Kolumbien

Henry Murillo

Schon während seiner ersten Studienjahre entdeckte Henry Murillo das Strafrecht als seine Berufung. Da das kolumbianische Strafrecht stark durch die deutsche Rechtsdogmatik geprägt ist, entwickelte er früh den Wunsch, ein Aufbaustudium in Deutschland zu absolvieren. Mit diesem klaren Ziel vor Augen begann er, die deutsche Sprache am Goethe-Institut in Bogotá zu erlernen und knüpfte erste Kontakte nach Deutschland über Gastprofessoren an seiner Universität. Im Jahr 2012 nahm er seine Tätigkeit am Strafsenat des Obersten Gerichtshofs Kolumbiens auf. Schon früh wurde er hier mit komplexen juristischen Fragestellungen konfrontiert, die eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Strafrechtsprechung erforderten. In dieser Zeit begegnete er auch Pater Guillermo Andrés Escobar Trujillo, mit dem er tiefgreifende Gespräche über Glauben und Lebensziele führte. In dieser Phase machte Pater Guillermo ihn auf den KAAD aufmerksam und zeigte ihm so die Möglichkeit eines Studiums in Deutschland auf. In der Folge bewarb sich Henry Murillo
beim KAAD und überzeugte nicht nur dessen Auswahlgremium, sondern  meisterte auch die Hürden zur Aufnahme in das Studium des Magister Legum an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Neben dem Strafrecht setzte Henry Murillo einen Schwerpunkt auf das öffentliche Recht und absolvierte Forschungsaufenthalte am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg. Trotz einer vorzeitigen Rückkehr nach Bogotá, um dort seinen kranken Vater zu pflegen, arbeitete er weiter an der Fertigstellung seiner Magisterarbeit. Zur Verteidigung kehrte er nach Freiburg zurück und schloss sein Studium 2015 mit magna cum laude ab. Seinen Aufenthalt in Deutschland beschreibt er als Teil der „wertvollsten und bereicherndsten Erfahrungen“ seines Lebens. Besonders hebt er die Rolle des KAAD hervor, der ihm – so seine Worte – „ein Gefühl von Zuhause, Unterstützung, Motivation
und Zuneigung“ vermittelt habe. Diese Erfahrung sei untrennbar mit den Menschen verbunden gewesen, die ihn während dieser Zeit begleiteten. Der Austausch mit Stipendiatinnen und Stipendiaten aus aller Welt habe ihm Rückhalt gegeben und den Aufenthalt über das Fachliche hinaus geprägt. Auch in der Katholischen Hochschulgemeinde Freiburg, wo er „das Glück hatte, wohnen zu dürfen“, fand er einen geistlichen und sozialen Anknüpfungspunkt. 

Seit 2016 arbeitet Henry Murillo als Assistenzrichter (magistrado auxiliar) am Obersten Gerichtshof Kolumbiens und lehrt zugleich an der Universidad Libre in Bogotá. Dank des Studiums in Freiburg mit Schwerpunkten in internationalem Strafrecht, deutscher Strafrechtsdogmatik und juristischer Methodik ist er zu einem Brückenbauer zwischen kolumbianischer und deutscher Rechtskultur
geworden. Dem KAAD-Netzwerk ist er als Alumnus und Experte in der Fachgruppe Frieden und Gerechtigkeit weiterhin sehr verbunden.
Die Bedeutung des Studiums in Freiburg für seinen beruflichen und persönlichen Werdegang fasst Henry Murillo folgendermaßen zusammen: „Die Erfahrungen in Deutschland haben nicht nur mein Wissen gefestigt, sondern auch meine Werte geprägt: Engagement, Verantwortungsbewusstsein und die Leidenschaft, sich aktiv für Gerechtigkeit einzusetzen. Mit diesem Fundament möchte ich mein Wissen weiterhin in Kolumbien einbringen, Studierende fördern und die Justiz mit Integrität, Professionalität und Herz mitgestalten."