Haiti
Ricardo Amazan

Studium der Philosophie in Rom von Oktober 2024 bis voraussichtlich September 2027
Was hat mir das Adveniat-KAAD-Stipendium ermöglicht?
Seit nun einem Jahr habe ich ein neues Kapitel philosophischer Studien in Rom, Italien, begonnen. Noch immer ringe ich um Worte, um jene Gefühle auszudrücken, die mich zu Beginn erfüllten – Gefühle, die mir bewusst machten, wie tief ich meinem Land, Haiti, verbunden bleibe. Dieses Heimatgefühl nährt meine Recherche und meine Arbeit: In den Bibliotheken wie auch in den Hörsälen führen mein Herz und mein Gedächtnis mich unaufhörlich nach Haiti und in die Welt, zu der es gehört. Es ist wie die Fortsetzung der Hoffnung der Kirche, die im Dienst aller Völker steht.
An der Gregoriana Philosophie zu studieren, ist eine Leidenschaft und eine Freude, die Viele teilen. Dort begegnet man neuen Gesichtern, Professorinnen und Professoren aus aller Welt – und als Krönung die Begleitung durch Adveniat-KAAD, die einen unvergleichlichen Empfang und eine tiefe Vertrautheit schenkt. All dies wurde nur möglich durch die Einladung und die Weitsicht meines Bischofs, der mir ermöglicht hat, diese schönen Erfahrungen im Dienst der Kirche weiterzuführen.
Nach über 365 Tagen in Europa sind die Entdeckungen so zahlreich wie bereichernd: das Aroma des Kaffees, das Verschlingen der Spaghetti, die köstlichen Stunden in der Bibliothek – denn wie Pater Bonard am Institut für Philosophie des Priesterseminars Notre-Dame d’Haïti stets sagte: Man muss die Bücher essen…
Es sind aber auch die unbeholfenen ersten Sätze auf Italienisch, unsere noch zögerlichen Predigten, unsere philosophischen Arbeiten, die sich weiter entfalten; und nicht zuletzt die Wärme der Studierendengemeinschaft des KAAD. Nicht zu vergessen die Reisen, die vom KAAD organisiert werden, die akademischen Exkursionen der Gregoriana oder jene im Rahmen pastoraler Dienste. All das bildet den Schwung eines Lebens, das sich neu schenkt und sich in Freude und Geschwisterlichkeit empfängt.
Was war bisher die schönste Erfahrung im Programm?
In diesem Programm entsteht das Beste aus dem Ganzen – und das zeigt sich vor allem in den Begegnungen.
Ich denke besonders an jenen Tag, als wir in den Katakomben des heiligen Kallistus waren. Die KAAD-Studierenden stiegen hinab – aufgeregt, neugierig –, während ich unzählige Fragen stellte und diesen einzigartigen Ort betrachtete, der auf die ersten Jahrhunderte des Christentums zurückgeht. Ganz unten… ganz unten hielten wir inne, um gemeinsam das heilige Messopfer zu feiern. Ich werde diese wunderschöne Eucharistie nie vergessen, in der das Pater noster in mehr als fünf Sprachen gebetet wurde – darunter auch auf haitianischem Kreol.
Was wünsche ich mir für die restliche Zeit im Adveniat-KAAD-Programm?
Für die kommende Zeit wünsche ich mir Arbeit – noch mehr Arbeit. So viele Fragen warten darauf, gestellt zu werden, in dem Wissen, dass jede einzelne zu einer größeren Offenheit gegenüber der Wirklichkeit des Seins führen kann. Ich wünsche mir zudem, dass das bereits Erlebte bewahrt, vertieft und weitergegeben wird, damit es unsere Freude nährt.
Was meine konkreteren Projekte betrifft, wage ich es noch nicht, sie zu enthüllen… doch eines Tages wird dieser Moment kommen, und ich hoffe, die Welt wird sich darüber freuen.


