zur Reflexion über individuelle Bildungswege nutzte.
Eine stärker fachspezifische Perspektive brachte die KAAD-Stipendiatin Teresa Markosyan ein. Ausgehend von ihrer Ausbildung im Bereich Musik thematisierte sie Mobilität im Kontext künstlerischer Ausbildung und Praxis. Dabei ging sie auf die Bedeutung internationaler Ausbildungsorte für die musikalische Entwicklung sowie auf die Anforderungen, die mit Ortswechseln im künstlerischen Bereich verbunden sind, ein. Ein wichtiger Aspekt war für sie die Reisefreiheit innerhalb Europas und die damit verbundene Möglichkeit, flexibel an Wettbewerben und Meisterkursen teilzunehmen, während entsprechende Wege von Armenien aus aufgrund von Visabestimmungen nur eingeschränkt möglich sind.
Zentrale Bezugspunkte der Diskussion waren der ‚Brain Drain‘ und die ‚Brain Circulation‘ als unterschiedliche Formen akademischer Mobilität. Im Gespräch standen damit sowohl Fragen des dauerhaften Verbleibs im Ausland als auch zirkuläre Modelle, die Rückkehr, temporäre Aufenthalte und transnationale Vernetzung einschließen. Diskutiert wurde dies im Hinblick auf wissenschaftliche Kooperationen, institutionelle Entwicklungen und die Handlungsspielräume der Herkunftskontexte. Dabei ging es auch um Bedingungen von Rückkehr sowie um Formen fortbestehender Anbindung, etwa über akademische Netzwerke, Forschungszusammenhänge oder familiäre Konstellationen. Im Mittelpunkt der Gespräche stand die Einordnung akademischer Mobilität im Verhältnis von individuellen Bildungs- und Berufsverläufen zu ihren gesellschaftlichen und institutionellen Rahmenbedingungen. Die Rückkehrperspektive stand dabei in engem Zusammenhang mit den jeweiligen Bedingungen im Herkunftsland. Für mehrere der Teilnehmenden ist die politische und konfliktgeprägte Situation in ihren Herkunftsländern derzeit ein Hindernis für eine unmittelbare Rückkehr, während andere ihr Studium in Deutschland gezielt auf den Wissenstransfer ausrichten. ‚Brain Drain‘ und ‚Brain Circulation‘ wurden in diesem Kontext nicht als Gegensätze, sondern als sich ergänzende Formen beschrieben, da auch ein Verbleib im Ausland Möglichkeiten des Wissenstransfers in die Herkunftsländer eröffnet.
Eine Rundfahrt im Duisburger Hafen ergänzte das Programm um eine Perspektive auf wirtschaftliche und infrastrukturelle Entwicklungen der Region. Als einer der größten Binnenhäfen Europas veranschaulicht der Standort die Einbindung des Ruhrgebiets in internationale Handels- und Transportstrukturen. Vor Ort wurden logistische Abläufe, industrielle Nutzung und die Bedeutung des Hafens als Schnittstelle zwischen regionaler Wirtschaft und globalen Warenströmen thematisiert.
In morgendlichen Meditationen und in einem gemeinsamen Gottesdienst mit P. Prof. Dr. Ulrich Engel OP erhielten Fragen, die in den Gesprächen angelegt waren – Unsicherheit, Aufbruch, Verortung zwischen Herkunft und Zukunft – einen eigenen Ausdruck. Das Seminar endete in einem offenen Austausch, der an viele der angesprochenen Fragen anschloss und sie in die jeweiligen Lebens- und Arbeitszusammenhänge der Teilnehmenden zurückführte.
Akademische Mobilität in Krisenzeiten – Chancen und Herausforderungen für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
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Wie gestaltet sich akademische Mobilität unter Bedingungen politischer Instabilität, wirtschaftlicher Unsicherheit oder gesellschaftlicher Spannungen?







