Am 28. September 1907 in Bonn geboren, zählt Dr. Maria Alberta Lücker zu den prägenden Persönlichkeiten in der Geschichte des KAAD. In einer Zeit, in der Frauen in leitender Verantwortung in der Kirche noch eine Ausnahme waren, baute sie Strukturen auf, die bis heute tragen. Mit Weitsicht, Mut und organisatorischer Kraft legte sie den Grundstein für ein Stipendienwerk, das Bildung, internationale Solidarität und den Dialog der Kulturen miteinander verbindet.
Nach ihrem Studium der Romanistik, Anglistik und Germanistik in Bonn und Paris promovierte sie 1932. Früh engagierte sie sich in der ignatianisch inspirierten Gralbewegung, deren Leitung sie von 1945 bis 1970 in Deutschland innehatte und von 1965 bis 1971 auch in der internationalen Leitung mitprägte. Diese geistliche und organisatorische Erfahrung führte sie Mitte der 1950er-Jahre in das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Dort übernahm sie zunächst das Kulturreferat und wurde anschließend für internationale Beziehungen zuständig – eine Funktion, die es ihr erlaubte, die weltkirchlichen Aufgaben der deutschen Kirche in den Nachkriegsjahren mitzugestalten.
Aus dieser Arbeit ging 1955 die „Aktionsgruppe KAAD“ hervor, die Maria Alberta Lücker federführend initiierte. Ihr Anliegen war es, die Unterstützung ausländischer Studierender in Deutschland zu bündeln und auf eine neue Grundlage zu stellen. Bereits damals verknüpfte sie die Förderung akademischer Ausbildung mit geistiger Begleitung und weltkirchlicher Verantwortung – ein Leitgedanke, der das Profil des KAAD bis heute prägt. 1958 wurde der KAAD als Verein eingetragen, Maria Alberta Lücker übernahm den Vorsitz.
Doch ihr Wirken ging weit über den KAAD hinaus: Sie war am Aufbau von Misereor beteiligt, zählte 1959 zu den Mitgründerinnen der AGEH (heute AGIAMONDO) und leitete während des Zweiten Vatikanischen Konzils das Sekretariat der Laienauditoren. Damit trug sie entscheidend dazu bei, dass die Stimme von Laien und Frauen in Rom hörbar wurde. Später gehörte sie zu den Mitgründerinnen der Weltkonferenz der Religionen für den Frieden (WCRP) und übernahm dort das Amt der Vizepräsidentin; die erste Weltkonferenz fand 1970 in Kyoto statt.
So verband Dr. Maria Alberta Lücker intellektuelle Klarheit mit politischem Gespür und persönlicher Spiritualität. Sie baute Strukturen auf, die über Jahrzehnte Bestand haben und die Arbeit des KAAD bis heute tragen. Auch 118 Jahre nach ihrer Geburt bleibt sie eine Orientierung: für eine Kirche, die offen ist für die Welt, und für eine Gesellschaft, die Gerechtigkeit und Frieden braucht.
Maria Alberta Lücker – Gründerin und Wegbereiterin des KAAD
|
Aktuelles
Anlässlich ihres Geburtstages erinnern wir an Dr. Maria Alberta Lücker, die mit Mut und Weitsicht das Fundament für den KAAD legte.



