Philippinen
Regina Therese Bacalso

Regina Bacalso wuchs auf der philippinischen Insel Cebu auf, einer Region, in der das Meer Lebensgrundlage, Wirtschaftsraum und zugleich durch Übernutzung und Umweltveränderungen gefährdeter Naturraum ist. Bis heute fasziniert sie die enorme Vielfalt und die Verbindungen mariner Ökosysteme mit anderen Lebensbereichen. So liefern Ozeane Nahrung, Sauerstoff, Klimaregulierung sowie Kultur- und Erholungsräume – Zusammenhänge, die Regina Bacalso mithilfe der Meereswissenschaften untersucht. Als sie vor der Entscheidung über ihre weitere Ausbildung stand, wurde dieses Interesse erstmals konkret. Mit Unterstützung ihrer Eltern folgte sie ihrem Interesse am Meer, bestand die Aufnahmeprüfung zum Studium der Fischereiwissenschaften mit Schwerpunkt Meeresfischerei und erhielt dafür ein Stipendium – eine Erfahrung, die ihre Entscheidung für eine wissenschaftliche Laufbahn bestärkte.
Nach ersten Studien- und Berufserfahrungen entschied sich Regina Bacalso für eine weitere fachliche Vertiefung im internationalen Kontext. Sie absolvierte ein Masterstudium in „International Studies in Aquatic Tropical Ecology“ (ISATEC) an der Universität Bremen. Ausschlaggebend für die Wahl des Studienortes waren Vorbilder aus ihrem akademischen Umfeld auf den Philippinen, die in Deutschland studiert hatten und Theorie mit Feldforschung verbanden.
Nach Abschluss des Masterstudiums arbeitete Regina Bacalso mehrere Jahre im philippinischen Programm zur Verbesserung von Ökosystemen für eine nachhaltige Fischerei (Ecosystems Improved for Sustainable Fisheries, ECOFISH). Dort war sie als Referentin in einem international geförderten Projekt tätig, das Fragen nachhaltiger Fischereientwicklung und Ressourcennutzung in den Mittelpunkt stellt. In dieser Phase vertiefte sie ihre fachliche Auseinandersetzung mit sozial-ökologischen Zusammenhängen und sammelte umfangreiche praktische Erfahrungen, die für ihre spätere wissenschaftliche Arbeit relevant waren.
Aufbauend auf ihren beruflichen Erfahrungen im Bereich der nachhaltigen Fischerei entschied sich Regina Bacalso für eine Promotion am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) in Bremen, das ihr mit seinem interdisziplinären Ansatz aus Natur-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften das ideale Umfeld für ihre Forschung in tropischen Meeresökosystemen bot. Inhaltlich fokussierte sich ihre Dissertation auf Fragen menschlicher Kooperation bei der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen in sozial-ökologischen Systemen.
Während ihrer Promotionszeit in Bremen bewarb sich Regina Bacalso gezielt um ein Stipendium des KAAD. Ausschlaggebend war für sie, dass der KAAD wissenschaftliche Qualifikation nicht losgelöst von gesellschaftlicher Verantwortung versteht. Ihre Promotion betrachtete sie nicht als rein akademisches Projekt, sondern als Teil eines beruflichen Weges, der auf die nachhaltige Nutzung mariner Ressourcen und die Stärkung lokaler Handlungsspielräume in ihrem Herkunftsland ausgerichtet ist. Die Ausrichtung des KAAD, internationale Forschung mit Rückbindung an Herkunftskontexte und Rückkehrperspektiven zu verbinden, fügt sich in dieses Verständnis ein.
Seit ihrer Rückkehr auf die Philippinen arbeitet Regina Bacalso in leitender Funktion im Fischereiprogramm „Fish Right“, einem international getragenen Vorhaben zur nachhaltigen Nutzung mariner Ressourcen, das beim philippinischen Ministerium für Landwirtschaft, Behörde für Fischerei und aquatische Ressourcen, angesiedelt ist. Dort ist sie an der Schnittstelle zwischen staatlichen Stellen, lokalen Verwaltungsbehörden, akademischen Partnereinrichtungen, Nichtregierungsorganisationen und Fischergemeinden tätig. Ziel ihrer Arbeit ist es, wissenschaftlich fundierte und partizipative Entscheidungsprozesse im Fischereimanagement zu fördern. Als Expertin für Ökosystemmodellierung unterstützt sie die beteiligten Partnerinnen und Partner bei der Entwicklung von Netzwerken mariner Schutzgebiete, nachhaltigen Bewirtschaftungsstrategien und weiteren Instrumenten des Ressourcenmanagements. Darüber hinaus engagiert sie sich in der fachlichen Weiterbildung von Mitarbeitenden staatlicher Behörden, indem sie Schulungen und Seminare zur Bewertung von Fischbeständen und zur Anwendung ökosystembasierter Modelle durchführt.


