Ghana
Marian Nkansah

Prof. Dr. Marian Nkansah analysiert in Ghana die ökologischen und sozialen Folgen von Umweltverschmutzung – und arbeitet an Lösungen für mehr Gerechtigkeit.
Illegale Goldgewinnung, vergiftete Flüsse, zerstörte Böden: In Ghana hat sich der sogenannte „Galamsey“ – der nicht genehmigte Kleinbergbau – zu einer nationalen Umweltkrise entwickelt. In Flüssen wie dem Pra oder dem Offin fließt längst kein Trinkwasser mehr. Millionen Menschen sind betroffen, Biodiversität schwindet. Marian Nkansah, Alumna des KAAD-Sur-Place-Programms und Associate Professor für Umweltchemie an der Kwame Nkrumah University of Science and Technology (KNUST) in Kumasi, forscht an genau dieser Schnittstelle: Wo Umweltzerstörung zur Lebensrealität wird, macht sie Schadstoffe sichtbar – und fordert politisches Handeln ein.
Nach ihrem Schulabschluss in Nkawkaw arbeitete Marian Nkansah zunächst als pharmazeutische Assistentin in einem katholischen Krankenhaus. 1998 nahm sie das Chemiestudium an der KNUST auf, das sie 2002 mit einer Bachelorarbeit über lokale Weinproduktion abschloss – ein frühes Zeichen für ihre Verbindung von Wissenschaft und Alltagspraxis. Von 2003 bis 2005 absolvierte sie mit einem KAAD-Stipendium ein Masterstudium in Umweltchemie, in dem sie die Qualität von Brunnenwasser in Ghana untersuchte. Parallel dazu begann sie ihre akademische Laufbahn am Department of Chemistry der KNUST, wo sie bis heute tätig ist. Ihre Promotion führte sie später an die Universität Bergen in Norwegen.
Ihr wissenschaftlicher Fokus liegt auf Umwelttoxikologie, Analytik und der Aufarbeitung von Schwermetallbelastungen – insbesondere durch Quecksilber und Cyanid, die im Zusammenhang mit Galamsey eine zentrale Rolle spielen. Marian Nkansah publiziert regelmäßig in internationalen Fachzeitschriften, berät politische Institutionen und engagiert sich für eine stärkere Beteiligung von Frauen in der Naturwissenschaft.
Im Rahmen der KAAD-Jahresakademie 2023, die globale Perspektiven auf Umweltverantwortung, Ressourcenpolitik und sozial-ökologische Transformation in den Mittelpunkt stellte, brachte Marian Nkansah ihre Sicht als Wissenschaftlerin des Globalen Südens in die Diskussionen ein. Sie sprach über die weltweiten Stoffströme von Plastik und Elektroschrott und beleuchtete deren Folgen aus der Perspektive des Globalen Südens.
Während der Akademie traf sie Prof. Dr. Stephan Scholl von der Technischen Universität Braunschweig – Experte für Verfahrenstechnik und Nachhaltigkeit. Aus dem fachlichen Austausch wuchs die Idee zu einem gemeinsamen Forschungsprojekt zum Recycling von PET (Polyethylenterephthalat), einem weltweit verwendeten Kunststoff. Das Projekt PlasticWasteRecycle wurde unter der Leitung von Marian Nkansah an der KNUST entwickelt und im Rahmen des Deutsch-Afrikanischen Innovations- und Anreizpreises (GAIIA) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung ausgezeichnet.
Im Netzwerk des KAAD ist Marian Nkansah seit vielen Jahren aktiv. Sie ist Mitglied des Partnergremiums Ghana, das Stipendienentscheidungen vorbereitet und begleitet – und bringt als Alumna ihre Expertise und Erfahrung in die Auswahl künftiger Fach- und Führungskräfte ein.


