KAAD-Regionalseminar „Wiederaufbau nach dem Krieg: Krisenherd Naher Osten“ in Berlin

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Das Seminar führte unterschiedliche Perspektiven aus verschiedenen Ländern des Nahen Ostens zusammen und eröffnete einen Raum für Austausch, Reflexion und gemeinsame Orientierung zu Fragen von Wiederaufbau und gesellschaftlicher Erneuerung.

Vom 11. bis zum 14. November 2025 kamen in Berlin 34 aktuelle und ehemalige Geförderte des KAAD sowie Stipendiatinnen und Stipendiaten des Cusanuswerks zu einem Seminar zusammen, das politische, gesellschaftliche und spirituelle Perspektiven auf die Entwicklungen im Nahen Osten verband. Im Mittelpunkt standen die Wiederaufbauprozesse in Syrien und die humanitären Herausforderungen im Gazastreifen. Die Teilnehmenden brachten Erfahrungen und Stimmen aus Syrien, dem Libanon, den Palästinensischen Gebieten, Ägypten, den Philippinen und weiteren Ländern ein und fanden in Berlin einen Raum, um ihre unterschiedlichen Kontexte, Wahrnehmungen und Fragestellungen miteinander ins Gespräch zu bringen. Das Seminar wurde von Nils Fischer und Santra Sontowski aus dem Referat Naher und Mittlerer Osten geleitet und von P. Prof. Dr. Thomas Eggensperger OP geistlich begleitet.

Nach einer Einführung in das Seminarthema rückten grundlegende politische und gesellschaftliche Fragen des Wiederaufbaus in den Mittelpunkt. Nils Fischer gab einen Einblick in die Lage in Syrien aus deutscher und kirchlicher Perspektive und skizzierte die Herausforderungen, die sich für staatliche und zivilgesellschaftliche Akteure stellen. Die KAAD-Stipendiatin Lovely S. Bernardo weitete den Blick, indem sie das Verhältnis von humanitärem Völkerrecht, lokaler Regierungsführung und den geopolitischen Dynamiken des Israel-Iran-Konflikts analysierte. Mit seinem Beitrag „Gaza yesterday, today and tomorrow“ thematisierte KAAD-Stipendiat Iyad Saba anschließend die komplexen Entwicklungen im Gazastreifen und die weitreichenden Auswirkungen auf Bevölkerung, Infrastruktur und gesellschaftliche Strukturen.

Im Anschluss stellte Mariam Salloum, Beraterin bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), die Plattform „Neuanfang für Syrien“ vor. Die anschließende Diskussion stellte die Verknüpfung von politischen, infrastrukturellen und gesellschaftlichen Faktoren im Wiederaufbau sowie die Relevanz verlässlicher Kooperationen zwischen lokalen Akteuren, internationalen Partnern und der Expertise der Diaspora heraus. Besonders hervorgehoben wurden Wissenstransfer, Vernetzung und kulturelle Vermittlung als langfristige Grundlagen gelingender Transformationsprozesse.

Am Nachmittag besuchte die Gruppe den Deutschen Bundestag. Im Gespräch mit Sabrina Sperlich, Koordinatorin des Internationalen Parlaments-Stipendienprogramms für die arabischsprachigen Staaten, sowie im Austausch mit Abgeordneten der Parlamentariergruppen Arabischsprachige Staaten des Nahen und Mittleren Ostens und Ägypten wurden politische Perspektiven auf das deutsche Engagement in Syrien ebenso diskutiert wie Erfahrungen der Stipendiatinnen und Stipendiaten im Einsatz für ihre Herkunftsländer. Zugleich erhielten die Teilnehmenden im Gespräch mit Bundestagsabgeordneten Einblicke in parlamentarische Arbeitsweisen und internationale Dialogformate. Die Gespräche machten deutlich, welche hohe Bedeutung persönliche Begegnungen, politischer Austausch und wechselseitiges Verständnis für internationale Beziehungen haben.
Der Tag fand seinen spirituellen Abschluss in einem Gottesdienst mit der Katholischen Studierendengemeinde Edith Stein, in deren Räumlichkeiten die Gruppe im Anschluss empfangen wurde.

Der folgende Tag brachte zunächst weitere regionale Perspektiven auf Wiederaufbauprozesse ein. Ein zentraler Bestandteil des Seminars war der Workshop zu „Peacebuilding and Reconciliation“ mit KAAD-Alumnus Talal Zeidan von der Berghof Foundation. Ausgehend von seinen fachlichen Impulsen entwickelten die Teilnehmenden anhand eines Fallbeispiels Zugänge zu Konfliktbearbeitung und gesellschaftlicher Transformation. Die Verbindung politischer Analysen, psychologischer Dimensionen und struktureller Rahmenbedingungen führte zu eigenen thematischen Ansätzen und ersten Projektideen, die die interdisziplinäre Zusammensetzung der Gruppe sichtbar machten.

Berlin wurde im Verlauf des Seminars selbst zu einem Lernraum historischer Tiefenschichten. Unter der Leitung von Dipl.-Geogr. Peter Wawrzyniak erschlossen die Teilnehmenden in einer stadtgeographischen Exkursion die Spuren des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg. Die sichtbaren Brüche, die fortlaufenden Transformationsprozesse und die historische Verwundung Berlins eröffneten neue Perspektiven auf Parallelen und Unterschiede zu den Herausforderungen in den Herkunftskontexten der Stipendiatinnen und Stipendiaten.

In einer abschließenden Reflexion tauschte die Gruppe Erfahrungen aus und diskutierte, wie die gewonnenen Erkenntnisse in den jeweiligen Ländern und Arbeitsfeldern fruchtbar werden können. Das Seminar machte deutlich, wie wertvoll ein Raum ist, in dem fachliche Expertise, persönliche Lebensgeschichten und spirituelle Orientierung zusammenfinden.

Eine Referentin steht vor einer Leinwand und hält einen Vortrag. Auf der Folie ist der Titel „Necessity and Proportionality“ zu sehen. Mehrere Teilnehmende sitzen an Tischen und hören zu. Auf dem Tisch stehen Trinkflaschen, Gläser und Unterlagen.
Gruppenbild in der KSG Edith Stein.
Teilnehmende sitzen in einer Seminargruppe in einem hellen Raum. Sie hören einer Person zu, die gerade spricht. Auf dem Tisch stehen Wasserflaschen, Tassen und Notizmaterial.
Eine Gruppe sitzt in einem Raum im Bundestag mit großem Architektur-Modell in der Mitte. Zwei Personen stehen vorne und sprechen zur Gruppe, die aufmerksam zuhört.