– primär für Stipendiatinnen und Stipendiaten aus Afrika –
Die Beziehungen zwischen dem Globalen Norden und dem afrikanischen Kontinent sind seit Jahrzehnten von bilateralen und multilateralen „Entwicklungshilfe“-Projekten geprägt. Die Entwicklungszusammenarbeit (EZ) zwischen Deutschland und afrikanischen Ländern blickt auf eine lange, komplexe und teils widersprüchliche Geschichte zurück. Ein zentrales Problem besteht in der Fortsetzung kolonialer Muster und Machtasymmetrien. Viele Projekte, die im Rahmen der EZ umgesetzt werden, basieren bis heute auf einem Geber-Nehmer-Verhältnis, das die Länder des Globalen Nordens als „Helfende“ und die Länder des Globalen Südens als „Empfangende“ positioniert.
In den vergangenen Jahren ist die Kritik an dieser Form der klassischen Entwicklungs-zusammenarbeit gewachsen. Afrikanische Intellektuelle, zivilgesellschaftliche Organisationen und Studierende fordern, ihre Wirksamkeit und ihre Nebenwirkungen neu zu bewerten. Immer deutlicher wird, dass Hilfszahlungen, die einst als solidarischer Beitrag gedacht waren, vielerorts Abhängigkeiten vertiefen und Eigeninitiative schwächen. Stimmen wie die der sambischen Ökonomin Dambisa Moyo („Dead Aid“) oder des kenia-nischen Ökonomen James Shikwati mahnen an, die strukturellen Muster von Paternalismus und Ungleichheit zu durchbrechen. Denn Entwicklungszusammenarbeit reproduziert noch immer Bilder eines hilfsbedürftigen Afrikas und eines überlegenen Nordens.
Vor diesem Hintergrund fragt das Seminar, wie Entwicklung in Zukunft partnerschaftlich, nachhaltig und aus afrikanischer Perspektive neu gedacht werden kann. Dabei geht es nicht nur um Kritik, sondern um die Suche nach alternativen Ansätzen, die den Zielen der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung gerecht werden.
In Kooperation mit der Katholischen Akademie Freiburg wird das Seminar den Dialog mit Akteuren der kirchlichen und staatlichen Entwicklungszusammenarbeit suchen und diese mit Afrikanerinnen und Afrikanern zusammenbringen, die ihre Vorstellungen von „Entwicklung“ selbst formulieren und diskutieren. Auch der Austausch mit deutschen Studierenden, die über die eigene Rolle in der Entwicklungspolitik reflektieren, spielt eine Rolle.


