Israel
Nabila Espanioly

Nabila Espanioly wurde als siebtes von zehn Kindern in eine katholische palästinensische Familie in Nazareth hineingeboren. Nach ihrem Abitur an der franziskanischen Mädchenschule in Nazareth arbeitete sie ein Jahr lang im Sozialamt von Nazareth – dadurch wurde ihr Interesse an einer Beschäftigung als Sozialarbeiterin geweckt, weshalb sie sich für ein Studium der Sozialen Arbeit mit dem Schwerpunkt Rehabilitation entschied, das sie mit einem Bachelorabschluss an der Universität Haifa beendete.
Aufgrund ihrer sehr angespannten wirtschaftlichen Situation finanzierte sie ihre Studien zunächst durch Tätigkeiten als Sozialarbeiterin in der Umgebung von Haifa und dann im Hadassah-Krankenhaus in Jerusalem, bevor sie in ein Jerusalemer Zentrum für Drogenmissbrauch wechselte. In ihrer Arbeit mit den Schwachen und Benachteiligten erkannte sie, dass ihre Situation nur verbessert werden kann, wenn die Sozialarbeit durch politisches Engagement begleitet wird. Durch die Zusammenarbeit mit klinischen Psychologen und Einblicke in die therapeutische Arbeit entstand ihr Wunsch, Psychologie zu studieren. Da sie sich aufgrund ihres politischen Engagements für die Gleichstellung von palästinensischen Bürgerinnen und Bürgern in Israel mit großen Schwierigkeiten im Studium und bei der Arbeit konfrontiert sah, entschied sie sich, nach Deutschland zu gehen, um dort Psychologie zu studieren und nach ihrer Rückkehr nach Israel unabhängig arbeiten zu können. In Deutschland besuchte sie zunächst einen einjährigen Sprachkurs. Danach nahm sie das Studium der Psychologie (Schwerpunkt Kinder- und Jugendschutz) an der Universität Bamberg auf, für das sie ab 1985 mit einem Stipendium des KAAD gefördert wurde.
Direkt nach ihrem erfolgreichen Abschluss kehrte Nabila Espanioly nach Israel zurück, wo sie ihre akademische Qualifikation zunächst in einer Jugendeinrichtung in Akko einbrachte. Zur gleichen Zeit begann sie, sich beim Nazareth Nursery Institute zu engagieren, das sich für Frauenhilfe einsetzt. 1989 gründete sie, gemeinsam mit einer Gruppe von Frauen aus dem Umfeld dieses Instituts, das al-Tufula Pedagogical and Multipurpose Women's Center in Nazareth und wurde dessen Direktorin. Das al-Tufula-Zentrum setzt sich für die Förderung und Unterstützung von benachteiligten Frauen und Kinder ein. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht dabei die Verbesserung der frühkindlichen Betreuung und Entwicklung und die Stärkung von Frauen, damit sie ihre Fähigkeiten voll ausschöpfen können. Die Arbeit zielt insbesondere auf die Gleichberechtigung von Frauen und Männern ab, um ein System der gegenseitigen Unterstützung zu fördern.
Darüber hinaus will Nabila Espanioly ein Bewusstsein dafür schaffen, dass auch die arabischen Familien ein Teil der israelischen Gesellschaft sind. Dazu kooperiert sie mit zahlreichen lokalen Nichtregierungsorganisationen, die sich für Kinder-, Frauen- und Menschenrechte in Israel einsetzen. Gemeinsam mit ihnen führt sie Projekte und wissenschaftliche Forschungsvorhaben durch und arbeitet in Kampagnen zusammen, um ein öffentliches Bewusstsein für die besonderen Belange von Kindern und Frauen zu schaffen.
Nabila Espanioly publiziert kontinuierlich zur Frage der Frauenrechte in Israel, zudem hat sie mehrere kinder- und jugendpädagogische Lehrbücher und Curricula erstellt, u. a. zur Trauma-Arbeit. Darüber hinaus schreibt sie Kinderbücher, in denen sie aktuelle und historische Themen aufnimmt, die über die Situation der palästinensischen Bevölkerung in Israel informieren. Ihre Verbindungen mit Partnerinnen und Partnern in Deutschland sind lebendig; regelmäßig hält sie hier Vorträge über ihre Arbeit und die Situation in Israel. Als aktive Katholikin engagiert sie sich sowohl für ihre Heimatkirche als auch weltkirchlich, etwa in der Initiative des Weltgebetstags der Frauen. Mit dem KAAD und dem Alumni-Netzwerk ist Nabila Espanioly eng verbunden, weshalb sie 1997 den israelisch-palästinensischen Alumni-Verein Auda („Rückkehr“) gründete, um den Austausch im lokalen Netzwerk anzuregen und sich regelmäßig zu treffen. Beim KAAD bringt sie sich mit ihrer Expertise beispielsweise als Referentin ein.
Für ihre Arbeit und ihr Engagement wurde Nabila Espanioly mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet, etwa mit dem Aachener Friedenspreis (2003). Mehrfach wurde sie für den Friedensnobelpreis nominiert.


