Bolivien

Franz Peter Freudenthal

Wenn Kinder in großer Höhe geboren werden, bleiben ihre natürlichen Herzöffnungen wegen des geringeren Sauerstoffgehalts in der Luft von Bergregionen wie La Paz oftmals geöffnet. Dies führt schnell zu einer lebensbedrohlichen Situation. Dieses Problem ließ den Kardiologen Franz Freudenthal nicht ruhen. Zwischen 1993 und 1996 spezialisierte sich der Mediziner mit einem KAAD-Stipendium an der Rheinisch Westfälisch Technischen Universität Aachen in Kinderkardiologie. 1998 gelang es ihm, im Tierversuch ein von ihm entwickeltes Implantat, das aus einem Metall-faden gewebt wird, durch einen Katheter ins Herz zu füh-ren. Dort öffnet es sich und verschließt die lebensbedrohlichen Öffnungen. Die dazu notwendige Webtechnik, die die praktische Herstellung der Implantate verlangt und die keine Maschine leisten kann, wird von den indigenen Weberinnen von der Volksgruppe der Aymara in filigraner Handarbeit hergestellt.

Nach seiner Rückkehr nach Bolivien im Jahr 2003 gründete er gemeinsam mit seiner Ehefrau ein Zentrum für die Diagnose und Behandlung von angeborenen Herzkrankheiten. Sein medizintechnischer Durchbruch hat bis heute mehr als 50.000 Kindern das Leben gerettet. Die in Deutschland erhaltene Ausbildung förderte seine Begabung und brachte ihn dazu, seine Forschungen in Bolivien fortzusetzen. Darüber hinaus leitet Franz Freudenthal seit 2014 ein Projekt mit achtzig jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die die Behandlung von Schlaganfällen erforschen.

Neben der Medizin interessierte sich Franz Freudenthal stets auch für Technik. Sowohl an der Universität in La Paz als auch später in Deutschland war er wegen seines Geschicks und seines technischen Verständnisses sehr geschätzt. Heute gibt es eine ganze Liste von medizinischen Geräten und Instrumenten, die Franz Freudenthal erfunden und entwickelt hat.

Franz Freudenthal wurde als Sohn deutscher Einwanderer in La Paz geboren. Seine jüdischstämmige, vor dem Holocaust geflohene Großmutter inspirierte ihn zum Medizinstudium, indem sie ihn als Kind zu ihren Patientenbesuchen in abgelegene ländliche Gebieten Boliviens mitnahm.