KAAD-Alumni-Seminar in Äthiopien: Künstliche Intelligenz aus wissenschaftlicher und kirchlicher Perspektive

|   Afrika, Aktuelles, Seminare

Wie Menschen KI nutzen, welche Aufgaben sie ihr übertragen und wo menschliches Urteilsvermögen unverzichtbar bleibt, diskutierten aktuelle und ehemalige KAAD-Geförderte beim KASHA-Seminar in Arba Minch. Dabei ging es um wissenschaftliche Anwendungen und kirchliche Positionen zu einem verantwortlichen Umgang mit KI.

Die Alumni-Vereinigung „KAAD Association of Scholars from the Horn of Africa“ (KASHA) veranstaltet jedes Jahr in Äthiopien ein Seminar zu einem aktuellen Thema. Vom 18. bis 21. Juni 2026 kamen dazu 19 aktuelle und ehemalige KAAD-Geförderte an der Universität Arba Minch im Süden des Landes zusammen. Das Seminar trug den Titel „Faith Meets Technology: Religious and Scientific Perspectives on Artificial Intelligence and Its Uses“.

Zu Beginn ging es um die technischen Grundlagen der KI, in die Dr. Mohammed Abebe von der Universität Arba Minch einführte. Er zeichnete die Entwicklung von generativer KI zu heutigen agentischen KI-Systemen nach, die zunehmend eigenständig Aufgaben planen und ausführen können. Während generative KI Inhalte wie Texte, Bilder, Programmcode oder Musik erzeugt, können agentische Systeme darüber hinaus Werkzeuge nutzen und Handlungen zur Erreichung vorgegebener Ziele ausführen.

Die kirchliche Perspektive auf den Einsatz von KI erläuterte KAAD-Alumna Bezawit Assefa. Sie ist Softwareentwicklerin und leitet das Büro für Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit und IT der Katholischen Bischofskonferenz Äthiopiens. Ausgehend von der Enzyklika „Magnifica humanitas“ von Papst Leo XIV. sprach sie über KI als Instrument für Wissenschaft und Fortschritt sowie über Fragen der Menschenwürde, der sozialen Gerechtigkeit und der Regulierung neuer Technologien. Dabei ging sie auch auf die Warnungen des Papstes vor einer Konzentration von Macht, der Reduzierung des Menschen auf Daten sowie dem Einsatz autonomer Waffensysteme ein. Sie erläuterte die Forderung nach internationaler Zusammenarbeit und einer Regulierung, die insbesondere gefährdete Menschen schützt. Zugleich beschäftigte sie sich mit dem Risiko, menschliches Gewissen, moralisches Urteil und Empathie durch technische Systeme zu ersetzen.

Im Anschluss diskutierten die Teilnehmenden im Plenum, welche Rolle KI bereits heute in ihrem akademischen, beruflichen und persönlichen Alltag spielt. Dabei ging es auch darum, welche weiteren Aufgaben KI künftig übernehmen könnte und wie sie als Werkzeug des Menschen gestaltet werden kann. In Arbeitsgruppen vertieften sie diese Fragen und tauschten sich über ihre eigenen Erfahrungen mit KI aus.

Ergänzt wurde das Seminar durch Beiträge zweier KAAD-Alumni, die ihre Forschung an der gastgebenden Arba Minch University Universität Arba Minch vorstellten. Prof. Kumelachew Yeshitela erläuterte seine Forschungen zu Ökosystemleistungen und Biodiversitätsschutz, während Prof. Brook Lemma über die Seen des Ostafrikanischen Grabenbruchs sowie über den Zusammenhang von Niederschlagsmustern, unterirdischen Wassersystemen und Klimawandel sprach. Arba Minch liegt zwischen dem Abaya- und dem Chamo-See. Der Name der Stadt bedeutet auf Amharisch „Vierzig Quellen“ und verweist auf die natürlichen Quellen, die die Stadt und ihre Umgebung mit Trinkwasser versorgen.

Am zweiten Seminartag bot sich Gelegenheit, einige dieser Themen vor Ort kennenzulernen. Die Teilnehmenden besuchten ein Ökotourismusprojekt der Dorze, wo sie Einblicke in die traditionelle Webkunst und den Bau von charakteristischen Bambushäusern erhielten. Der Besuch umfasste Vorführungen zur Verarbeitung von Baumwolle sowie traditionelle Musik und Tänze. Die Gruppe probierte außerdem Kocho, ein aus der Ensete-Pflanze gewonnenes Nahrungsmittel. Eine weitere Exkursion führte in das bewaldete Quellgebiet von Arba Minch. Bei einer geführten Wanderung erläuterten die wissenschaftlichen Fachleute aus der Gruppe die örtlichen ökologischen Zusammenhänge. Den Tag schloss ein gemeinsamer Gottesdienst in der katholischen Pfarrei der Stadt ab, zu dem die Spiritaner eingeladen hatten.

Das Seminar wurde von den KAAD-Alumni Dr. Ephrem Tekle Yacob, Tsegaye Yoseph sowie dem KASHA-Koordinationsteam organisiert und von dem Leiter des Afrika-Referates des KAAD, Dr. Marko Kuhn, begleitet.

Dr. Mohammed Abebe sitzt neben einem Tisch mit Laptop und Beamer. Während er spricht, gestikuliert er mit der rechten Hand.
Ein Referent steht vor der Seminargruppe und einer projizierten Präsentation. Ein Teilnehmer meldet sich mit erhobener Hand zu Wort.
Die Seminargruppe steht vor hohen, kuppelförmigen Bambushäusern der Dorze. Im Hintergrund sind große grüne Blätter im Nebel zu sehen.
Die Gruppe des KASHA-Seminars in Arba Minch posiert in zwei Reihen für ein gemeinsames Foto.
Mitglieder der Seminargruppe sitzen während der Exkursion ins bewaldete Quellgebiet von Arba Minch nebeneinander auf einem umgestürzten Baumstamm.
Die Seminargruppe sitzt in einem Holzgebäude an blumengeschmückten Tischen. Viele tragen bunt gewebte Schals und Hüte; an den Wänden hängen farbige Stoffe.