Ghana

Vincent Kyere

Schon während seiner Schulzeit hatte Vincent Kyere den Wunsch, beruflich im Bereich des Ressourcenmanagements tätig zu sein. Nach einem Bachelorstudium in Geodäsie an der KNUST, das er mit herausragenden Noten abschloss, arbeitete Vincent Kyere als Lehr- und Forschungsassistent an seiner Alma Mater mit dem Ziel, sein akademisches Wissen zu vertiefen. Um sich wissenschaftlich weiter zu qualifizieren, bewarb er sich 2005 erfolgreich auf ein KAAD-Stipendium für einen Master in Geoinformationswissenschaften und Ressourcenmanagement. Das Partnergremium zeigte sich nach dem Interview mit Vincent Kyere beeindruckt von seinem Fleiß, seinem Engagement für die katholische Kirche und seiner Vision, im Bereich der Erforschung von Umweltmanagementsystemen tätig zu werden, weil er darin den größten Beitrag zur Entwicklung seines Heimatlandes erkannte. 

Nach dem Abschluss seines Masterstudiums arbeitete Vincent Kyere als Dozent am Catholic University College of Ghana (heute Catholic University of Ghana) in Sunyani. Aus dieser Position heraus bewarb er sich auf ein Stipendium des KAAD für ein Promotionsprojekt über die Umwelt- und Gesundheitsauswirkungen des informellen Elektroschrott-Recyclings in Agbogbloshie (Teil von Accra, Ghana). 2012 konnte er die KAAD-geförderte Promotion am Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn beginnen. Das Ziel seiner Forschung war, Empfehlungen für ein nachhaltiges Management der Elektroschrottverarbeitung zu erarbeiten („Environmental and Health Impacts of Informal E-waste Recycling in Agbogbloshie, Accra, Ghana: Recommendations for Sustainable Management”). Das Thema Recycling von Elektroschrott in Ghanas Hauptstadt war schon damals ein sehr drängendes Problem und erfuhr zunehmende mediale Aufmerksamkeit, denn Accra errang traurige Berühmtheit als Mülldeponie für Elektroschrott aus aller Welt, vor allem aus Europa. Trotz institutioneller und politischer Bemühungen, dem Import dieser gesundheits- und umweltschädlichen Ware Herr zu werden, wuchs die illegale Deponie im Stadtteil Agbogbloshie zur weltweit größten informellen Müllhalde für Elektroschrott. Schätzungsweise 18.000 Menschen arbeiten dort unter hochprekären Bedingungen im ,Urban Mining‘, der Ressourcenextraktion ohne jeglichen gesundheitlichen oder umwelttechnischen Schutz. 

Nach dem Abschluss seiner Promotion kehrte Vincent Kyere nach Ghana zurück, wo er seit 2016 Präsident des Mountain Research Institutes und Teamleiter für Elektroschrott beim Umweltministerium ist. Dabei arbeitet er unter anderem in Projekten, die von der KfW-Bank oder der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit finanziert werden. In Agbogbloshie leitet Vincent Kyere ein Recyclingprojekt, welches umsetzt, was schon im Zentrum seiner Dissertation stand: Die aus dem Elektromüll gewonnenen Sekundärrohstoffe werden von den Sammlern angekauft, um sie dann von offiziellen Recyclingfirmen in Accra fach- und umweltgerecht aufarbeiten zu lassen. Das hält die Sammler davon ab, Materialien wie Kabel, Batterien und Plastik unter gesundheits- und umweltschädlichen Umständen zu verbrennen oder anders weiterzuverarbeiten. Dadurch haben die Menschen in diesem informellen Sektor weiterhin ein finanzielles Auskommen, während ihre Lebensrealität durch die besseren ökologischen und gesundheitlichen Bedingungen konkret und direkt verbessert wird. 

Im ghanaischen KAAD-Netzwerk gehört Vincent Kyere zu äußerst engagierten Persönlichkeiten: Er ist Mitglied des KAAD-Partnergremiums für Ghana und des KASWA-Netzwerks (KAAD Association of Scholars from West Africa).