Rückkehr und Reintegration: Zukunft gestalten nach dem Studium in Deutschland

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Wie lässt sich nach Studium oder Promotion in Deutschland der Übergang in die Zukunft im Heimatland gestalten? Diese Frage stand im Zentrum des digitalen Reintegrationsseminars des KAAD.

Mit dem zunehmenden Ankommen im deutschen Hochschul- und Gesellschaftssystem rückt für viele internationale Studierende und Promovierende die Frage nach dem nächsten Schritt in den Blick: nach Rückkehr, Verbleib oder offenen Übergängen zwischen unterschiedlichen Lebens- und Arbeitskontexten. Reintegration erscheint dabei nicht als bloßer Abschluss einer Bildungsphase, sondern als eigenständiger Prozess, in dem persönliche Entscheidungen, gesellschaftliche Verantwortung und berufliche Perspektiven miteinander verknüpft sind.

Vor dem Hintergrund dieser Übergangs- und Orientierungsfragen fand am 17., 25. und 28. Oktober 2025 das Reintegrationsseminar des KAAD statt, das in drei digitalen Sitzungen durchgeführt und von KAAD-Generalsekretärin Dr. Nora Kalbarczyk geleitet wurde.

Der erste Teil des Seminars setzte bei Entscheidungs- und Orientierungsfragen an. In einem Workshop unter dem Titel „Rückkehr ins Heimatland? Ja, nein, vielleicht – wie und wann?“ reflektierten die Teilnehmenden unterschiedliche Optionen und Zeitpunkte der Rückkehr sowie damit verbundene Unsicherheiten und Erwartungen.

Einen inhaltlichen Schwerpunkt des diesjährigen Reintegrationsseminars bildete der zweiteilige praktische Workshop „The futureMe and the Entrepreneurial Method“, der von KAAD-Alumna Dr. Patricia Cabero aus Bolivien durchgeführt wurde. Ausgangspunkt war die Frage, wie unter Bedingungen globaler Unsicherheit Entscheidungen über den weiteren beruflichen und persönlichen Weg vorbereitet werden können. Auf Grundlage der von Saras Sarasvathy entwickelten ,Entrepreneurial Method´, die unternehmerisches Handeln als einen prozessorientierten Ansatz in offenen und nicht planbaren Situationen beschreibt, arbeiteten die Teilnehmenden mit Fallbeispielen und Reflexionsübungen daran, Handlungsspielräume für die Zeit nach der akademischen Qualifizierung in Deutschland zu identifizieren. Im Zentrum stand dabei nicht die Festlegung abstrakter Zielvorgaben, sondern die Auseinandersetzung der Teilnehmenden mit ihrem eigenen „futureMe“. Dabei reflektierten sie ihre persönliche Ausgangslage, ihre fachlichen und methodischen Kompetenzen, ihre bestehenden Netzwerke sowie die Mittel und Handlungsmöglichkeiten, die ihnen bereits zur Verfügung stehen, um Perspektiven für die Zeit nach der akademischen Qualifizierung in Deutschland zu entwickeln und diese in ihren jeweiligen Heimatländern umzusetzen.

In dem anschließenden Podiumsgespräch berichteten die KAAD-Alumnae Dr. Mekdem Tesfamichael Hassen aus Äthiopien, Trinnah Caracho von den Philippinen und Mary Kamel aus Ägypten sowie der KAAD-Alumnus Dr. Aram Simonyan aus Armenien von ihren Erfahrungen der Rückkehr und Reintegration. Sie gaben Einblicke in unterschiedliche berufliche Kontexte, die von psychosozialer Beratung und Hochschullehre über Entwicklungs- und Freiwilligenprogramme bis hin zu universitärer Forschung und institutionellem Aufbau reichten. Die Beiträge verwiesen auf sehr unterschiedliche politische und institutionelle Rahmenbedingungen, unter denen Reintegration stattfindet, ebenso auf die Notwendigkeit, akademische Qualifikationen in konkrete berufliche und gesellschaftliche Kontexte zu übertragen. Wiederkehrende Bezugspunkte waren dabei persönliche Netzwerke sowie Formen institutioneller Anbindung, die den Übergang in dauerhafte berufliche Tätigkeiten tragen.

Über die einzelnen Programmpunkte hinweg eröffnete das Reintegrationsseminar einen gemeinsamen Reflexionsraum zu Fragen von Rückkehr, Übergängen und beruflicher Orientierung nach der akademischen Qualifizierung. Biografische Erfahrungen der Teilnehmenden, Alumni-Perspektiven und methodische Zugänge standen dabei nebeneinander und machten die Vielfalt möglicher Reintegrationswege sichtbar.

Screenshot des digitalen Reintegrationsseminars des KAAD: Internationale Studierende, Promovierende und Alumni sind in einer Videokonferenz in Kachelansicht zu sehen. Die Teilnehmenden sitzen vor unterschiedlichen Hintergründen und verfolgen einen Online-Workshop in ruhiger, konzentrierter Arbeitsatmosphäre.