Themen und Perspektiven für das Bildungsjahr 2026 festgelegt

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Anfang Juli kam die Bildungskommission des KAAD in Haus Venusberg in Bonn zusammen, um die inhaltliche Ausrichtung des Bildungsprogramms 2026 zu beraten und festzulegen.

Die Bildungskommission setzt sich aus gewählten Vertreterinnen und Vertretern der Stipendiatenschaft, KAAD-Präsidenten P. Dr. Hans Langendörfer SJ und Generalsekretärin Dr. Nora Kalbarczyk, den Leitenden der Regionalreferate sowie den geistlichen Beiräten P. Prof. Dr. Thomas Eggensperger OP und P. Prof. Dr. Ulrich Engel OP zusammen. Im Mittelpunkt der Beratungen stehen Themenvorschläge, die im Vorfeld innerhalb der fünf Kontinentalgruppen entwickelt werden.

Mit dem gemeinsamen Beschluss liegt nun die inhaltliche Grundlage für das kommende Bildungsjahr vor. Die geplanten Seminare spiegeln die Vielfalt der globalen Herausforderungen wider. Die Stipendiatinnen und Stipendiaten aus Afrika etwa wollen die Frage diskutieren, wie Entwicklungszusammenarbeit neu gedacht und mit mehr Autonomie verknüpft werden kann. Die Geförderten aus Asien werden sich mit Klimagerechtigkeit und indigenem Wissen befassen, während im lateinamerikanischen Kontext die Herausforderungen von „Frau sein und glauben“ im Mittelpunkt stehen. Die Geförderten aus dem Nahen und Mittleren Osten werden im Rahmen des Regionalseminars den Schutz kulturellen Erbes in Konfliktzonen in den Fokus rücken, während das osteuropäische Regionalseminar auf die Bedingungen akademischer Mobilität in Krisenzeiten eingeht.

Auch die allgemeinen Seminare greifen relevante Zukunftsfragen auf: Thematisiert werden sowohl die Auswirkungen von Gewalt und deren Verschweigen als auch katholisch-sozialethische Perspektiven auf Klima und Ökologie; es wird gefragt, wie wirtschaftliches Handeln am Gemeinwohl ausgerichtet werden kann und wie Medien und Politik sich gegenseitig beeinflussen. Fragen kultureller Identität wird am Beispiel der Geschichte des Bierbrauens in Deutschland nachgegangen. 

Neben den bereits bestehenden virtuellen Formaten „Verbunden im Gespräch“ sowie „Kultur, Religion und Entwicklung“ wird das Programm durch digitale Workshopreihen zu psychischer Gesundheit, zur Vorbereitung der Reintegration nach dem Studienaufenthalt in Deutschland und zur Promotionsbegleitung ergänzt. Dabei geht es unter anderem um das deutsche Betreuungssystem, die Rechte von Promovierenden und typische Konfliktlagen im interkulturellen Kontext. Spirituelle Tage in Beuron, eine geplante Fahrt nach Taizé sowie die Jahresakademie 2026 mit dem Titel „Selbstbildnisse und Abgrenzungen: Auf der Suche nach Zugehörigkeit in einer krisenhaften Welt“ vervollständigen das Jahresprogramm.

Ein prägender Moment der Tagung war das Rundgespräch zur aktuellen Lage internationaler Studierender in Deutschland. Die Teilnehmenden schilderten eindrücklich, wie sehr strukturelle Hürden ihren Studienalltag belasten. Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum, überfordernde bürokratische Verfahren, eingeschränkter Zugang zu unterstützenden Angeboten und Erfahrungen mit rassistischer Diskriminierung erschweren nicht nur das Ankommen, sondern gefährden auch den Studienverlauf. Besonders deutlich wurde, wie sehr sich soziale Unsicherheit und migrationsfeindliche Diskurse auf das alltägliche Leben und die akademische Teilhabe auswirken. Die Bildungskommission versteht diese Rückmeldungen nicht als Randthemen, sondern als bildungspolitischen Handlungsauftrag. Sie macht die konkreten Lebensrealitäten der internationalen Stipendiatinnen und Stipendiaten zum Ausgangspunkt für die Weiterentwicklung des KAAD-Bildungsprogramms.

Die Bildungskommission im Tagungsraum während der Themenfindung
Die Vertreterin (links, sitzend) und der Vertreter (rechts) der Bildungskommission des Lateinamerika-Referates mit Referatsleiterin Dr. Mirjam Rossa (Mitte, sitzend)
Die Vertreterin und der Vertreter der Bildungskommission des Referates Naher und Mittlerer Osten mit Referatsleiter Nils Fischer im Gespräch, sitzend.
Die Vertreterin und der Vertrer der Bildungskommission für das Afrika-Referat gemeinsam mit Referatsleiter Dr. Marko Kuhn im Gespräch, sitzend.
Die Vertreterin und der Vertrer der Bildungskommission des Asien-Referates gemeinsam mit Dr. Anselm Feldmann im Gespräch, sitzend
Die Vertreterin (links) und der Vertreter (rechts) der Bildungskommission für Osteuropa mit ihren Themenvorschlägen an einem Flipchart
Gruppenfoto der gesamten Bilduungskommission, aufgenommen vor einem Baum auf dem Außengelände von Haus Venusberg