Eingebunden in den Tagesablauf der Mönche, im Rhythmus von Gebet, Stille und gemeinschaftlichem Leben, rückten nicht Diskussionen oder Fachvorträge in den Mittelpunkt, sondern existenzielle Fragen: nach dem eigenen Leben, nach Gott und nach der Welt. Die Spirituellen Tage des KAAD laden jedes Jahr dazu ein, sich auf diese besondere Art des Innehaltens einzulassen. Sie bieten Raum für Rückzug und Auseinandersetzung mit Verletzlichkeit, Unsicherheit und den Grenzen des Planbaren – ebenso wie für die Suche nach Orientierung, innerem Halt und spiritueller Tiefe.
Meditationsübungen, Bibelgespräche, gemeinsame Gottesdienste, Spaziergänge entlang der Donau oder kreative Ausdrucksformen eröffneten vielfältige Zugänge. Persönliche Gespräche in kleinen Gruppen oder zu zweit boten weitere Gelegenheiten zum Austausch. Geleitet wurden die Tage von unseren beiden geistlichen Begleitern P. Prof. Dr. Ulrich Engel OP und P. Prof. Dr. Thomas Eggensperger OP, die die Teilnehmenden mit Impulsen und theologischer Orientierung begleiteten.
Um die persönliche Dimension dieser Tage sichtbar zu machen, veröffentlichen wir zwei Erfahrungsberichte von Teilnehmenden. Sie geben Einblick in das, was die Tage in Beuron ausmachte – eine Zeit der Stille, der Erneuerung und der Gemeinschaft.
Erfahrungsbericht von Haykush (Haykuhi) Sahakyan aus Armenien
Vom 24. bis 28. Juli 2025 fanden im Benediktinerkloster Beuron die vom KAAD organisierten Spirituellen Tage statt. Diese Tage boten den Teilnehmern aus verschiedenen Ländern eine einzigartige Gelegenheit, innezuhalten, über ihr Leben und die Welt nachzudenken und sich mit tiefgreifenden persönlichen und spirituellen Themen auseinanderzusetzen.
Das Seminarprogramm war abwechslungsreich und sorgfältig durchdacht. Jeder Tag begann und endete mit den Gebeten der Benediktinermönche, die es den Teilnehmern ermöglichten, in den Rhythmus des Klosterlebens einzutauchen – ein Wechsel von Gebet, Stille und gemeinsamer Präsenz. Besonders beeindruckend war der Vortrag von P. Dr. Albert Schmidt OSB. Er erzählte die Geschichte des Benediktinerordens und vertiefte das Verständnis der Teilnehmenden für die Traditionen und die spirituelle Mission des Klosters. Auch sein persönliches Zeugnis war inspirierend – eine Lebensgeschichte voller Dienste für Gott, die Menschen und mit dem Streben nach dem Erhabenen. Er führte die Teilnehmer auch in die Klosterbibliothek, einen wahren Schatz spiritueller und intellektueller Tradition.
Der Schwerpunkt des Seminars lag auf der inneren Suche: Sich selbst, den eigenen Glauben, die eigene Hoffnung und spirituelle Orientierung zu verstehen – diese Themen gewinnen vor dem Hintergrund einer instabilen Welt, die von Kriegen, Sorgen und wachsender Unsicherheit geprägt ist, an Bedeutung. Unter solchen Bedingungen waren innere Stille, Reflexion und Kommunikation nicht nur Teil des Programms, sondern eine echte Unterstützung für alle, die nach innerem Gleichgewicht suchten.
Die Organisation des Seminars war auf hohem Niveau: Jedes Detail – von der Programmstruktur bis hin zur Atmosphäre der Unterstützung und des Trostes – trug zu einem tiefen Eintauchen in den Prozess bei. Den Stipendiatinnen und Stipendiaten wurden spirituelle Übungen, Meditationen, Selbstreflexionsaufgaben, ein Film („The Room Next Door“, Pedro Almodóvar, 2024) mit anschließender Diskussion, kreative Übungen und Spaziergänge entlang der Donau angeboten. Diese Momente halfen, die eigene Verletzlichkeit besser zu verstehen, Vertrauen in unsichere Situationen zu lernen und innere Unterstützung zu suchen.
Ein besonderer Teil des Programms war ein Ausflug in die Einsiedelei St. Maurus – trotz strömenden Regens. Das Seminar wurde von den Geistlichen Beiräten des KAAD, P. Prof. Dr. Ulrich Engel OP und P. Prof. Dr. Thomas Eggensperger OP, geleitet. Für viele Teilnehmer waren die Spirituellen Tage in Beuron nicht nur ein Seminar, sondern eine bedeutsame Erfahrung persönlichen Wachstums und spiritueller Erneuerung. Es war eine Gelegenheit, innezuhalten, wichtige Fragen zu stellen und der Stille zu lauschen – der Stille, in der echte Antworten geboren werden.
