Frau sein und glauben – Herausforderungen im lateinamerikanischen Kontext

Karlsruhe | 26.11.2026 - 29.11.2026

In vielen Ländern Lateinamerikas prägen tief verwurzelte patriarchale Strukturen nicht nur das gesellschaftliche Zusammenleben, sondern auch religiöse Institutionen – insbesondere die katholische Kirche. Frauen erleben diese Strukturen in Form von Machismus, Ausschluss von Entscheidungsprozessen und einem kirchlichen Rollenverständnis, das weibliche Spiritualität häufig auf die private Sphäre reduziert.

Trotzdem gibt es zahllose Frauen, die – in Kirche und Gesellschaft – Glauben leben, Strukturen hinterfragen und Räume für Erneuerung öffnen. Dieses Seminar lädt zur Auseinandersetzung mit der Spannung zwischen persönlichen Glaubenswegen und institutionellen Machtverhältnissen ein. Es geht um das „Trotzdem“: das Festhalten am Glauben und das engagierte Mitwirken am Wandel – innerhalb der Kirche, aber auch darüber hinaus.

Im Mittelpunkt stehen Fragen wie: Wie erleben lateinamerikanische Frauen ihre Rolle in Kirche und Gesellschaft? Welche Stimmen, Bewegungen und theologischen Ansätze existieren im kirchlichen Raum, die eine geschlechtergerechtere Kirche fordern? Welche Unterschiede zeigen sich im Vergleich zur Situation von Frauen in der Kirche in Deutschland? Und welche Rolle spielen Männer in diesem Prozess – als Mitgestaltende einer gerechteren Kirche?

Neben Impulsen aus Theologie, Genderforschung und kirchlicher Praxis bietet das Seminar Raum zur persönlichen Reflexion: Eigene Erfahrungen, Erwartungen und Ambivalenzen sollen sichtbar gemacht werden. Der Austausch mit anderen Stipendiatinnen und Stipendiaten eröffnet dabei neue Perspektiven auf gemeinsames Engagement.

Ziel ist es, individuelle Glaubenswege zu würdigen und zugleich gesellschaftliche und kirchliche Veränderungsprozesse zu denken – getragen von der Überzeugung, dass eine lebendige Kirche nur im Miteinander aller Glieder wachsen kann.