Erfahrungsbericht von Lloyd Kwambana aus Simbabwe
Oft ist ein Retreat eine Gelegenheit, sich vom Alltag zurückzuziehen, inspirierende Impulse zu hören, andere in einem entspannten Umfeld besser kennenzulernen und an spirituellen Übungen sowie Formen der Erholung teilzunehmen. Für uns KAAD-Stipendiaten war es ein stilles Retreat mit dem ausdrücklichen Ziel, Gott in der Stille zu begegnen. In diesen vier Tagen fanden wir eine Ressource und eine Praxis, nach der wir schon lange gesucht hatten.
Die gemeinsame Erfahrung geistlicher Nahrung eröffnete uns die Möglichkeit, Gott auch im Miteinander zu begegnen – einander mit mehr Verständnis und hoffentlich auch mit mehr Mitgefühl zu sehen. Dieses „Gott näher kommen“ geschah, wenn wir zusammen aßen, den Sternenhimmel betrachteten, einen Film schauten, Geschichten austauschten oder lachten. Auf vielerlei Weise teilten wir nicht nur unsere Gedanken, sondern auch unsere Herzen und Hände – unsere gemeinsame Suche nach Gott und die Momente, in denen er uns mit seiner Liebe, Gnade und Barmherzigkeit begegnete. Unterstützt wurden wir dabei von den beiden dominikanischen Geistlichen Beiräten, P. Prof. Dr. Thomas Eggensperger OP und P. Prof. Dr. Ulrich Engel OP.
Das Retreat im Kloster Beuron machte deutlich, wie wichtig die Pflege des inneren Weges ist. Es überzeugte uns von der Notwendigkeit solcher geistlichen Tage, die uns zugleich für die äußeren Herausforderungen des Lebens stärken. Ein Stipendiat brachte es so auf den Punkt: „Mein religiöses Erbe hat das Aktivsein für Gott überbetont und die Praxis der inneren Nahrung vernachlässigt. Das Retreat in Beuron hat mir durch die Meditation den Weg ins kontemplative Leben eröffnet – ein Weg, der für mein geistliches Leben und mein allgemeines Wohlbefinden entscheidend geworden ist.“
Das stille Retreat führte uns zu Übungen, die uns halfen, Gottes Gegenwart auch im Alltäglichen zu suchen: im Gewöhnlichen, im Schwierigen, ja selbst im Tragischen. Wir lernten, dass das Bewusstsein seiner Gegenwart zu einer natürlichen Haltung des Lebens werden kann. Wenn du sitzt: sitze. Wenn du gehst: gehe. Wenn du betest: bete.
Das Programm bot Gelegenheit, sich zurückzuziehen, loszulassen, zu unterbrechen – um auf dem persönlichen Weg zu Gott weiterzukommen. Dies geschah durch die Teilnahme an der Heiligen Messe, an Meditationen, spirituellen Gesprächen, Bibelarbeit und durch die Aufgabe, einen Brief an uns selbst zu schreiben.
Für viele war der stille Rückzug eine Erfahrung, die neue Perspektiven eröffnete: alte Probleme mit klarerem Blick zu sehen, innere Stimmen zur Ruhe zu bringen und Gottes leises Wirken wahrzunehmen. Ein Teilnehmer schrieb: „Meine Zeit abseits von Studium und Alltag hat mir neue Klarheit geschenkt. Ich möchte künftig bewusst stille Zeiten in meinen Tagesablauf integrieren und Gebet und Schrift noch enger mit meinem Leben verbinden.“
Solche Retreats, die ausdrücklich auf geistliches Wachstum ausgerichtet sind, zeigen, was es heißt, einander zu unterstützen und christliches Leben in seinen Herausforderungen zu teilen. Sie bereiten uns darauf vor, Gott im Alltag zu finden – nicht nach unseren Maßstäben, sondern im Vertrauen darauf, dass er uns die Früchte schenkt, die wir brauchen.
Spirituelle Tage in Beuron 2025 – Innehalten und Vertrauen
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Aktuelles, Veranstaltungen
Grundlegende Fragen bestimmten die Spirituellen Tage des KAAD, die im Juli im Benediktinerkloster Beuron stattfanden: Wem kann ich vertrauen? Was trägt mich, wenn Sicherheiten schwinden? Wo ist mein Platz in einer Welt, die aus den Fugen zu geraten scheint?












